Senior aus Neuweier versorgt sein Haus mit alternativer Energie

Bühl/Baden-Baden (BNN) – Volle Pipeline bei Alternativenergie: Ein Senior aus Neuweier hat sein Einfamilienhaus aus den 70ern auf Komplettlösung mit alternativer Energie und Akkus umgestellt.

Blick in die Garage: Die Sonne liefert via Photovoltaik auf dem Dach die Energie für die Akkus an der linken Wand. Und an der Wallbox wird das E-Auto geladen. Foto: Andreas Bühler

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Blick in die Garage: Die Sonne liefert via Photovoltaik auf dem Dach die Energie für die Akkus an der linken Wand. Und an der Wallbox wird das E-Auto geladen. Foto: Andreas Bühler

Mal eben schnell die alte Heizung rauswerfen und auf eine umweltfreundliche Lösung umstellen: Die stark steigenden Preise für Öl und Gas bringen derzeit etliche Hausbesitzer zum Nachdenken. Der Wunsch nach Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und Solarthermie ist sprunghaft angestiegen. „Das ist ein Thema, das uns momentan mächtig umtreibt“, beschreibt Alfred Veith die Situation. Sein Unternehmen Veith Gebäudetechnik bekommt derzeit viele Anfragen.

„Ich habe die zunehmende Energiediskussion gesehen und wollte nicht länger warten. Jetzt bin ich froh, Photovoltaik und Solarthermie auf dem Dach zu haben“, erzählt ein pensionierter Ingenieur aus Neuweier, der erst vor ein paar Monaten sein 1974 gebautes Haus energetisch neu konzipiert hat. „Es ist eine grundlegende Entscheidung. Die erste Frage lautet doch immer, ob sich der ganze Aufwand rechnet. Mir ging es darum, meine Ausgaben für das Wohnen völlig runterzufahren“, erzählt der Wirtschaftsingenieur. Das Geld auf der Bank bringe ihm bei Nullzinsen und hoher Inflation nichts. „Im Gegenteil, es wird weniger wert. Da bringt mir ein ganzheitliches Energiekonzept ohne Öl und Gas deutlich mehr.“

Angefangen hat er mit der Isolierung von Geschossdecke, Dach und Fenstern. „Ich hatte zuerst umgestellt von Öl auf Gas. Aber die Energiediskussion machte mich neugierig auf alternative Konzepte“, erzählt er. Das Ergebnis war eine komplette Hausversorgung mit Photovoltaik, Akku-Speicher, Solarthermie und einer Wallbox in der Garage.

Komponentenmüssen passen

Den Weg dorthin beschritt er konsequent und äußerst zielstrebig: „Mal hier eine Solaranlage und dort eine Verbesserung bringt meiner Ansicht nach nichts. Die Komponenten müssten aufeinander fein abgestimmt sein und miteinander kommunizieren“, sagt er und zeigt auf seinem PC eine einfache Übersicht. Die PV-Anlage auf dem Dach blinkt, die ladenden Akkus ebenfalls. Wenn die voll sind, fängt die Einspeisung mit dem Strommasten-Emblem an zu blinken. „Ich weiß immer, was gerade läuft und wo ich mit meinem Energiemanagement im Augenblick stehe“, freut er sich über die funktionierende Gesamtlösung.

Erhebliche Kosten spart er zudem mit seinem neuen Elektroauto, das er in der Garage an die Wallbox hängt. „Ganz abgesehen vom hohen Spritpreis. Ich zahle keine Steuer für das Auto, und ich tanke jederzeit mit meinem eigenen Strom.“ Fließt der Strom in den Sommermonaten im Überfluss, zehrt er in den dunklen Monaten davon. „Übers Jahr gesehen gleicht sich das auf jeden Fall aus“, verweist er auf seine Gesamtbilanz. Als eine feine Sache sieht er die Akkupakete in seiner Garage, die ein zusätzlicher Puffer sind. Und mit der Solarthermie ist der Bedarf an Warmwasser sowieso abgedeckt. „Sicher, die erste Frage ist immer, wann sich das rechnet“, bestätigt auch Alfred Veith, der sich mit seinem Unternehmen in den Bußmatten auf gesamtheitliche Energielösungen für Gebäude spezialisiert hat. Das Komplettpaket PV-Anlage mit Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox für ein E-Auto habe sich bereits als Klassiker etabliert. Der Preis: Rund 50.000 Euro, je nach Gebäudeauslegung. „Wir sprechen hier von einem durchschnittlichen Einfamilienhaus. Die Herausforderung ist die genaue Auslegung der Anlage und die Steuerung der einzelnen Komponenten, je nach Anforderung und Witterung“, erklärt Veith, der sich schon weit vor der sich zuspitzenden Energiediskussion auf dieses Alternativkonzept konzentriert hat.

„Gut ist in dem Fall nicht das Nächstbeste“

„Die optimale Steuerung ist das große Thema. Wenn ein E-Auto dazukommt, sieht die Sache schon wieder völlig anders aus“, erklärt er. Und einige Erfahrung mit dem Antrag auf Förderzuschüsse sei für die interessierten Kunden auch ein wichtiger Wegweiser hin zum alternativen Gebäudemanagement. Das Leistungsmanagement einer solchen Anlage sei die eigentliche Herausforderung. „Gut ist in dem Fall nicht das Nächstbeste. Aber klar ist auf jeden Fall, wenn die Energiepreise nur annähernd auf dem jetzigen Niveau bleiben, dann rechnet sich fast jedes alternative System“, sagt Veith. Die ganze Problematik lasse sich mit einem einfachen Satz schnell auf den Punkt bringen: „Heizen wir unsere Häuser oder nehmen wir das Geld für eine sinnvolle Investition in die Zukunft?“

„Eine Umstellung muss gut bedacht sein und hat in der aktuellen Situation leider eine Vorlaufzeit von mindestens einem Jahr“, geht Mario Ulrich auf die Umsetzung ein. Er ist bei Veith Leiter der Heizungsabteilung und Energieberater. Das liege vor allem an den Lieferzeiten für Material und Komponenten, die stark durch coronabedingte Lieferschwierigkeiten geprägt sind. „Was nützt es, wenn man eine Anlage installiert und uns zum Beispiel ein Gleichrichter fehlt?“, begründet Ulrich die vorsichtige Kalkulation.

Das Thema ausgelastete Betriebe setze sich auch bei den anderen Gewerken fort: „Auch die Dachdecker haben mittlerweile lange Wartelisten, weil bei Neubauten eine Solaranlage verpflichtend ist.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Andreas Bühler

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Erstellt:
30. März 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 32sec

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