Seminararbeit über das „Radeln im Murgtal“

Gaggenau/Gernsbach (stn) – Wie attraktiv das Radeln im Murgtal ist und wo es Verbesserungspotenzial gibt, darüber hat Lina Schmidt (17) vom Albert-Schweitzer-Gymnasium eine Seminararbeit verfasst.

Lina Schmidt hofft, mit ihrer Arbeit den Stein des Anstoßes zu einer verbesserten Radinfrastruktur im Murgtal geben zu können. Foto: Nora Strupp

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Lina Schmidt hofft, mit ihrer Arbeit den Stein des Anstoßes zu einer verbesserten Radinfrastruktur im Murgtal geben zu können. Foto: Nora Strupp

Die Arbeit entstand im Rahmen des Seminarkurses „Nachhaltig mobil sein mit dem Rad“. „Acht Schüler haben sich während dieses Schuljahres mit dem Thema Rad beschäftigt“, berichtet Schmidt. Der Vorteil des Kurses: Die Teilnahme daran ermöglicht es, nur ein mündliches Prüfungsfach – anstatt wie sonst üblich zwei – im Abitur nächstes Jahr belegen zu müssen. „Jetzt habe ich nur noch Mathe im Mündlichen. Das spart viel Zeit“, freut sich die Schülerin.

Das Thema der Seminararbeit – „Radeln im Murgtal – Wie können Städte und Gemeinden Radfahren attraktiver machen?“ – war übrigens schnell gefunden. „Es sollte etwas sein, das mich interessiert, was regional bezogen ist und was mit mir persönlich zu tun hat“, erläutert die in Gernsbach wohnende 17-Jährige ihre Herangehensweise. Und sie, ihr 15-jähriger Bruder und ihre Eltern seien schon immer eine radbegeisterte Familie gewesen, ihr Vater habe sogar ein Rennrad. Auch mit Freunden sei sie gerne per Rad im Murgtal unterwegs, öfter geht es im Sommer beispielsweise zum Eisessen nach Gaggenau.

Erste Reaktionen auf die Arbeit

Durch ihre regelmäßigen Spritztouren hat sie die Radwege in der Region über Jahre hinweg also ausgiebig kennengelernt – und weiß daher auch ganz genau, wo die Infrastruktur für Radfahrer gut ist und wo es ihrer Ansicht nach noch Nachholbedarf gibt. Einige dieser, wie sie sagt, „störenden“ Punkte hat sie in ihre 45-seitige Arbeit aufgenommen und detailliert erläutert wie etwa den Tunnel beim Elefantenweg in Ottenau oder die Unterführung unter der B462 in Bad Rotenfels. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die Kommunen entsprechende Gefahrenstellen erkennen und beseitigen. Auch mehr Akzeptanz zwischen Rad- und Autofahrern liegt ihr am Herzen.

Darüber hinaus hat sie exemplarisch eine Route zwischen Gernsbach und Gaggenau näher vorgestellt und anhand von Text und Bild erläutert, auf was sich Radfahrer dort einstellen müssen. „Es ist eine viel frequentierte Strecke, die auf kurzer Distanz mehrere verschiedene Abschnitte beinhaltet wie etwa eine Fahrradstraße oder einen kombinierten Fuß- und Radweg.“

Um ihre Forschung möglichst repräsentativ zu gestalten, hat die Gymnasiastin eine Umfrage mit Freunden, Familie und Bekannten durchgeführt. Ebenfalls Erwähnung finden bereits von Kommunen umgesetzte Projekte und Aktionen für Radfahrer wie etwa die „Tour de Murg“ oder E-Bike-Ladestationen. Zudem bezieht sie die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests 2020 ein. Am Ende stellt sie konkrete Verbesserungsvorschläge für das Murgtal vor, beispielsweise die deutlichere Kennzeichnung von bestehenden Radstreifen auf Fahrbahnen oder die Anbringung von Haltegriffen für Radfahrer an Ampeln.

Übung fürs wissenschaftliche Arbeiten

Was man dem Dokument keineswegs anmerkt: Es ist Schmidts erste Arbeit mit dem Versuch, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Von den Lehrern haben die Schüler zu Beginn als kleine Starthilfe eine Übersicht über die Anforderungen bekommen, die eine solche Seminararbeit erfüllen muss: Vom Layout über den Aufbau bis hin zu den Zitatangaben. Zunächst war Schmidt erstaunt angesichts der langen Liste, die es umzusetzen galt. „Es war viel Arbeit, aber ich sehe es als Vorbereitung auf das Studium. Da muss man auch wissenschaftlich arbeiten. Und ich finde es toll, dass man das schon mal üben kann.“

Die Schülerin hat ihre Arbeit Jürgen Zimmerlin, Bauamtsleiter in Gernsbach, sowie dem Landtagsabgeordneten Thomas Hentschel (Grüne) zukommen lassen. Mit Hentschel fand am 29. Juli sogar ein Treffen statt. Die Hoffnung, etwas mit ihrer Arbeit bei der Politik zu erreichen, ist groß: „Ich habe mir viel Arbeit gemacht und mich informiert. Das möchte ich jetzt nutzen, damit sich für die Radfahrer etwas ändert. Wenn man mit kleinen Schritten anfängt, könnte es was Größeres werden.“

Und tatsächlich: Beide möchten die Forschungsergebnisse als Anstoß nutzen und die Schwachstellen im Radwegenetz angehen. Mittlerweile hat der ADFC Baden-Baden/Rastatt Schmidts Arbeit auf seiner Internetseite veröffentlicht. Interessierte können das PDF-Dokument unter https://baden-baden.adfc.de/ aktuelles einsehen. Dass ihr Werk so viel positive Rückmeldung erfährt, macht die Gymnasiastin stolz. „Ich freue mich, dass ich damit was bewegen kann.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
9. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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