Schwierige Holzernte in Weisenbach

Weisenbach (mm) – Motorsägen knattern, ein lautes Krachen, eine Tanne kippt, ein Plumpsen – und kurze Zeit herrscht Ruhe. Holzfäller sind im Latschigbachtal in Weisenbach an der Arbeit.

Ein Rückezug ist beim Sicherungshieb im Latschigbachtal im Einsatz. Foto: Markus Mack

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Ein Rückezug ist beim Sicherungshieb im Latschigbachtal im Einsatz. Foto: Markus Mack

Die Bedingungen sind schwierig, denn das Gelände am Fuß des großen Schöllkopfs ist steil. „Die Arbeit hier ist nicht ohne“, sagt Revierleiter Dietmar Wetzel. „Wenn ein Stamm ins Rutschen kommt, dann hält den niemand mehr auf.“

Einer landete im friedlich dahinplätschernden Latschigbach, erzählt er. Der Baum musste mit der Winde des Rückefahrzeugs wieder auf den Weg zurückgeholt werden. Plötzlich ein Rumpeln, ein Felsbrocken rollt bergab – ein dumpfer Schlag. Der Sockel der Heuhütte, die ihn aufgehalten hat, bleibt zur Freude des Försters unbeschädigt. Sollten sich Menschen in der Richtung solcher „hüpfenden“ Steine oder rutschenden Stämme aufhalten, dann wird es für sie echt gefährlich. Deshalb ist der Bereich im Latschigbachtal abgesperrt, „und die Leute halten sich daran,“, zeigt sich der Förster erleichtert.

Rückeraupe mit Fernsteuerung

Zwei „Rotten“ Holzfäller sind im Steilhang an der Arbeit – und die verstehen ihren Job. Umsichtig gehen sie ans Werk, sägen Fällkerben und sichern Stämme mit einer ferngesteuerten Rückeraupe, damit sie nicht in die falsche Richtung talwärts fallen. Erst danach erfolgt der „finale Schnitt“, der den Baum lautstark umstürzen lässt.

Der „Sicherungshieb“ im Gewann Ertelbronn ist erforderlich geworden, weil dort vermehrt dürre Tannen stehen. Diese drohen umzufallen, auf den Weg oder die 20-KV-Stromleitung, die durch das Latschigbachtal führt und den Weisenbacher Wasserhochbehälter oberhalb des Latschigbads sowie den Gernsbacher Stadtteil Reichental mit Energie versorgt. Wetzel rechnet mit etwa 200 Festmetern Holz, die bis Montagabend anfallen werden. Auch ein Stück Privatwald wird gerodet.

Holzmarkt ist aufnahmefähig

Ein lautes Dieselbrummen wird hörbar, der Rückezug von Bernd Armbruster kommt talaufwärts gefahren. Groß und gelb, drei Achsen, 18 Tonnen Leergewicht, 240 PS stark, mit einem Kran mit zehn Metern Reichweite ausgestattet, ein höchst beeindruckendes Fahrzeug. Sicher beherrscht der Rückeunternehmer sein „Werkzeug“ und belädt es mit Bruchholz, Ästen, Baumkronen und dünnerem Stammholz. Dieses wird an passenden Stellen gelagert, um später zu Hackschnitzeln verarbeitet zu werden. Das Stammholz liegt auf Poldern auf den Parkplatzflächen beim Latschigbad. Dort wartet es auf einen raschen Abtransport in die Sägewerke. „Der Holzmarkt ist aufnahmefähig“, erläutert Wetzel.

Die Baumstümpfe bleiben im Hang und helfen so, das Abrutschen des Erdreichs zu verhindern. Eine Aufforstung der Hiebfläche von Menschenhand ist nicht vorgesehen. Es werden nur die dürren und gefährdeten Bäume gefällt, der Rest bleibt stehen und sorgt mit seinen Samen und Früchten für die Naturverjüngung.

Am Montag sind die Holzfäller noch im Latschigbachtal im Einsatz, so ist der Hieb geplant. Am Dienstag wird aufgeräumt. Dann können die Wege, die im Flurneuordnungsverfahren neu angelegt wurden und die ein Starkregen Anfang Juni ausspülte und beschädigte, wieder hergerichtet werden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Mack

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Erstellt:
1. Oktober 2021, 14:59 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 21sec

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