Schwieriger Start in die Spargelsaison

Lichtenau/Rheinmünster (iru) – Landwirte aus Lichtenau und Rheinmünster klagen über die schlechte Witterung: Denn dank ihr gestaltet sich der Start in die Spargelsaison schwierig.

Sortierung läuft: Roland Fraß (links) und seine Mitarbeiter sind auch in der Weiterverarbeitung des frisch gestochenen Spargels aktiv. Foto: Ingbert Ruschmann

© iru

Sortierung läuft: Roland Fraß (links) und seine Mitarbeiter sind auch in der Weiterverarbeitung des frisch gestochenen Spargels aktiv. Foto: Ingbert Ruschmann

In den zurückliegenden Wochen war es meist ungemütlich auf den Spargelfeldern in Ulm. Lebhafter Südwestwind, Regenfälle, einstellige Temperaturen – das war für die Erntehelfer unangenehm. Das spargelfeindliche Wetter schlug zudem bei der Erntemenge durch, die Ausbeute hinkte den durch viele sonnige März-Tage geweckten Erwartungen hinterher. Jetzt steigen die Temperaturen endlich – und es wird Zeit, dass die Stangen sprießen.

Spargelbauer Roland Fraß hätte sich auch schon im März etwas mehr Wachstumstemperament von seinen Spargelpflanzen gewünscht. „Die Wüchsigkeit der Kultur ist in diesem Jahr schleppend“, zieht der Vollerwerbslandwirt eine gedämpfte Frühbilanz. Ausmaß und die Geschwindigkeit des Spargelwachstums und das natürliche Bestreben, möglichst viele Triebe an der Knolle zu entwickeln, sind nach seiner Einschätzung bisher unterdurchschnittlich. Nicht allein wegen des kürzlichen Wintereinbruchs sieht Fraß einen verhaltenen Start in die aktuelle Spargelzeit. Dennoch: Der schleppende Saisonauftakt stehe einer guten Ernte nicht entgegen, meint er nach seiner über 30-jährigen Erfahrung im Spargelanbau.

Für die hinter den Erwartungen zurückgebliebene Wüchsigkeit des Spargels macht Fraß auch die Witterungsverhältnisse im vergangenen Sommer und Herbst verantwortlich.

Spargel bereitet sich schnell auf neue Erntezeit vor

Die physiologischen Vorgänge auf den Feldern nach der Spargelernte skizziert er dabei wie folgt: Gleich nach der Erntezeit bereitet sich der Spargel schon wieder auf die nächste Saison vor, indem er den Nährstoffvorrat in den Wurzeln wieder auffüllt. Sommermonate mit wenig Regen setzen die Pflanzen nachhaltig unter Stress, worauf die den eher leichten Boden bevorzugende Kultur im Spargelkraut durch Fotosynthese und Assimilation gebildeten Nährstoffe in den Wurzeln einlagert. Damit folgt sie ihrem eigenen Erhaltungstrieb. Gut ausgebildete Wurzeln infolge einer ausreichenden Nährstoffversorgung sind im darauffolgenden Frühjahr Garant für ein schnelles Wachstum. Außerdem führen sie letztendlich zur Bildung zahlreicher Knospen an der Wurzelknolle, welche frühzeitig zu Spargelstangen heranreifen. Hat die Spargelpflanze nach der Ernte dagegen genügend Wasser zur Verfügung, verbleiben die Nährstoffe zum Großteil im oberirdischen Bereich. Der Transport in die erdnahen Pflanzenbereiche findet nur unzureichend statt, was einen relativen Mangel im jährlich sich neu konstituierenden Wurzelwerk und damit eine geringer ausgeprägte Wüchsigkeit zur Folge hat.

Nicht vergügungssteuerpflichtig: Böiger Wind und Regen auf den Spargelfeldern gehören jetzt glücklicherweise der Vergangenheit an. Foto: Ingbert Ruschmann

© iru

Nicht vergügungssteuerpflichtig: Böiger Wind und Regen auf den Spargelfeldern gehören jetzt glücklicherweise der Vergangenheit an. Foto: Ingbert Ruschmann

Neben den ungünstigen Witterungsbedingungen 2021 versetzte der Wintereinbruch Anfang April dem zuvor wegen frühlingshafter Temperaturen erhofften Bilderbuchstart in die Spargelsaison einen empfindlichen Dämpfer. „Wir haben nach ein paar sonnigen Tagen bereits 17 Grad Celsius an der Knolle gemessen“, blickt Fraß auf vielversprechende Temperaturen an den entscheidenden Stellen in 40 Zentimetern Tiefe zurück. Doch dann kam die Kaltluft polaren Ursprungs und brachte zudem ergiebigen Regen mit, der zu allem Überfluss die Kälte direkt an die Knolle transportierte. Diese habe dann prompt das Wachstum nahezu komplett eingestellt.

Rumänische Saisonkräfte sagen schnell zu

Ganz nach Wunsch hingegen lief für den Ulmer Landwirtschaftsbetrieb die Rekrutierung von Erntehelfern. Weil die Arbeitslosigkeit in der rumänischen Heimat aktuell deutliche Tendenzen nach oben zeige, stieß die Nachfrage aus Ulm nach Saisonarbeitern auf gute Resonanz. „Innerhalb von zwei Tagen hatte ich von allen eine schriftliche Zusage“, blickt Fraß auf eine entspannte Saisonvorbereitung zurück. Die wirtschaftliche Lage sei aber bereits schon vor dem Krieg in der Ukraine schlecht gewesen, berichten die südosteuropäischen Mitarbeiter auf den Spargelfeldern in Mittelbaden.

Als „schwierig“ bezeichnet etwas weiter nördlich Franz Leonhard den Start in die neue Saison. Auch wenn Frostschäden auf seinen Feldern gerade noch hätten abgewendet werden können, verursachten zuletzt die starken Winde erheblichen zeitlichen Mehraufwand. „Wir mussten immer wieder die Folien auf die Dämme zurückschieben“, beschreibt der Söllinger Landwirt die sich auf die Lohnkosten empfindlich durchschlagenden Zusatzarbeiten. Außerdem sei auch bei ihm die spargelfeindliche Witterung größter Hemmschuh zu Beginn der Spargelzeit.

Keine sprunghafte Preissteigerung erwartet

Moderate Teuerung 2022: Roland Fraß erwartet keine sprunghaften Preissteigerungen beim königlichen Gemüse wegen des Krieges. „Moderat“, so seine Einschätzung könnten die Margen etwas nach oben gehen. Weil die zuletzt stark gestiegenen Energiekosten beim Betrieb einer Spargelanlage eher von untergeordneter Bedeutung sind, könnte einzig die Erhöhung des Mindestlohnes von 9,50 Euro während der letztjährigen Erntezeit auf jetzt 9,82 Euro je Stunde auf die Verkaufspreise durchschlagen, schätzt er.

Preissprung 2023: Die kommende Spargelsaison werde hinsichtlich der Preisgestaltung mit Blick auf die Erhöhung des Mindestlohnes auf zwölf Euro pro Stunde ab Oktober 2022 spannend. „Da könnte es dann einen Preissprung geben“, prognostiziert der Landwirt.

Zum Artikel

Erstellt:
12. April 2022, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 12sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.