Sexueller Missbrauch: Bühler muss acht Jahre in Haft

Baden-Baden/Bühl (for) – Das Landgericht Baden-Baden hat einen 64-jährigen Bühler zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Der Mann soll Kinder teils schwer sexuell missbraucht haben.

Das Landgericht Baden-Baden hat einen 64-jährigen Bühler, der sich seit Mittwoch wegen teils schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten musste, zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Symbolfoto: Uli Deck/dpa/Archiv

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Das Landgericht Baden-Baden hat einen 64-jährigen Bühler, der sich seit Mittwoch wegen teils schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten musste, zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Symbolfoto: Uli Deck/dpa/Archiv

Der 64-jährige Bühler sitzt regungslos auf der Anklagebank. Im Zuschauerbereich sind am Freitagmittag nahezu alle Blicke auf ihn gerichtet, Eltern und Angehörige der Opfer warten gespannt auf die Reaktion jenes Mannes, der über Jahre hinweg mehrere junge Mädchen teils schwer missbraucht hat. Doch auch als das Landgericht Baden-Baden den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt, bleibt seine Miene starr.

Für mehr als 130 Fälle verurteilt

Der Vorsitzende Richter Stefan Schmid sah es als erwiesen an, dass sich der Bühler im Zeitraum von 2005 bis 2019 in mehr als 130 Fällen an einem ehemaligen Nachbarskind und mehreren Freundinnen seiner Enkelinnen vergangen habe. Lediglich in zwei Fällen spricht das Landgericht den 64-Jährigen frei – mit der Begründung, dass die Tatbestände in diesen Fällen nicht für eine Verurteilung ausreichten.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Bühler ursprünglich wegen sexuellen Missbrauchs in 180 Fällen angeklagt. Die Übergriffe ereigneten sich zu einem Großteil im Anwesen des 64-Jährigen. Einmal soll er seine ehemalige Nachbarin – eine heute 21-Jährige, die die Ermittlungen im Januar 2020 ins Rollen gebracht hat, auch bei einem Ausflug in den Karlsruher Zoo unsittlich berührt haben. Bereits am ersten Prozesstag hat der Angeklagte nahezu alle Taten eingeräumt. Von 44 der 180 Fälle sah die Anklagebehörde schließlich ab, weil sie ohne weitere Vernehmung der Mädchen nicht nachweisbar gewesen wären. Während die Staatsanwaltschaft insgesamt neun Jahre Haft forderte, plädierte die Verteidigung auf sechs Jahre.

Schwerer sexueller Missbrauch in 14 Fällen

Weil sich die Taten über viele Jahre hinweg ereignet hätten und sechs Opfer ausgemacht werden konnten, sei die Urteilsfindung sehr komplex gewesen, so Schmid am Freitag. Alle Taten lägen zeitlich eng beieinander, seien von der Ausführung her ähnlich. Demnach bestehe ein enger Zusammenhang der zahlreichen Einzelstraftaten, die aber dennoch nicht alle gleich zu gewichten seien. Besonders schwer für das Strafmaß wogen Schmid zufolge 14 erwiesene Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs, bei denen der Angeklagte auch in eines der Mädchen eingedrungen sein soll.

Schwere psychische Belastung für Opfer

Auch das Alter der Opfer zur Tatzeit habe eine große Rolle bei der Urteilsfindung gespielt. Die Mädchen waren demnach bei den Übergriffen zwischen fünf und elf Jahre alt. Insbesondere bei der heute 21-Jährigen, die erst im vergangenen Jahr den Mut fasste, die Taten zur Anzeige zu bringen, seien schwere psychische Belastungen festzustellen. „Das Leid der jungen Frau war vor Gericht für alle weithin sichtbar“, so der Richter. Der Angeklagte habe ihre „schutzlose Lage“ als Kind ausgenutzt und gleichzeitig das Vertrauen zahlreicher Eltern missbraucht, die ihre Kinder bei ihm in guten Händen glaubten, so Schmid.

Zugute komme dem Angeklagten, dass er nicht vorbestraft war und bereits am ersten Prozesstag ein umfangreiches Geständnis abgelegt hat. „Dadurch konnte das Verfahren zügig abgearbeitet werden“, sagt Schmid. Aufgrund zahlreicher Krankheiten bestehe eine erhöhte Haftempfindlichkeit bei dem Angeklagten.

„Viele Jahre währendes Missbrauchsgeschehen“

Dem gegenüber stehe jedoch ein „viele Jahre währendes Missbrauchsgeschehen“, das sich „stufenweise an mehreren Kindern ereignet hat“ und sich bis ins Jahr 2019 fortgesetzt habe, fasst Schmid schließlich zusammen. Im Zuschauerbereich ist nach der Urteilsverkündung ein Aufatmen zu vernehmen. Manch ein Anwesender hat zwar auf neun Jahre Haft gehofft, letztlich überwiegt aber die Erleichterung, dass das Martyrium mit dem Urteil nach all den Jahren ein Ende findet. Der Angeklagte hat die Möglichkeit, Revision einzulegen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Janina Fortenbacher

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Erstellt:
23. April 2021, 15:08 Uhr
Aktualisiert:
23. April 2021, 18:05 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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