Seine Heimat ist der SVM, seine Liebe ist der FC Bayern

Gaggenau (tom) – Josef „Seppl“ Kraft wird am 7. April 70 Jahre alt / Als radelnder Bote ist er in der ganzen Stadt bekannt.

Mit dem Fahrrad erledigt Seppl Kraft Tag für Tag ehrenamtlich und zuverlässig Kurierdienste.  Foto: Senger

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Mit dem Fahrrad erledigt Seppl Kraft Tag für Tag ehrenamtlich und zuverlässig Kurierdienste. Foto: Senger

Es gibt Gesichter, die gehören zu Gaggenau wie ein Stern auf jeden Unimog. Seit Jahrzehnten ist der freundliche Mann aus Michelbach das, was man andernorts als „Original“, vielleicht sogar als „bunten Hund“ bezeichnet. In Gaggenau ist er „der Seppl“, und wenn er durch die Straßen radelt, dann gibt es wohl niemanden, der seinen Gruß nicht freudig erwidern würde. Und wer ihn am 7. April zu Gesicht bekommt, der darf ihm gerne – mit dem nötigen Abstand natürlich – gratulieren. Denn der Seppl wird 70 Jahre alt.

Als Briefträger war er zuverlässig viele Jahre unterwegs, von 1965 bis zum Eintritt in den Ruhestand vor 17 Jahren. In der Kernstadt, in Ottenau, in Selbach, Sulzbach und Bad Rotenfels hat er Tag für Tag die Post ausgetragen. Als zuverlässigen Kurier bei jedem Wetter schätzt man ihn auch heute noch: Für Betriebe und Einrichtungen ist er ehrenamtlich unterwegs, hält Schwätzchen und überbringt Zeitungen und allerlei Korrespondenzen. Seine Profession: die Post. Seine Leidenschaft: der Fußball. Und da ist der Seppl in der ganzen Welt unterwegs. Und es gibt wohl keinen, der so wie er in der Kreisliga B und der Champions League gleichermaßen zu Hause ist.

Seine große Liebe, das ist der FC Bayern. Aber seine Heimat, das ist der SV Michelbach. Seit 1968 gehört er diesem an; viele, viele Funktionen hat er dort bereits ausgeführt, derzeit sind es Pressewart, Beisitzer, Postbote und Platzkassierer. Um das jährliche Hallenturnier des B-Ligisten kümmert er sich ebenso wie um die Vereinstombola. Der Auszeichnungen sind es viele, die er schon eingeheimst hat. Man kann sie aber auch ganz einfach zusammenfassen: Wenn er gebraucht wird, dann ist der Seppl da.

Im Aufzug mit Pelé

Wer weiß, vielleicht sollten sie in den höchsten Fußballerkreisen auch einmal auf seinen Rat setzen. Oft genug ist er ja dabei, wenn der FC Bayern zu großen Spielen fliegt; ein Platz im Mannschaftsflieger war ihm schon viele Male sicher. Seit 1984 ist er mit der Mitgliedsnummer 2 867 ein Teil der großen Bayern-Familie mit derzeit rund 290 000 Mitgliedern. Sogar in die Bild-Zeitung hat er es geschafft: „Seppl is‘ mit’m Rad’l da“ titelte Bild München am 20. Mai 1987, als Seppl eine Wette einlöste: Mit dem Fahrrad fuhr er über München nach Wien – zum Finale im Europapokal der Landesmeister gegen den FC Porto. Der Lattek Udo war damals noch Trainer, und leider musste Jean-Marie Pfaff in 90 Minuten zweimal hinter sich langen, sodass die Bayern mit einer 1:2-Niederlage zurück nach München geschickt wurden. Immerhin mit der Bahn fuhr der Seppl dann heim ins heimische Murgtal.

Schon vor Jahrzehnten auf Du und Du mit den Bayern-Granden: Seppl Kraft mit Uli Hoeneß (links) und Karl-Heinz Rummenigge.   Foto: pr

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Schon vor Jahrzehnten auf Du und Du mit den Bayern-Granden: Seppl Kraft mit Uli Hoeneß (links) und Karl-Heinz Rummenigge. Foto: pr

Unzählige Erinnerungen und Begegnungen sind es aus all den Jahren. Sogar Pelé ließ sich mit ihm fotografieren: Bei der WM 1994 war das, vor dem Hotelaufzug in Chicago. Das Autogramm der Fußball-Legende gehört zu den Schätzen in Seppls Privatarchiv. Aber der Königsplatz, der gebührt wohl einer Eintrittskarte zu einem Bundesligaspiel: Das Herzschlagfinale 2001, als Andersson in der Nachspielzeit in Hamburg den Ausgleich erzielte und die Bayern in letzter Sekunde Meister wurden, auch da war der Seppl dabei. Gerne würde er heute davon erzählen, aber die geplante „XXL-Fete“ in Michelbach, die musste halt verschoben werden.

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Erstellt:
7. April 2020, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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