Seniorenwohnungen fehlen in Baden-Baden

Baden-Baden (hez) – Ein Forschungsinstitut hat festgestellt, dass es in Baden-Baden zu wenig seniorengerechte Wohnungen gibt. Bei der städtischen Baugesellschaft GSE ist man sich des Problems bewusst.

Treppenhäuser ohne Aufzug sind ein Problem, wenn Senioren nicht mehr gut laufen können. Foto: Ferdinand Paul

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Treppenhäuser ohne Aufzug sind ein Problem, wenn Senioren nicht mehr gut laufen können. Foto: Ferdinand Paul

Das Pestel-Institut in Hannover verweist in einer Pressemitteilung auf eine schwierige Wohn-Situation in Baden-Badern für Mieter im Seniorenalter. Auf der einen Seite reiche die Rente oft nicht, um die geforderten Mieten zu bezahlen. Andererseits fehlten an der Oos rund 1.850 seniorengerechte Wohnungen. Da könne schon die Nutzung eines Rollators zum großen Problem werden.
Daher spricht der Leiter des Forschungsinstituts aus der niedersächsischen Landeshauptstadt, Matthias Günther, von einem „Doppelschock“ für ältere Mieter. In Baden-Baden gebe es maximal 700 Wohnungen, die keine oder möglichst wenige Barrieren haben. Diese Feststellung beruhe auf Zahlen des Mikrozensus von 2018, die auf Baden-Baden übertragen, also hochgerechnet worden seien.

Aber hier ist eine Relativierung der Größenordnung nötig, denn Matthias Günther betont: „Nur in rund der Hälfte der Seniorenwohnungen leben tatsächlich auch ältere Menschen. Altersgerechte Wohnungen ohne Schwellen und mit breiten Türen sind auch für Familien attraktiv: Wo Platz für einen Rollator oder Rollstuhl ist, kommt man auch mit einem Kinderwagen klar. Barrierearme Wohnungen bieten einen Wohnbonus – ein Luxusmerkmal fürs Wohnen.“

Das Pestel-Institut geht davon aus, dass es in Baden-Baden aktuell rund 2.200 Haushalte gibt, in denen Senioren leben, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und eine möglichst barrierearme Umgebung benötigen, um eigenständig leben zu können. Doch nur 350 dieser Senioren lebten heute schon in einer geeigneten Wohnung. Also fehlten an der Oos rund 1.850 Seniorenwohnungen. Und der Mangel an geeigneten Wohnungen werde aufgrund der demografischen Entwicklung noch zunehmen.

Gütesiegel geschaffen

Um Mietern zu helfen, hat sich der Leiter des Pestel-Instituts für die Schaffung eines bundesweiten Gütesiegels namens „Mein Fair-Mieter“ starkgemacht. Dieses Siegel sollen nur Vermieter erhalten, die bestimmte Kriterien erfüllen. So dürfen sie in Baden-Baden nur eine Nettokaltmiete von maximal 7,50 Euro je Quadratmeter verlangen. Ein Aspekt, der bei der Vermieter-Prüfung im Zuge der Label-Vergabe eine weitere Rolle spiele, schreibt das Pestel-Institut, sei die Zahl der Wohnungen, die keine oder nur wenige Barrieren haben.

Bei der städtischen Baugesellschaft GSE ist man sich des Bedarfs an seniorengerechten Wohnungen in Baden-Baden „schon lange bewusst“, so Geschäftsführer Alexander Wieland. Schon 2015 habe eine Studie zur Wohnbedarfsentwicklung gezeigt, dass ein Bedarf an mehr kleineren und barrierefreien Wohnungen bestehe.

Bei Neubauten der GSE achte man darauf, durch den Einbau von Aufzügen für einen barrierefreien Zugang zu den Wohnungen zu sorgen. Die Baugenossenschaften in Baden-Baden „gehen in die gleiche Richtung“, betont Wieland. Im Fall von Nachrüstungen von bestehenden Gebäuden sei allerdings eine Aufzugsanlage nicht immer machbar.

Bei Wohnungsbauprojekten würden auch immer einige rollstuhlgerechte Wohnungen entstehen, in denen es unter anderem auf Türbreiten und Klinkenhöhen ankommt.

Im städtischen Fachbereich Bildung und Soziales sieht man die Zahlen des Pestel-Instituts bezüglich des Fehlens von 1.850 seniorengerechten Wohnungen nicht als übermäßig aussagekräftig an. Natürlich benötige man mehr barrierefreien Wohnraum, sagt Sozialplaner Matthias Voigt im BT-Gespräch. Doch die in Baden-Baden lebenden Senioren mit entsprechenden Bedürfnissen wollten gar nicht in eine andere Wohnung umziehen. Vielmehr gehe es ihnen darum, Lösungen zu finden, wie sie in ihren bisherigen vier Wänden bleiben können.

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Erstellt:
5. Juli 2021, 21:00 Uhr
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