Segelnder Zahnarzt strandet in Gaggenau

Gaggenau (sazo) – Michael Leppert führen gesundheitliche Probleme in die alte Heimat, wo er „aus Versehen“ im Standesamt landet und kurzerhand heiratet.

Schwimmende Zahnarztpraxis: Der Katamaran „Mariposa“, mit dem Michael Leppert seit über 15 Jahren auf den Weltmeeren unterwegs ist. Foto: Michael Leppert

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Schwimmende Zahnarztpraxis: Der Katamaran „Mariposa“, mit dem Michael Leppert seit über 15 Jahren auf den Weltmeeren unterwegs ist. Foto: Michael Leppert

Michael Leppert, der 2006 seine Zahnarztpraxis in Gaggenau verkauft hat und sich seither mit seinem Katamaran „Mariposa“ als „Segelnder Zahnarzt“ auf den Weltmeeren bewegt, ist derzeit in seiner Heimat gestrandet. „Ich wurde bereits im Juli 2021 nach Deutschland ausgeflogen“, erzählt der leidenschaftliche Segler, der sich mit 58 Jahren seinen Kindheitstraum erfüllte und auf seinen Segeltouren das Nützliche mit dem Angenehmen verbindet.

Während der rastlose Zahnarzt normalerweise kostenlos Menschen in den entlegensten Winkeln dieser Welt von ihren Zahnleiden befreit, wurde er im vergangenen Jahr selbst zum Patienten. „Das ging ganz schnell“, berichtet der mittlerweile 72-Jährige. „Das war beim Schiff herausheben ans Land, denn einmal im Jahr ist ein neuer Unterwasseranstrich für den Katamaran fällig.“

Umtriebiger Allrounder

Der umtriebige Allrounder, der vor seinem Zahnarztstudium zunächst eine Lehre als Elektromechaniker absolvierte, repariert und wartet sein Schiff selbst. „Und das zu 90 Prozent“, versichert Leppert, der sich dabei allerdings eine bakterielle Entzündung am Bein zugezogen hat. „Nachdem wir das Schiff an Land hatten, wurde ich krank. Abends bekam ich 38 Grad Fieber und morgens wurde ich mit einer Temperatur von 41,5 Grad bewusstlos ins Krankenhaus gebracht.“

Schnell stellte sich heraus, dass sich Leppert ein Erysipel – auch Wundrose genannt – eingefangen hatte. Da die Ärzte in Thailand keinen anderen Rat wussten, wurde ihm die Amputation seines Beins empfohlen. Doch soweit kam es gottlob nicht.

„Ich habe Kontakt mit Freunden in Deutschland aufgenommen und so konnte ich von Phuket nach Frankfurt ausfliegen, um mich in der Tropenklinik in Tübingen behandeln zu lassen.“ Dort wurde das Antibiotika gewechselt und schon nach zehn Tagen konnte Leppert wieder auf eigenen Beinen stehen.

Schon mal in Deutschland, nutzte Leppert die Chance, sich medizinisch durchchecken und nach dem Impfen auch eine neue Herzklappe machen zu lassen. Statt Runderneuerung des Schiffs stand nun also der Mensch im Vordergrund, der zudem ganz spontan „Ja“ zum Bund der Ehe gesagt hat. „Das war nicht geplant und keiner unserer Freunde wusste etwas davon.“ Mit einem breiten Lachen im Gesicht berichtet Leppert über die standesamtliche Hochzeit mit seiner Partnerin Birgit Reimann, die ihn seit 13 Jahren auf seiner Weltumsegelung begleitet.

Wunsch, nach Thailand zurück zu fliegen, wird immer größer

„Auch der erste Segeltörn damals war ganz spontan“, lacht Reimann, die zunächst auf einem anderen Schiff angeheuert hatte, um über den Atlantik zu segeln. „Da mein Schiff auf einen Felsen aufgelaufen war, hat mich Michael bis in die Karibik mitgenommen. Und weil wir uns so gut verstanden haben, bin ich an Bord geblieben.“

„Da mein Schiff auf einen Felsen aufgelaufen war, hat mich Michael bis in die Karibik mitgenommen.“ Jetzt haben Birgit Reimann und Michael Leppert in Gaggenau geheiratet. Foto: Michael Leppert

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„Da mein Schiff auf einen Felsen aufgelaufen war, hat mich Michael bis in die Karibik mitgenommen.“ Jetzt haben Birgit Reimann und Michael Leppert in Gaggenau geheiratet. Foto: Michael Leppert

Daraus entstanden ist eine Partnerschaft, die nun in Gaggenau „aus Versehen“ vor der Standesbeamtin gelandet ist. „Wir wollten nur den Personalausweis verlängern lassen und wurden aufgefordert, in einem Raum zu warten“, erzählt Leppert. Doch das war das Zimmer der Standesbeamtin. Und dann ging nach eigenen Angaben alles ruck zuck. „Wir hatten ja alle Papiere dabei und als wir gefragt wurden, haben wir der Eheschließung einstimmig zugestimmt.“

Nachdem nun Weihnachten und Silvester vorüber sind, wird der Wunsch, nach Thailand zurück zu fliegen, immer größer. „Hier vermisse ich das gute Wetter“, erklärt Leppert, der sich gemeinsam mit seiner Frau auf das unbeschwerte Leben im Pazifik freut. „Wir können uns kein anderes Leben vorstellen“, betonen sie unisono. „Wir haben genug Tiefkühlkapazitäten, um ein Jahr lang davon zu leben“, berichtet der leidenschaftliche Koch, der mit seiner Frau gemeinsam angelt und lieber die Segel setzt, als den Motor des Schiffs anzuwerfen.

„Auf dem Schiff haben wir jeden Tag Abwechslung“

„Wir sind autark und ergänzen uns ideal“, ergänzt Birgit Reimann, die es ebenfalls in die Wärme zieht. „Auf dem Schiff haben wir jeden Tag Abwechslung. Und wenn uns eine Küste nicht gefällt, dann segeln wir einfach wo anders hin.“ Für Ende Januar ist die Abreise geplant und ein längerer Aufenthalt in Gaggenau daher nicht in Sicht.


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