Selbst erstellte Lernvideos sind beliebt

Stuttgart (bjhw) – Eine Studie des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung zeichnet ein differenziertes Bild von Stärken und Schwächen des Distanzunterrichts.

Zuhause lernen statt in der Schule: Eine Studie zeigt, wie das am besten funktioniert. Foto: Stefan Puchner/dpa

© dpa

Zuhause lernen statt in der Schule: Eine Studie zeigt, wie das am besten funktioniert. Foto: Stefan Puchner/dpa

Seit vor fast zwei Jahren Baden-Württembergs Schulen erstmals coronabedingt schließen mussten, war oft vom Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung und den Schwächen im Distanzunterricht die Rede. Eine neue Studie des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen zeichnet für alle weiterführenden Schulen ein differenziertes Bild. Denn schon im ersten Lockdown zwischen März und den Sommerferien 2020 unterrichteten beinahe zwei Drittel der Lehrkräfte per Videomeeting. Als Renner erwiesen sich selbst gestaltete Clips, wobei Perfektion keine Rolle spielt. Es gehe darum, sagt die Bildungsforscherin Ann-Kathrin Jaekel, „die eigene Lehrkraft zu sehen und das Gefühl zu haben, da hat sich jemand für uns richtig Mühe gegeben“.

Hoffnung auf Präsenzunterricht trotz Omikron

Die Hoffnung, dass es trotz Omikron vornehmlich beim Präsenzunterricht bleibt in den kommenden Wochen, eint alle Beteiligen am Schulbetrieb. Da aber wie vor Weihnachten immer wieder zumindest Klassen oder Gruppen und einzelne der insgesamt 4.500 Schulen in den Distanzbetrieb werden wechseln müssen, sind die Tübinger Ergebnisse von besonderem Interesse. Beteiligt haben sich rund 3.200 Jugendliche, 1.700 Eltern und 300 Lehrkräfte. Untersucht wurde die Unterrichtsgestaltung in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch aus verschiedenen Perspektiven. So verkehrten schon in der ersten Schulschließungsphase 99 Prozent Englischlehrkräfte regelmäßig per E-Mail mit ihren Klassen und Gruppen, ebenso 93 Prozent der Deutsch- und 86 Prozent der Mathelehrkräfte. Häufig wurde per Telefon oder Handy kommuniziert, von 45 Prozent der Deutsch-, 43 Prozent der Englisch- und 40 Prozent der Mathelehrkräfte. Damit wurde im Frühsommer 2020 insgesamt nur mehr telefoniert als per Videotool kommuniziert.

Neben der motivierenden Anziehungskraft von selbst erstellten Lernvideos im Vergleich zu den inzwischen Zehntausenden professionellen Angeboten überraschen auch aufschlussreiche Antworten auf die Frage, worüber sich die Jugendlichen eigentlich mit ihren Lehrkräften austauschen wollen, wenn auf den unterschiedlichsten Wegen kommuniziert wird. Wichtiger als im Präsenzunterricht ist ganz offensichtlich für viele, das (Selbst-)Gelernte zu wiederholen und zu vertiefen anstatt in neue Stunden auch mit neuen Inhalten zu starten.

Bedürfnis nach sozialer Interaktion

Außerdem hätten die Schüler und Schülerinnen damals, gerade nach den Wochen der Isolation, ein Bedürfnis nach sozialer Interaktion gehabt und nach dem Gefühl, wie stark Lehrkräfte an ihrem Lernfortschritt interessiert sind beziehungsweise an Hilfestellung bei der Lösung von Problemen. Herausgehoben gut bewertet wurden außerdem persönliche Treffen, individuell oder im kleinsten Kreis. Sie trugen, wie Jaekel feststellt, „am meisten zur Unterrichtsqualität, zur Freude am Lernen oder der Anstrengungsbereitschaft bei“.

Das Kultusministerium verweist auf die vielfältigen Erfahrungen aller Beteiligten seit der ersten Corona-Welle, zugleich aber auch auf die deutlich bessere Ausstattung der Schulen und vor allem die zahlreichen Weiterbildungsangebote. Außerdem sind Qualitätskriterien für den Distanzunterricht erarbeitet und Dutzende Tipps für Lehrkräfte zusammengestellt.

Einer ist, angesichts der Freude an den Clips, besonders praxisnah, denn die Wissensredaktion des MDR präsentiert im Netz fünf einfache Lektionen unter der Überschrift: „Lern-Videos von Lehrern für Schüler leichtgemacht“.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Zum Artikel

Erstellt:
10. Januar 2022, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.