Selbst kreativ werden im Stadtmuseum

Rastatt (xs) – Workshops zur laufenden Sonderausstellung der Künstlerin Marianne Gaiser locken nach Rastatt. Weitere Angebote folgen.

„Spielen Sie mit den Farben“: Gemälderestauratorin Karin Welz-Spriestersbach ermutigt zu Experimenten. Foto: Schlögl

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„Spielen Sie mit den Farben“: Gemälderestauratorin Karin Welz-Spriestersbach ermutigt zu Experimenten. Foto: Schlögl

„Die Kunst gibt uns die Möglichkeit, uns zu entfalten, kreativ zu sein und alles auszuprobieren, Fehler zuzulassen. In welchem Bereich des Lebens ist das noch möglich?“ Gemälderestauratorin Karin Welz-Spriestersbach setzt den Ton und führt die sieben Interessenten, die sich für den zweistündigen Workshop „Bunte Welten: Ihr Experiment mit Farbe“ angemeldet haben, zuerst durch die beeindruckende Retrospektive der Arbeiten der Rastatter Künstlerin Marianne Gaiser. Begleitend zur Ausstellung bietet das Stadtmuseum Rastatt eine Kunstvermittlung mit praktischen Übungen an.

Marianne Gaiser ist Jahrgang 1934 und beginnt als Autodidaktin Mitte der 1960er Jahre zu malen. Für Welz-Spriestersbach ist es wichtig anhand der über hundert ausgestellten Kunstwerke, die künstlerische Entwicklung Gaisers aufzuzeigen. Das erste Gemälde „Bien Amis“ zeigt ein Schloss in der Bretagne und gehört zu einer der frühen Arbeiten Gaisers. Die Naive Kunst Henry Rousseaus dient ihr anfangs als Vorbild. Die Gemälderestauratorin betont, dass das Naive im Sinne von „natürlich, ursprünglich, unbefangen“ verstanden werden solle und verweist auf die realen und fantastischen Landschaftsmalereien der Künstlerin, die einen breiten Raum einnehmen. Auf zwei Bildern sind Schloss Favorite und die Pagodenburganlage zu erkennen. Auch wenn sie maltechnisch nicht perfekt sind, ziehen die ausdrucksstarken Farben und die Bildkompositionen die Betrachter in ihren Bann. Beim Rundgang ist gut erkennbar, dass die Malerin sich künstlerisch immer weiter entwickelt hat. Die Bilder umfassen nun Stillleben, Figuren und abstrahierte Bilder von Menschen wie zum Beispiel „Der Faun“. Gaisers Farbenkompositionen werden experimentierfreudiger, die räumlichen Perspektiven durch Ecken und Kontraste betonter, die Bilder detaillierter. „Gaiser hat keine Angst vor leerer Leinwand“, sagt Welz-Spriestersbach, sie male mit viel Akribie die ganze Fläche aus.

„Kunst muss berühren“

Eines der Lieblingsbilder der Museumsführerin zeigt eine Glasvase mit roten Kirschen, aber auch eine Schale mit einem ungefälligen Motiv wie Kartoffeln sei bemerkenswert. „Kunst muss berühren“, das sei das Credo für alle künstlerischen Arbeiten, sagt Welz-Spriestersbach und führt in den letzten Raum, wo die jüngeren und ausgefeilten Exponate der Künstlerin hängen.

Dort dürfen die Workshop-Teilnehmerinnen sich selbst ausprobieren. Auf einem runden Tisch liegen Pastellkreide und Pastellpapier bereit, jeder bekommt einen einzelnen Platz mit vorgeschriebenem Abstand zugeteilt. Die leeren Malblätter können frei gestaltet werden oder man versucht sich an skizzierten Musterbildern, die Gaisers Gemälden nachempfunden sind. „Spielen Sie mit den Farben“, empfiehlt Welz-Spriestersbach, „nehmen Sie Töne, die Sie sonst nie benutzen würden!“ Es scheint als seien die Werke Gaisers der richtige Anstoß gewesen. Alle beginnen konzentriert mit dem Malen, wischen mit den Fingern, um Flächen plastischer zu gestalten oder verwenden Pastellstifte und Wattestäbchen, um präziser und detaillierter zu arbeiten. Das richtige Sehen sei wichtig, manchmal könne ein Strich ein ganzes Bild verändern, sagt Welz-Spriestersbach, während sie die Arbeiten der Teilnehmerinnen in der Entstehungsphase begutachtet.

Für Anfänger und Fortgeschrittene

Ob Anfängerin oder Fortgeschrittene, am Ende der zweistündigen Kunstvermittlung sind die Bilder so unterschiedlich geworden, wie Menschen verschieden sind. Eine Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Eine unglaublich befriedigende und entspannende Arbeit ist das gewesen.“

Der Workshop wird am Freitag, 11. September, von 14 bis 16 Uhr wiederholt. Am 25. September übernimmt die kunstdidaktische Führung Jürgen Pfeifer von 15 bis 17 Uhr. Der Kostenbeitrag beträgt fünf Euro. Interessenten können sich unter Telefon (07222) 9728401 bei Anja Renschler anmelden oder per E-Mail unter museen@rastatt.de. Die Ausstellung „Marianne Gaiser – ein musisches Zeitfenster“ ist bis 4. Oktober zu sehen.

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Erstellt:
7. September 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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