Sexueller Missbrauch: Arzt demonstriert Behandlungsschritte

Baden-Baden (sga) – Im Prozess gegen einen Arzt aus Baden-Baden, der Patientinnen sexuell missbraucht und in einem Fall vergewaltigt haben soll, sind am Montag weitere Zeugen angehört worden.

Angeklagt: Ein 56-jähriger Mediziner aus Baden-Baden soll während den Behandlungen mehrere Patientinnen sexuell missbraucht und eine davon vergewaltigt haben. Foto: Fabian Sommer/dpa

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Angeklagt: Ein 56-jähriger Mediziner aus Baden-Baden soll während den Behandlungen mehrere Patientinnen sexuell missbraucht und eine davon vergewaltigt haben. Foto: Fabian Sommer/dpa

Im Landgericht stand am Montag ein Anatomieskelett, das für Aufklärung sorgen sollte. Der Arzt, dem der sexuelle Missbrauch von Patientinnen und in einem Fall auch Vergewaltigung vorgworfen wird, wollte dadurch auf die Methoden seiner Behandlungen eingehen – und erklären, inwiefern die von den Zeuginnen beschriebenen Griffe der Wirklichkeit entsprechen.

Zunächst jedoch war es eine 26-jährige Studentin, die vor Gericht von Behandlungen in den Praxisräumen des Mediziners berichtete. Nachdem sie bereits in der vorherigen Sitzung ein „mulmiges Gefühl“ gehabt habe, soll ihr der 56-Jährige während der darauffolgenden Behandlung sehr nahe gekommen sein.

Bis auf die Unterhose entkleidet sei sie dem Arzt gegenüber gestanden, „er hat mit seinen Armen seitlich um mich gegriffen“, bis er schlussendlich mit der Spitze seines Fingers in den Scheideneingang gefahren sei. Bei ihrer damaligen Anhörung bei der Polizei habe sie diese Situation jedoch nicht geschildert, „es war mir einfach peinlich“. Gespürt habe sie während der Behandlung auch, wie der Arzt ihr „Küsse auf Wange und Stirn gehaucht“ habe – genau könne sie es aber nicht sagen: „Ich habe mit Sicherheit irgendwann die Augen geschlossen, weil ich es nicht wahrhaben wollte.“

Als Vorsitzender Richter hinterfragte Wolfgang Fischer am Montag auch bei den vier weiteren Zeuginnen den Handlungsablauf. Zwar sind die von den ehemaligen Patientinnen geschilderten Situationen nicht Gegenstand des laufenden Verfahrens, doch könnten die früheren Anzeigen, die damals fallen gelassen worden sind, nun zur Aufklärung beitragen.

„Das lässt sich technisch nicht ändern“

So wollte sich auch eine 33-jährige Frau an „komische“ Behandlungen bei dem in Baden-Baden praktizierenden Arzt erinnern, als sie 2017 – ebenfalls nur mit der Unterhose bekleidet – von ihm abgetastet und eingerenkt worden sei. Während der Behandlung habe sich der 56-Jährige ihre Fersen auf seine Schultern gelegt und sich zwischen ihre gespreizten Beine gestellt, um seinen Körper gegen sie zu drücken. Eine weitere Zeugin beschrieb eine ähnliche Situation.

„In der Osteopathie sind beide Körper immer beieinander, das lässt sich technisch nicht ändern“, erklärte der Angeklagte. Immer wieder demonstrierte er nach den Zeugenaussagen die verschiedenen Griffe, die während einer Behandlung zum Einsatz kommen können. So sei es gängig, dass Patienten nur in der Unterhose behandelt und zum Beispiel ihre Beine zum Druckafbau um den Körper des Arztes gelegt werden. Bei der Behandlung des Steißbeins könne es sogar teilweise vorkommen, dass die Hand unter den Slip fahren muss – beides soll zur „Mobilisierung und Dehnung“ der Muskeln dienen. Dabei rutsche man jedoch „zu keinem Zeitpunkt an die Scheide“.

Ob dies bei der letzten für diesen Verhandlungstag geladenen Zeugin der Fall gewesen ist, kann sie selbst nicht genau sagen. Nachdem ihr eine Behandlung übergriffig vorgekommen war, sei sie zur „Überprüfung“ dieses Verdachts erneut bei dem Arzt vorstellig geworden, der sich ihre Beine auf die Schultern gelegt habe. „Dann hatte ich einen Blackout.“ Sie habe sich an eine frühere Vergewaltigung im Kindesalter zurück erinnert und gehe davon aus, dass es während der Behandlung zu Ähnlichem gekommen sei. Mit Sicherheit aussagen konnte sie jedoch keine Handlung, was Verteidiger Edgar Gärtner zum wiederholten Male dazu brachte, die Zeugenaussagen zu hinterfragen, da sich diese oft nicht wirklich an etwas Genaues zu erinnern scheinen: „Diese Vernehmung hat zur Aufklärung der Sache nichts beigetragen.“

Ihr Autor

BT-Redakteuin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
22. November 2021, 18:29 Uhr
Lesedauer:
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