„Mama, Du musst ein Buch schreiben!“

Baden-Baden (up) – Das Buch „Tiempos de Esperanza“ – zu Deutsch: „Zeiten der Hoffnung“ der in Lichtental lebenden Autorin Ana Cecilia Chavez Zavalagain ist Mitte Januar erschienen.

Ana Cecilia Chavez Zavalaga mit ihrem in spanischer Sprache vorliegenden Buch „Tiempos de Esperanza“ – zu Deutsch: „Zeiten der Hoffnung“.  Foto: Ulrich Philipp

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Ana Cecilia Chavez Zavalaga mit ihrem in spanischer Sprache vorliegenden Buch „Tiempos de Esperanza“ – zu Deutsch: „Zeiten der Hoffnung“. Foto: Ulrich Philipp

Seit frühester Kindheit bedeutet Lesen für Ana Cecilia Chavez Zavalaga Inspiration und Abenteuer. „Bücher und Erzählungen waren schon immer etwas Besonderes für mich“, sagt die 51-Jährige im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. Schon früh begann sie, selbst Gedichte zu schreiben, die sie jedoch lange niemandem zeigte.
„Es war mir peinlich, sie jemandem zum Lesen zu geben“, erzählt sie. Bis eines Tages ihre 24-jährige Tochter Maria Alejandra zufällig einige Texte entdeckte und sie beschwor: „Du musst ein Buch schreiben!“ So kam es, dass vor Kurzem ihr Buch „Tiempos de Esperanza“ – zu Deutsch: „Zeiten der Hoffnung“ – erschienen ist.

Besuchern der Buchhandlung im Kloster Lichtenthal ist Chavez Zavalaga als kompetente Verkäuferin und Ansprechpartnerin in Literaturfragen seit Jahren bestens bekannt. Nachdem ein Verlag im spanischen Sevilla ihre neuesten Gedichte in sein Programm aufgenommen hatte, erregte ihr Buch in der spanischsprachigen Welt bereits einige Aufmerksamkeit. Unter anderem hat die Autorin coronabedingt online geführte Interviews mit den Veranstaltern der Buchmesse in Madrid gegeben. Auch Kulturbeauftragten und einer breiten Öffentlichkeit in ihrer Heimatstadt Lima in Peru hat sie von ihrem Wohnort in Lichtental aus, ihr Buch vorgestellt. An der Oos lebt die studierte Marketing-Managerin seit 2008 gemeinsam mit ihrer älteren Tochter und ihrem deutschen Ehemann. Hier kam auch ihre jüngere Tochter Maria Estela zur Welt. Im Kloster fand Ana zunächst Arbeit in der Küche, bis die Schwestern sie eines Tages fragten, ob sie sich zutraue, in der Buchhandlung zu arbeiten. Das war vor sechs Jahren, und da sie inzwischen gut Deutsch gelernt hatte, nahm sie die Herausforderung an.

Gedicht für ihre Eltern geschrieben

„An der deutschen Kultur war ich immer interessiert“, erklärt sie, dies sei eine gute Voraussetzung gewesen, Deutsch zu lernen. Sätze, die sie hört, merkt sie sich und denkt über sie nach. So lernt sie die Bedeutung verschiedener Begriffe und erarbeitet sich einen umfangreichen Wortschatz. „Schreiben bedeutet für mich Katharsis, die Läuterung von Leidenschaften, es ist ein Bewusstwerdungsprozess“, erklärt sie. Vielleicht ist diese intensive Auseinandersetzung mit Worten der Schlüssel für ihre Fähigkeit, tiefe Gedanken zu fassen. Die wiederum sind Voraussetzung, um in Zeiten von Corona mit Gedichten die Grundfesten menschlicher Existenz auszuloten und zu reflektieren.

Anlass für ihre jüngsten Gedichte war der geplante Besuch ihrer Eltern, die im vergangenen März zum ersten Mal in ihrem Leben eine sehr weite Flugreise unternehmen wollten, um endlich wieder einmal ihre Tochter und Enkelkinder zu sehen. Doch die Pandemie machte ihnen mit weltweiten Reiseverboten einen Strich durch die Rechnung.

Die Sehnsucht nach den Eltern inspirierte die Autorin zu dem Gedicht „Cuatro Barcos“ übersetzt „Vier Schiffe“ – eine Liebeserklärung an den 81-jährigen Vater und die 79 Jahre alte Mutter. „Sie kennen sich seit ihrer Kindheit“, berichtet Chavez Zavalaga warmherzig, „sie haben eine ganz besondere Geschichte.“ In ihrem Gedicht beschreibt sie die Eltern als goldenes Schiff auf dem Ozean, dem drei kleinere Schiffe – ihre drei Kinder – folgen.

Übersetzung auf Deutsch nicht einfach

„Der Mensch ist ein Salat zum Genießen“ („El Hombre una Ensalada a Degustar“) lautet der Titel eines weiteren Gedichtes, in dem die Autorin eine Lanze für die Menschenfamilie bricht. „Um einen Geschmack zu erkennen, brauchen wir andere Geschmäcker“, sagt sie lachend, „die Menschen brauchen sich daher gegenseitig, weil sie sich nur so in ihrer Vielfalt erkennen können, und deshalb müssen wir tolerant sein!“

Die Pandemie habe zudem Maßstäbe verschoben – ohne Verkäuferinnen in den Supermärkten beispielsweise, die täglich riskieren, angesteckt zu werden, wäre das Leben nicht weitergegangen. Und Corona habe bei allem Leid auch positive Entwicklungen angestoßen. So hätten Kurzarbeit, Homeoffice sowie geschlossene Schulen und Kindergärten den Familien gezeigt, dass sie zusammengehörten.

Was das Leben in ihren Augen ist, beschreibt die Poetin in ihrem Gedicht: „Doctorado en Lucha“, übersetzt soviel wie: „Doktortitel im Lebenskampf“. Das Leben versteht sie hier als Treppe, die nach oben führt. Man beginnt es ganz unten. Niemand habe ihre Protagonistin in dem Werk an der Hand genommen und geführt. Sie sei gestürzt, im Sumpf stecken geblieben und habe dennoch immer wieder Mut gefasst. „Sie ist mit blutenden Händen immer wieder weitergeklettert, schutzlos und ohne Versicherung“, beschreibt sie ihre wohl auch autobiografischen Gedanken ebenso heiter wie intensiv.

„So ist das Leben“, sagt sie, wichtig sei, trotz aller schmerzhafter Erfahrungen immer wieder aufzustehen. „Unsere Erfahrungen sind unser Reichtum, nur durch sie können wir lernen“, erklärt die Autorin, „und wenn man stirbt, stirbt nur der Körper, was bleibt, ist unsere Seele und unsere Liebe, die wir in die Welt getragen haben“, so Chavez Zavalago.

Bebildert ist ihr Buch mit Fotos von Ölgemälden ihres Vaters und mit Bildern des Fotografen Rolf Hillert. Auch in Deutsch soll das Buch möglichst bald erscheinen, eine Übersetzung ist jedoch nicht so einfach, stellt Chavez Zavalaga klar, weil man die Bedeutung verschiedener spanischer Metaphern kennen muss.

Interessierte können der Autorin auf Instagram und Facebook folgen (Ana Cecilia Chavez Zavalaga: Tiempos de Esperanza. 80 Seiten. Punto Rojo Libros, Sevilla. ISBN:9788418549014).

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Erstellt:
18. Februar 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 37sec

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