Segeltalent mit großer Zukunft

Rastatt (mi) –Der 16-jährige Rastatter Riko Rockenbauch ist ein großes Segeltalent. Er gehört bereits zum Nationalkader. Mit seinem Partner Moritz Dorau startet er künftig in der olympischen 49er-Klasse und hofft auf Olympia 2024 in Paris.

Das kongeniale Segel-Duo hofft eine Teilnahme bei der Kieler Woche. Foto: Privat

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Das kongeniale Segel-Duo hofft eine Teilnahme bei der Kieler Woche. Foto: Privat

Still ruht der See. Was im Fall von Riko Rockenbauch eher ungewohnt ist. Pfeift ihm doch eigentlich in dieser Jahreszeit der Wind nur so um die Ohren oder weht ihm eine steife Brise ins Gesicht. Eigentlich kämpft das größte Segeltalent des Rastatter Ruder-Clubs 1898 schon seit Wochen auf Regatten nicht nur gegen die Unwägbarkeiten der Natur, sondern auch um Siege und Platzierungen. Doch aus eigentlich ist seit zwei Monaten unmöglich geworden. Corona hat ihm und seinem Partner Moritz Dorau aus Schluchsee einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Nur Kraft- und Ausdauertraining steht für den 16-Jährigen seit Wochen statt Regatten im In- und Ausland auf dem Kalender. Doch es gibt Hoffnung: Die eingeleiteten Lockerungen des Sportbetriebs lassen vermuten, dass im Sommer doch noch geschippert werden kann. „Ich hoffe, dass die Kieler Woche im September noch nachgeholt wird.“ Die internationale deutsche Vorzeigeregatta hätte bereits in einigen Wochen stattfinden sollen. Mit Rockenbauch am Start.

Er und sein Bootskollege unternehmen nämlich keine malerischen Segeltörns, sie betreiben vielmehr Hochleistungssport, zählen zur jungen Elite in Deutschland und werden entsprechend bereits als die Hoffnungsträger für die übernächsten Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris gehandelt. Rockenbauch ist deutscher Meister in der 29er-Klasse, gemeinsam mit Dorau holte er 2019 in der U17 EM-Bronze und wurde WM-Vierter. „Die Nachwuchsförderung ist uns wichtig. Wir sind sehr stolz, so einen herausragenden Segler in unseren Reihen zu haben“, freut sich RCR-Segelwart Michael Westholt.

Segelschein mit sechs Jahren

Allerdings lebt das Talent in Mainz. „Die Familie hat ihr Privatleben ganz auf das Segeln abgestimmt. Sonst ist das auf dem Niveau auch nicht machbar“, weiß Westholt. Mit dem Wohnmobil werden die Wettkämpfe häufig in Europa bereist. Der Sohn weiß, was er seinen Eltern zu verdanken hat: „Ich empfinde große Dankbarkeit und habe großen Respekt davor, dass sie mir das ermöglicht haben.“

Genau genommen wurde ihm der Wassersport in die Wiege gelegt. Der Opa hat schon gesegelt, der Vater gesurft, die Mutter hat ein Faible für die Sportart. Auf dem gemeinsamen Schiff hat die Familie zudem schöne Ausflüge genossen. „Mit fünf habe ich angefangen, mit sechs schon den Segelschein gemacht, als ich noch nicht mal richtig schreiben konnte“, erinnert sich der Youngster an seine Anfänge und die ersten Versuche in der Einsteiger-Bootsklasse „Optimist B“.

Der Verein in Rastatt versucht, den Enthusiasmus der segelbegeisterten Familie so gut es geht zu unterstützen. So steht im nächsten Jahr der Umstieg in die olympische 49er-Klasse an. Westholt: „Wir sparen schon für das neue Boot. Wenn man das professionell betreiben will, braucht man zwei Boote. Eines für das Training, ein zweites für die Wettkämpfe. Und ein Boot kostet rund 25 000 Euro.“

„Das ist keine Zweckgemeinschaft“

Westholt weiß, dass das Geld gut angelegt ist. „Das ist keine Zweckgemeinschaft, das ist bei Riko und Moritz wie beim Tanzen.“ Nur dass sich die zwei Partner auf dem Boot statt auf dem Parkett harmonisch bewegen. „Wir sind perfekt aufeinander eingespielt und kennen die Abläufe blind“, sagt Rockenbauch nach fünf gemeinsamen Jahren.
Gewichtsverlagerung, Bewegungsabläufe, das Beobachten von Wind, Wellen und Wasser: Die Arbeitsteilung ist umfassend. Dem Rastatter Vereinsmitglied obliegt der Job als Vorschoter, der also primär das vordere Segel im Blick hat. Moritz Dorau ist der Steuermann. „Bei taktischen Sachen gebe ich zumeist die Informationen, und wir besprechen das sofort. Die Kommunikation ist sehr wichtig“, erläutert er.

Im Nationalkader ist Marc Schulz ihr erster Ansprechpartner. „Er ist ein Supertrainer.“ Der Umstieg aus dem Zweihand-Jugendboot in die anspruchsvollere neue Bootsklasse wird gewiss eine Herausforderung: andere Balance, höhere Geschwindigkeit, Doppeltrapez. Westholt zieht einen interessanten Vergleich heran: „Es ist wie der Umstieg von der DTM in die Formel 1. Da muss man schon einiges dazulernen. Wenn ein Handgriff nicht richtig sitzt, dann hat man schnell eine Bootslänge verloren.“ Sein prominentestes Vereinsmitglied ist selbst gespannt: „Es ist eine andere Liga. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir Beiden das schaffen.“ Rockenbauch und sein kongenialer Partner wollen in ihrem Lieblingssport künftig Zeichen oder besser Segel setzen. Schiff ahoi für eine möglichst goldene Zukunft.

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Erstellt:
7. Mai 2020, 19:45 Uhr
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