Seniorenrat aus Bühl glänzt mit Ideenvielfalt

Bühl (fvo) – Von Schwätzbänkle bis Wohnen unter einem Dach: Der Bühler Seniorenrat glänzt bereits nach zwei Jahren mit großer Ideenvielfalt und erfolgreichen Initiativen.

„Nichts ist wichtiger, als nicht einsam zu sein“: Der Seniorenrat Bühl hat schon etliche Projekte kreiert, um Senioren aus der Isolation zu bekommen. Foto: Ronny Hartmann/dpa

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„Nichts ist wichtiger, als nicht einsam zu sein“: Der Seniorenrat Bühl hat schon etliche Projekte kreiert, um Senioren aus der Isolation zu bekommen. Foto: Ronny Hartmann/dpa

Die Liste ist lang und sie ist beeindruckend. „Es ist toll, wie viele Ideen Sie haben und wie motiviert Sie an die Sache rangehen“, fasste Stadträtin Yvonne Zick (FW) den Tenor der jüngsten Kultur- und Sozialausschuss-Sitzung zusammen. Auch Georg Schultheiß (FW) findet es beeindruckend, was der vor zwei Jahren gegründete Seniorenrat „in so kurzer Zeit“ bereits auf den Weg gebracht hat. FDP-Rat Christian Böckeler nannte es schlicht „erstaunlich, was Sie leisten.“

Begrüßt wird insbesondere die Tatsache, dass sich der Seniorenrat regelmäßig zu seniorenrelevanten Themen in den Gemeinderat einbringt. Auch Bürgermeister Wolfgang Jokerst findet es „beachtlich“, was man so alles an Aktivitäten in der Pipeline habe.

Zu den verschiedenen Projektfeldern zählt etwa das „hochinteressante Thema“ Gemeinschaftliche Wohnformen. Eine Option des Zusammenlebens von Jung und Alt, was nicht in einem Haus, sondern auch im Wohnblock stattfinden kann und die sich künftig auch in Bebauungsplänen niederschlagen sollte, findet Sprecher und Mitinitiator Klaus Haßmann. Die Stadt habe bereits Interesse signalisiert. Als konkrete Maßnahme hat man schon einen Zehnpunkteplan zur Verbesserung von Radwegen an den Fachbereich Stadtentwicklung/Bauen weitergeleitet. „Was rechtlich und wirtschaftlich machbar war, wurde umgesetzt“, so Haßmann. Zudem wurden sämtliche städtische Einrichtungen mit barrierefreiem Zugang aufgelistet und die Liste der Verwaltung übergeben.

Nicht weniger wertvoll sind die sozial-kommunikativen Initiativen. Allen voran die „Plauderkiste“, ein telefonisches Gesprächsangebot für Senioren. Im Moment gebe es zwar eine „kleine Flaute“, da sich die Pandemie-Situation normalisiert habe. Dennoch weiß Haßmann von „bewegenden Gesprächen“ zu berichten, mit Menschen, die von Schicksalsschlägen gezeichnet sind.

Kommunikativer Natur sind auch die fünf eigens gekennzeichneten „Schwätzbänkle“ im Stadtgarten. Dort ist im September und Oktober ein Seniorenratsmitglied zu bestimmten Zeiten vor Ort präsent, wobei Haßmann wohl weiß, dass das Angebot schon von der Attraktivität dessen abhängt, der da grade drauf sitzt, wie er schmunzelnd berichtet.

„Als Ohr zur Bevölkerung“

Zwei neue von der Volksbank gesponsorte Sitzbänke im Stadtgebiet gehen auf die Initiative einer Dame zurück, die sich nach schwerem Einkauf auf halbem Weg nach Hause ein Ausruhplätzchen wünschte.

Praktische Lebenshilfe soll das Seniorennetzwerk sein, mit dem Ziel, seniorenspezifische Themen und Ereignisse in der Stadt transparent darzustellen. Das gleiche gilt für den Seniorenwegweiser, eine mit der Stadt zu erarbeitende Broschüre, die Aufschluss gibt, an welchen Stellen man konkret welche Hilfe oder Beratung findet. Hierzu gab es laut Co-Sprecherin und Mitglied Antje Jessen bereits umfangreiche Recherchen in sozialen oder medizinischen Einrichtungen. „Wir wollen aber nur als Info-Lotse fungieren, also keinen Beratungsdienst leisten.“ Ideen und Bedarfslagen könnten per Wurfaktionen oder „Wunschbögen“ im Vorfeld abgeklopft werden, so Jessen. Das Online-Angebot sei, wie Haßmann feststellt, wenig bekannt. Seine Erklärung: „Senioren sind eher selten im Internet unterwegs, um sich zu informieren.“ Man müsse aktiv auf sie zugehen.

Auf dem Wunschzettel des Seniorenrats steht fürs Erste noch ein offener Treff. Er wurde coronabedingt zurückgestellt, ein Konzept wird aktuell erarbeitet. Er versteht sich laut Antje Jessen „als Ohr zur Bevölkerung“, um herauszufinden: Was sind die konkreten Bedürfnisse? Auch eine Klausurtagung sei überfällig, um sich strukturell noch effektiver aufzustellen. Bedarf nach Kommunikation und Abstimmung sei jedenfalls vorhanden. „Die Corona-Pause hat uns schon sehr zurückgeworfen“, gesteht Haßmann.

Dass Senioren jedenfalls Gemeinschaft brauchen, ist für Yvonne Zick eindeutig: „Nichts ist wichtiger, als nicht einsam zu sein“, so die Stadträtin der Freien Wähler. Nach Meinung von Timo Gretz (SPD) könnte sich auch der Nachwuchs eine Scheibe abschneiden mit Blick auf drei vergebliche Anläufe eines Jugendgemeinderats. Beim Seniorenrat klappte die Gründung auf Anhieb. Gretz begrüßt ebenso die Anwesenheit im Gemeinderat und etwaige Stellungnahmen. Auch Georg Schultheiß (Freie Wähler) sieht im Team des Seniorenrats „wichtige Multiplikatoren“.

Im Haushalt 2022 stehen für die Aufgaben des Seniorenrats 2.000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommt eine Viertel-Personalstelle (Kostenpunkt: 15.000 Euro pro Jahr). Die Besetzung dieser Stelle war bislang aber gesperrt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
28. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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