Sehnsucht nach dem Rasen

Rheinstetten (rap) – Der Fußball ruht derzeit. Neben den regionalen Ligen trifft die Corona-Krise auch die Fußballschule Frieböse/Hofmeier, die im April ihr zehnjähriges Bestehen feiert.

Die Kinder lauschen den Anweisungen von Christian Hofmeier (blaues T-Shirt) und Matthias Frieböse. Foto: Kotzur/FFH

© pr

Die Kinder lauschen den Anweisungen von Christian Hofmeier (blaues T-Shirt) und Matthias Frieböse. Foto: Kotzur/FFH

Matthias Frieböse und Christian Hofmeier verbringen derzeit viel Zeit in ihrem Büro. Was nicht gerade leicht ist für zwei, deren Leben sich sonst größtenteils auf den Sportplätzen Mittelbadens abspielt. Schließlich betreiben sie eine Fußballschule, in der sie Stützpunkttraining für Kinder und Jugendliche an acht Standorten anbieten. Außerdem veranstalten sie in den Schulferien Fußballcamps. Doch die Coronavirus-Pandemie trifft auch die beiden mit aller Härte. Der Ball ruht derzeit. An ein Gewusel der kleinen Kicker, Passübungen, Torschuss und strahlende Kinderaugen ist momentan nicht zu denken. Dabei hätte die Fußballschule gerade jetzt Grund zur Freude, feiert sie doch im April ihr zehnjähriges Bestehen.

„Wir haben unser letztes Stützpunkttraining am 12. März durchgeführt, seitdem sind auch wir bis auf Weiteres stillgelegt“, sagt Frieböse, der zudem Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim trainiert. „Durch die Corona-Krise und die verordnete Kontaktsperre haben wir auch die Fußballcamps in den Osterferien absagen müssen.“ Die große Sause zum Zehnjährigen, geplant war ein Tag der offenen Tür im Frühsommer mit einigen Fußballevents, ist erstmal aufgeschoben. Aber natürlich nicht aufgehoben. „Vielleicht verschieben wir es einfach auf nächstes Jahr. Elf ist ja beim Fußball auch durchaus eine wichtige Zahl, elf Freunde und so“, erklärt Hofmeier, der ab kommender Saison bei seinem Heimatverein 1. SV Mörsch an der Seitenlinie stehen wird, und lacht.

Stützpunkttraining soll nachgeholt werden

Doch zunächst zählt die Gegenwart und das Überstehen der Corona-Krise. Im März musste die Fußballschule das Stützpunkttraining ab der dritten Woche absagen. Sobald der Ball wieder rollt, will das Duo die ausgefallenen Trainingseinheiten nachholen. „Wir könnten sie zum Beispiel samstagmorgens durchführen“, hofft Hofmeier. Die Termine für den April hat das Duo aber gecancelt, wie auch die Ostercamps, was natürlich mit finanziellen Einbußen einhergeht. Daher haben sich die beiden auch bereits mit dem Soforthilfeprogramm des Landes für gewerbliche Unternehmen, Sozialunternehmen und Angehörige der Freien Berufe beschäftigt, das seit vergangenen Mittwoch vom Land aufgelegt wurde. Selbstständige ohne Angestellten und Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten, die unter den Folgen der Corona-Krise leiden, können bis zu 9 000 Euro vom Land erhalten, die sie nicht zurückzahlen müssen. „Wir haben die Hilfe noch nicht beantragt, werden uns aber informieren und sie dann anfordern“, sagt Frieböse.

Wann Normalität einkehren wird und das Duo mit den Nachwuchskickern wieder auf den Plätzen der Region stehen kann, ist noch ungewiss. Der regionale Fußball zum Beispiel pausiert mindestens bis 19. April, wohl jedoch eher länger. „Vielleicht“, so hofft der 08-Coach, „können wir im Mai wieder das Training aufnehmen. Wichtig ist jetzt einfach, dass jeder sich an die Vorschriften hält, Kontakte vermeidet und sich und seine Mitmenschen schützt. Aber natürlich würden wir lieber gestern als heute wieder mit den Kids auf dem Platz stehen.“

Vormach-Videos für die Schützlinge

Da bereits die Ostercamps ins Wasser fallen, liebäugeln die Betreiber der Fußballschule zumindest mit der Durchführung der Camps in den Pfingstferien, die in Gernsbach, Neuburgweier und beim SV Feldberg stattfinden sollen, wenngleich die Anmeldezahlen logischerweise noch gering sind. „Seit dem Ausbruch der Pandemie hat sich natürlich kein Kind mehr angemeldet. Die Lage ist ungewiss, erst wenn Klarheit herrscht, werden sich die Kids wieder anmelden“, sagt Frieböse.

Bis zur Rückkehr auf den Fußballplatz tüfteln sie daher an anderen Wegen, um für ihre kleinen und mittelgroßen Schützlinge da zu sein. Mit Vormach-Videos, Tutorials und Aufgaben wollen Frieböse und Hofmeier die Kinder bei Laune halten und für Abwechslung sorgen. „Da sitzen wir gerade dran. Es gibt so viele Übungen und Challenges, da sind einem ja keine Grenzen gesetzt – etwa Fußball-Golf im Garten oder Technikübungen, die man im Wohnzimmer machen kann“, sagt der künftige SVM-Trainer. Zudem haben die beiden die Facebook- und Instagramseite der Fußballschule auf Vordermann gebracht. Dinge, für die ansonsten bei der täglichen Arbeit auf dem Platz eher weniger Zeit wäre.

Dass die beiden aber die Trainingseinheiten mit ihren Schülern vermissen, daraus macht es keinen Hehl. „Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht. Wir haben vor zehn Jahren ganz klein mit drei Camps in Steinmauern, Durmersheim und in der Nähe von Heilbronn begonnen und uns in den vergangenen Jahren stetig nach oben gearbeitet“, sagt Frieböse. Rund 120 Kinder und Jugendliche nehmen das Angebot des Stützpunkttrainings wahr. Mittlerweile hat die Fußballschule mit Morris Hagenmüller sogar einen Auszubildenden. „Unser Ziel ist es, die Kinder fußballerisch besser zu machen, ihnen spielerisch Wissen zu vermitteln, damit sie richtig Bock haben, sich zu verbessern“, sagt Hofmeier, der aber auch klarstellt: „Wir sind keine Konkurrenz zu den Vereinen, sondern sehen uns als eine wertvolle Ergänzung.“

Die momentane Situation, nicht auf dem Fußballplatz stehen zu können, belastet das Duo. „Es fehlt einfach eine gewisse Energie, wenn man nicht mit den Kids arbeiten kann, schließlich bekommt man von ihnen so viel zurück. Daher bin ich derzeit manchmal schlecht gelaunt, meint meine Frau“, sagt Hofmeier. Und Frieböse? Er lässt der überschüssigen Energie im Garten seiner Mutter freien Lauf. Zumindest so lange, bis der Ball wieder rollt.

Zum Artikel

Erstellt:
31. März 2020, 22:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 37sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.