Sexueller Missbrauch in Baden-Baden: Sechs weitere Frauen betroffen?

Baden-Baden (sga) – In Baden-Baden soll sich ein Arzt an mehreren Patientinnen vergangen haben. Nun hat die Berichterstattung Erinnerungen mutmaßlicher Opfer geweckt.

Recht oder Unrecht? Noch ist nicht geklärt, ob der Arzt aus Baden-Baden schuldig ist. Foto: Sascha Schuermann/dpa

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Recht oder Unrecht? Noch ist nicht geklärt, ob der Arzt aus Baden-Baden schuldig ist. Foto: Sascha Schuermann/dpa

Im Prozess gegen einen Arzt aus Baden-Baden haben sich sechs weitere Frauen gemeldet, die durch die Berichterstattung auf den Fall aufmerksam geworden sind und ebenfalls Opfer sein sollen. Derzeit ist jedoch noch nicht geklärt, was 2015 und 2019 passiert ist. War es sexueller Missbrauch oder doch nur eine Methode, die in der Osteopathie gängig ist?

Was die sechs ehemaligen Patientinnen betrifft, ist aktuell nicht geplant, die Anzeigen in das laufende Verfahren mit einzubeziehen, da die Ermittlungen in diesen Fällen noch nicht abgeschlossen sind. Unterdessen wiederholt sich der Verhandlungsablauf immer wieder, und daran sollte sich auch am Donnerstag nichts ändern: Eine Zeugin erzählt, was ihr widerfahren sein soll, dann packt der Arzt das Anatomieskelett aus und präsentiert die Griffe.

Was die Frau vor Gericht aussagt, könne er teilweise bestätigen – solange es um die medizinische Behandlung als solche gehe, so der Arzt. Ja, er habe sie behandelt, indem sie ihren Kopf an seinen Oberkörper und ihre Arme auf die Schulter legen sollte. „Gestreichelt“, wie sie es ihm vorwirft, habe er sie allerdings nicht.

Dabei soll es laut der Lehrerin jedoch nicht geblieben sein. Als sie das dritte Mal zur Behandlung erschien, „hat er immer wieder meine Brüste berührt“. Sie habe erst etwas gesagt, als er „mit der ganzen Handfläche“ und „frontal“ an ihrer Oberweite hochgefahren sei: „Da habe ich seine Hände weggeschlagen.“ Der Arzt habe den Griff damit begründet, ihren Brustmuskel behandeln zu müssen.

Mediziner streitetweiterhin alles ab

„Im Nachhinein denkt man immer, man hätte anders reagieren sollen“, so die Zeugin. Doch sie müsse auch erwähnen, dass sie den Mediziner vorher als „kompetenten Arzt“ erlebt habe und mit seiner Behandlung „zufrieden“ gewesen sei – auch, wenn er über die Osteopathie selbst „nicht viel erklärt hat“. Nachdem sie sich an die Ärztekammer gewandt und dadurch erfahren habe, dass zu diesem Zeitpunkt wohl schon mehrere Beschwerden vorlagen, soll es schließlich ohne sie zu einem „Verwarnungsgespräch“ mit dem 56-Jährigen gekommen sein – der allerdings alles abgestritten habe.

Ebenso unschuldig soll der Arzt auch im Fall der Nebenklägerin sein, die ihm Vergewaltigung vorwirft. Am Donnerstag sagte ein Freund der ehemaligen Patientin aus, dem sie in Telefonaten unter anderem davon erzählt habe, wie der Arzt seinen Finger in ihre Vagina eingeführt haben soll. „Ich habe nicht verstanden, wieso sie nicht aufgestanden und gegangen ist“, so der 50-Jährige. Die Nebenklägerin habe ihm gesagt, dass sie sich mitschuldig fühle, weil sie nicht aktiv etwas dagegen unternommen habe – und sei unabhängig davon auch sonst eine „stille Person“.

Bei der Verhandlung anwesend war auch ein Gutachter, der als praktizierender Arzt die angesprochenen, osteopathischen Griffe bestätigen konnte, sie selbst jedoch nicht ausführe, „weil sie zu Missverständnissen führen können“. Der Angeklagte allerdings sah das ein paar Stunden zuvor in seiner Aussage anders: „Alle Beteiligten hier haben eines gemeinsam: Sie haben keinen blassen Schimmer von der Osteopathie. Das ist kein Missverständnis, das ist Unwissen.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
25. November 2021, 18:32 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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