Kindesmissbrauch: Angeklagter schuldig gesprochen

Bühl (sga) – Ein Mann, der in einer Gemeinde in der Nähe von Bühl lebt, ist verurteilt worden: Er hat dem Gericht zufolge in über 20 Fällen Mädchen schwer sexuell missbraucht.

Das Urteil steht fest: Vor Gericht wird der in einer Gemeinde in der Nähe von Bühl lebende Mann in über 20 Fällen schuldig gesprochen. Foto: Sarah Gallenberger

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Das Urteil steht fest: Vor Gericht wird der in einer Gemeinde in der Nähe von Bühl lebende Mann in über 20 Fällen schuldig gesprochen. Foto: Sarah Gallenberger

Verurteilt zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft. Der 60-Jährige, der in über 20 Fällen Mädchen sexuell missbraucht hat, verzieht bei der Urteilsverkündung keine Miene. Die einzigen Worte, die während der Verhandlung von dem in einer Gemeinde in der Nähe von Bühl lebendem Mann kommen, lässt er am letzten Verhandlungstag durch seine Verteidigerin Elisa Moch verlesen.

Eine Sache sei ihm wichtig: „Ich möchte mich nicht als Opfer darstellen.“ Dass er sich erst jetzt zu der Sache äußert, habe einen Grund: „Vorher war ich nicht in der Lage.“ Über ihn habe jeder geredet. Von Arbeitskollegen sei er als Sexualstraftäter abgestempelt worden. Dabei habe er bei alldem „nie ein sexuelles Empfinden gehabt“, sondern einfach nur „ein freundschaftliches Verhältnis“ zu den Kindern gepflegt.

Opfer zwischen acht und zwölf Jahre alt

Die Kinder, das sind Mädchen, die zum Tatzeitpunkt zwischen acht und zwölf Jahre alt gewesen sind. Zwei davon befanden sich damals im engen Familien- und Freundeskreis und werfen dem Angeklagten vor, er habe sie über einen längeren Zeitraum immer wieder an den Brüsten berührt.

Im Fall der Nebenklägerin handelt es sich um ein Nachbarsmädchen: Der Angeklagte soll die damals Zwölfjährige in seiner Wohnung gefilmt und ihr anschließend mehrere Gläser Alkohol angeboten haben, die später auch bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt werden konnten. Ebenfalls gefunden hat die Polizei damals die Unterwäsche des Opfers. „Ich war vollkommen weg“, erinnerte sich die Nebenklägerin bei ihrer Vernehmung. Als sie damals für kurze Zeit aufgewacht sei, habe sie entkleidet auf der Couch des 60-Jährigen gelegen – während er seinen Finger in ihre Vagina eingeführt habe.

Zwölfjährige als „Verführerin“ dargestellt

„Sie ist sehr neugierig und für ihr Alter sehr weit“, lässt der Angeklagte sich von seiner Verteidigerin zitieren. Zudem habe sie Probleme mit ihrer Mutter gehabt und sei oft alleine gewesen. Ja, es sei zu einem freundschaftlichen Verhältnis gekommen, er habe viel Zeit mit ihr verbracht. Doch in besagter Nacht, als sie auf der Couch gesessen sind und „ja, auch Alkohol“ getrunken haben, da „hat sie sich selbst ausgezogen“, auf ihn gesetzt und seine „Hände auf ihre Brüste gelegt“. Nachdem er nicht darauf reagiert habe, soll die Nebenklägerin aufgestanden sein und ihn in sein Schlafzimmer gezerrt haben, wo sie sich erneut auf ihn gesetzt habe. Dabei hätte er sowieso nichts erwidern können, krankheitsbedingt „ist keine Erektion mehr möglich“ – und das habe er ihr auch gesagt. Schlussendlich sei es jedoch so: „Ich kann mich nicht erinnern, ob ich meinen Finger eingeführt habe. Alles ging so schnell.“

Die Staatsanwältin bewertet die Äußerungen des Angeklagten „wohl eher nicht“ als Geständnis, sondern als „Schutzbehauptungen“. Die Geschädigte dabei sogar noch als „Verführerin“ hinzustellen, sei „ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer“. Und das „halbe Geständnis“ erst zu solch spätem Zeitpunkt zu äußern, sei als „grenzwertiges Verteidigungsverhalten“ zu betrachten. Während seiner Taten habe der Angeklagte „in allen Fällen die Vertrauensverhältnisse ausgenutzt“, wobei die Staatsanwaltschaft prinzipiell an den Beziehungen zu den jeweiligen Opfern zweifle. „So ein freundschaftliches Verhältnis“ zwischen einem älteren Mann und mehreren jungen Mädchen, noch dazu „in solch einer Tiefe“, erscheine „unglaubwürdig“. Zudem erschließe es sich „offensichtlich“ nicht, dass der Angeklagte „Opfer eines sexuellen Angriffs einer Zwölfjährigen“ ist.

„Serie von sexuellen Übergriffen“

Für gar keine Zweifel bei der Staatsanwaltschaft sorge allerdings die Tatsache, dass zwischen dem 60-Jährigen und seinen Opfern ein „Vertrauensverhältnis“ bestanden hat, bei dem „in allen Fällen die Nähe schonungslos ausgenutzt“ worden ist. Deshalb werde eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren gefordert.

Verteidigerin Moch bleibt bei einem Jahr und sechs Monaten: „Es geht hier um das Maß der Schuld.“ Ihr Mandant habe sich zwar strafbar gemacht, doch „die Tatdauer war nur kurz“ und in den anderen Fällen habe es zwar „Berührungen gegeben“, diese seien aber „im Nachhinein“ als sexuelle Handlungen hingedreht worden.

Bei der Urteilsverkündung spielt diese Erklärung keine Rolle: Richter Stephan Schmid begründet die Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten nicht nur mit dem „schweren sexuellen Missbrauch von Kindern“, sondern spricht gar von einer „Serie von sexuellen Übergriffen“. Schmid: „Wir haben hier schon viele Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs gehabt, aber so was noch nicht. Diese Tat war von der kriminellen Energie her sehr schlimm.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
27. Januar 2022, 20:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 12sec

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