Serienproduktion in Wörth wichtig für Gaggenau

Gaggenau/Wörth (tom) – Wenn am 7. Oktober im Daimler-Lkw-Werk in Wörth der erste batteriebetriebene eActros vom Band läuft, hat dieser Beginn der Serienproduktion auch für Gaggenau große Bedeutung.

Ein eActros der Spedition Schmitt auf der Überholspur der B462. Über den jeweils rechten Fahrstreifen sind die Oberleitungen für das Modellvorhaben eWayBW zu erkennen. Dort sind Oberleitungs-Hybrid-Lkw von Scania im Einsatz. Foto: Daimler AG

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Ein eActros der Spedition Schmitt auf der Überholspur der B462. Über den jeweils rechten Fahrstreifen sind die Oberleitungen für das Modellvorhaben eWayBW zu erkennen. Dort sind Oberleitungs-Hybrid-Lkw von Scania im Einsatz. Foto: Daimler AG

Mit den beiden anderen Aggregate-Werken Mannheim und Kassel liefert das Werk Gaggenau zentrale Komponenten für Wörth.

Zwar ist die e-Achse auf der gleichen Basis wie die entsprechende konventionelle Baureihe aufgebaut. Gleichwohl hält sie Herausforderungen bereit. Dies weiß auch Thomas Twork. Er ist Standortverantwortlicher im Mercedes-Benz- Werk Gaggenau und betont: „Es gibt keinen eActros ohne eine e-Achse – und keine e-Achse ohne wichtige Komponenten aus dem Mercedes-Benz-Werk-Gaggenau. Für die Gehäuse und Getriebekomponenten setzen wir hochpräzise Verfahren ein. So erreichen wir die geforderten minimalen Toleranzen und erfüllen unsere hohen Qualitätsstandards. Das war für uns eine besondere Herausforderung und mein Dank gilt der Mannschaft, die das durch herausragenden Einsatz in den letzten Wochen und Monaten möglich gemacht hat.“

Betriebsratsvorsitzender Michael Brecht sieht mit dem Serienanlauf den Beginn des elektrifizierten Zeitalters der Daimler Trucks. „Wir haben uns auf ein Fertigungsnetzwerk geeinigt, in dem jeder Standort seine Rolle finden wird, und darauf bin ich stolz. Es gibt allerdings noch viel zu tun, angefangen vom Entwickeln des elektrischen Antriebsstrangs bis hin zur Produktion.“ Alle Standorte sollten durch innovative Produkte sichere Arbeitsplätze bieten.

Die Funktionen der drei Aggregate-Werke im Überblick

Werk Gaggenau: Hier werden getrieberelevante Mechanikkomponenten und dazugehörige Gehäuse hergestellt. Besondere Herausforderung: Die Gehäusekomponenten aus Stahl und Aluminium sowie die Getriebeteile müssen äußerst präzise gefertigt werden. Dies ist nötig, um einwandfreie Funktionalität und ein optimales Geräuschverhalten der e-Achse zu gewährleisten.

Die Bauteilbandbreite reicht vom kleinsten Planetenrad mit Außendurchmesser von 57 mm bis zum Antriebsrad mit Außendurchmesser von 365 mm und einem Rohteilgewicht von über 40 kg. Einzelne Arbeitsschritte werden im Werkteil Rastatt ausgeführt, der Großteil in Gaggenau. Zum Verhältnis von e-Komponenten zu normalen Komponenten macht Daimler keine Angaben. Insgesamt werden zehn Getriebeteile und drei Gehäuseteile nach Kassel geliefert.

Das Werk Kassel montiert die komplette e-Achse, bestehend aus Achsbrücke, Elektro-Motor und schaltbaren Getriebe-Elementen.

Das Werk Mannheim montiert Batteriemodule zu kompletten Paketen. Ein Batteriepaket für den eActros besteht aus sechs einzelnen Modulen. Das fertig montierte Paket ist knapp 2,20 Meter lang, 75 cm breit und 55 cm hoch.

7.000 Touren mit dem Prototypen

Vor dem Serienanlauf des batterieelektrischen eActros sind bereits vier seriennahe Lkw im Realbetrieb.

Je einer ist im Pendelverkehr für Logistik Schmitt (Ötigheim) und für die Lebensmittellogistiker Simon Loos (Niederlande) sowie Tevex Logistics (Nordrhein-Westfalen) im Einsatz. Ein weiterer eActros ist als Abfallsammelfahrzeug für Remondis unterwegs.

Es handelt sich um E-Lkw, die im Rahmen von Testdurchläufen der Produktion aufgebaut wurden.

Rainer Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter von Logistik Schmitt, wird von Daimler wie folgt zitiert: „Ein früher Prototyp des batterieelektrischen eActros hat sich bereits seit Juli 2019 bei uns im intensiven Praxistest bewährt. Insgesamt hat das Fahrzeug bislang rund 70.000 Kilometer zuverlässig bei Wind und Wetter zurückgelegt und knapp 7.000 Touren mit insgesamt 137.000 Ladungsträgern absolviert. Dabei hat er über 40.000 Tonnen Fracht transportiert. Wir freuen uns sehr, dass der Prototyp nun von einem seriennahen eActros abgelöst wird.“

Das neue Fahrzeug fährt weiterhin täglich im Dreischicht-Betrieb zwischen Rastatt und Gaggenau. Auf den Fahrten nach Rastatt transportiert der eActros Getriebegehäuse, nach Gaggenau befördert er Achskomponenten. Der Lkw absolviert so täglich bis zu 300 Kilometer. Teil des mehrjährigen Tests im Murgtal ist ein Konzeptvergleich mit dem Oberleitungsprojekt eWayBW. Daimler Truck plant selbst keine Oberleitungs-Lkw.

Weiterer Bericht zum eActros.

Bericht zur Abspaltung der Nutzfahrzeugsparte Daimler Truck.

Fertigung von Antriebskomponenten im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau. Foto: Daimler Trucks and Buses Community

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Fertigung von Antriebskomponenten im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau. Foto: Daimler Trucks and Buses Community

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
4. Oktober 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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