Schwimmer Giulia Goerigk aus Bühlertal bei EM

Bühlertal (moe) – Am Montag wird es für Schwimmerin Giulia Goerigk ernst. Dann startet die 18-Jährige aus Bühlertal bei der EM in Budapest über 400 Meter Lagen

Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil – Giulia Goerigks Paradestrecke sind die 400 Meter Lagen.Foto: Sören Stache/dpa

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Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil – Giulia Goerigks Paradestrecke sind die 400 Meter Lagen.Foto: Sören Stache/dpa

Jetzt, so kurz vor dem Abflug nach Ungarn, kribbelt es dann doch ein bisschen bei Giulia Goerigk. Anfang der Woche war das anders. „Ich bin noch gar nicht so aufgeregt“, sagte die 18-Jährige da – und fügte hinzu: „Das kommt dann erst, wenn wir am Freitag losfliegen.“ Um 12.20 Uhr hebt der Flug mit der Nummer LH 1338 von Frankfurt ab, rund anderthalb Stunden später wird er in Budapest landen, wo ab Montag die Beckenschwimmer bei den Europameisterschaften auf die Startblöcke steigen. Dann wird es auch für Goerigk zum ersten Mal ernst.

Dass der jungen Frau aus Bühlertal angesichts des sportlichen Großereignisses nicht schon länger die Knie schlottern, liegt auch daran, dass die Lagen-Spezialistin bereits 2019 in internationalen Gewässern unterwegs war, bei der Kurzbahn-EM im schottischen Glasgow. „Das hilft auf jeden Fall, man kennt einfach die Abläufe. Wenn man wirklich ins kalte Wasser geworfen wird und davor noch nie bei einer EM war, ist das was ganz, ganz anderes“, weiß Goerigk, für die das Wasser nun schon etwas wärmer ist: „Internationale Erfahrung kann nie schaden.“

Olympia 2024 schon im Kopf

Abgesehen von Ex-Weltmeister Marco Koch kann die extrem junge Delegation – insgesamt nominierte der Deutsche Schwimmverband (DSV) 22 Sportler für die Beckenwettbewerbe – davon wenig aufweisen. Das weiß auch Hannes Vitense. Folglich liegt der Fokus des Verbands im Olympia-Jahr weniger auf EM-Edelmetall. Stattdessen sei es wichtiger, „dass unsere jungen Leute mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris diese internationale Erfahrung sammeln“, betont der Bundestrainer.

Olympia an der Seine – das hat auch Goerigk „im Kopf. Klar, das sind immer noch drei Jahre hin, aber ich denke, Paris 2024 wäre schon ein Ziel. Aber ich habe noch nicht explizit drei Jahre vorausgeplant“. Schließlich steht erstmal die EM an. Goerigk, die ihre ersten Kraulversuche beim Schwimmteam des TV Bühl gemacht hat, mittlerweile aber für die Schwimm-Gemeinschaft Region Karlsruhe (SGRK) durchs Wasser pflügt, absolviert am Montag ihren ersten Start mit dem Vorlauf über 400 Meter Lagen, ihrer Paradestrecke, über die sie 2019 sogar deutsche Meisterin wurde. Bei den Seniorinnen wohlgemerkt. In einer Woche steht die halbe Distanz, also jeweils 50 Meter Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil, auf dem Programm.

Ob die Bühlertälerin jeweils den Sprung in die Finalläufe schafft, wird sich weisen, ganz konkrete Ziele für den neuerlichen Auftritt auf der EM-Bühne hat sich die Gymnasiastin nicht gesetzt. „Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ich meine Bestzeit nochmal verbessern kann.“ Vor rund vier Wochen, beim Qualifikations-Wettkampf des DSV in Berlin, war das der 18-Jährigen über 400 Meter schon einmal gelungen. Goerigk schlug nach 4:42,97 Minuten an, damit löste die 1,72 Meter große Athletin auch das Ticket für die EM in Budapest.

Ziele: Bestzeit und „Spaß haben“

„Es hat mich echt gefreut, dass es letztlich in Berlin so gut funktioniert hat“, betont Goerigk, „das war eine Bestätigung, dass es trotzdem klappt.“ Die gewisse Skepsis, die in diesen Zeilen mitschwingt, hat mit dem schwierigen Jahr 2020 zu tun. Aufgrund der Beschränkungen durch die Pandemie wurde die Schülerin zunächst trainingstechnisch aus der Bahn geworfen. In der Anfangszeit waren schließlich allerorten die Schwimmbäder geschlossen. Als Kaderathletin konnte Goerigk danach zwar unter strengen Hygienevorschriften weitgehend normal trainieren, das Problem: Im ganzen vergangenen Jahr, fand kein einziger Wettkampf statt.

„Das war schon schwer“, erinnert sich Goerigk. Über Monate hinweg konnte sich die Schwimmerin nicht ernsthaft mit ihren Konkurrentinnen messen, „man wusste nie, wo man genau steht“, sagt die 18-Jährige, Simulationen im Training hätten die Wettkampfsituationen schlichtweg nicht ersetzen können: „Da ist man einfach nicht so aufgeregt, wie wenn man die Konkurrenz neben sich hat.“

Das mit der Aufregung wird sich spätestens am Montag erledigt haben, wenn ab zehn Uhr in der Budapester Duna Arena der erste Vorlauf über 400 Meter Lagen ansteht. Aber noch sieht Goerigk das Ganze locker: „Mal schauen, was rauskommt“, sagt die Schülerin, die neben einer neuen Bestzeit noch eine weitere Sache im Kopf hat: „Spaß haben natürlich!“

Ihr Autor

BT-Redakteur Moritz Hirn

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Erstellt:
14. Mai 2021, 05:30 Uhr
Lesedauer:
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