„Sicherer Hafen“ für Mutter und Kind

Muggensturm (stem) – Es ist ein Anlaufpunkt für Mütter in schwierigen Lebenslagen: Die Muki GmbH bietet in ihrem Haus in Muggensturm Hilfe und Unterstützung.

Gut behütet: Die kleine Spielecke ist ein wichtiger Bestandteil der Mutter-Kind-Wohngruppe in Muggensturm. Weihnachten wird dort ähnlich gefeiert wie in vielen Familien. Foto: Hans-Jürgen Collet

© col

Gut behütet: Die kleine Spielecke ist ein wichtiger Bestandteil der Mutter-Kind-Wohngruppe in Muggensturm. Weihnachten wird dort ähnlich gefeiert wie in vielen Familien. Foto: Hans-Jürgen Collet

Juri ist zwei Jahre alt. Ein wenig fremdelt er noch. Doch dann zeigt er voller Stolz auf den kleinen Weihnachtsbaum in der Ecke, führt diverse Spielsachen vor und demonstriert sein Geschick beim Zusammenfügen einiger kindgerechter Puzzleteile. „Es gefällt uns sehr gut hier“, sagt Fabienne Both. Sie ist die Mutter von Juri. In ihrem Arm hält sie liebevoll den kleinen Wladimir. „Er ist fünf Monate alt, kam aber drei Monate zu früh zur Welt“, berichtet sie. Fabienne und ihre kleine Familie leben seit zwei Jahren in der Mutter-Kind-Wohngruppe in Muggensturm.
Seit 2017 betreibt die Muki GmbH als freier Träger der Jugendhilfe dort eine Einrichtung, deren Ursprünge bis ins Jahr 2007 zurückreichen. Damals war das Projekt, bei dem Mütter in schwierigen Lebenslagen gemeinsam mit ihren Kindern eine Bleibe finden können, in Bietigheim aus der Taufe gehoben worden.

Muki GmbH sucht weitere Räume

Anfangs stand das Projekt noch unter der Regie der systemischen Jugendarbeit in Rastatt. Weil das Haus in Bietigheim anderweitig genutzt wurde, folgte 2010 der Umzug nach Muggensturm – zunächst in die Scheffelstraße und wegen des erhöhten Bedarfs dann auch in das Pfarrheim der evangelischen Kirchengemeinde. „Seit 2018 gibt es hier unsere Muki II-Gruppe“, sagt Geschäftsführerin Birgit Seidl-März – und blickt dabei zugleich in den idyllisch gelegenen Garten hinter dem Haus, der allerlei Spielmöglichkeiten bietet.

Nun plant die Muki GmbH, sich noch weiter auszudehnen. „Wir suchen ein ganzes Haus, möglichst mit neuen Räumen für sechs Mütter mit sechs Babys“, erklärt Seidl-März. Bietigheims Bürgermeister Constantin Braun habe sofort ein offenes Ohr gefunden „und uns Unterstützung zugesagt“, erklärt die Geschäftsführerin.

Ein passendes Objekt habe sich aber noch nicht gefunden. Auch bei Muggensturms Bürgermeister Dietmar Späth und Hauptamtsleiter Claus Gerstner sei man deshalb vorstellig geworden – ohne aber bereits einen Erfolg vermelden zu können. „Es ist aber ganz toll, wie uns die Gemeinde Muggensturm mit der Sanierung des Hauses in der Scheffelstraße unterstützt hat und uns bei unseren Wünschen entgegenkommt“, betont Familientherapeutin Martina Bastian, die gemeinsam mit Seidl-März die Geschäftsführung der GmbH innehat.

Maximal zwei Jahre dürfen sie bleiben

Waren es in der Anfangszeit oft ganz junge, meist noch minderjährige Mütter, die auf Vermittlung der jeweiligen Jugendämter den Weg in die Wohngruppe fanden, so seien es jetzt mehr ältere Mütter, die hier ein neues Domizil suchen. Maximal zwei Jahre dürfen sie bleiben – mit Kindern im Alter von null bis maximal sechs Jahren.

Seidl-März spricht dabei immer wieder von dem „sicheren Hafen“, den die Einrichtung biete. Dazu zählten die entwicklungspsychologische Beratung, Paarberatung und Konfliktbewältigung oder Gespräche etwa mit Eltern und Partnern der Mütter, die oft eine schwierige Lebensgeschichte haben. Es gehe zudem um praktische Übungen, um den Umgang mit den Babys, mit Finanzplanung oder hauswirtschaftlicher Arbeit besser bewältigen zu können.

„Wichtig ist, dass die Mütter Vertrauen lernen“, sagt die Geschäftsführerin, die großen Wert darauf legt, dass die Hilfskonzepte auf Dauer angelegt sind. Jede Mutter hat in den Wohnbereichen eigene Zimmer. „Morgens gibt es individuelle Beratungsgespräche oder Förderangebote, dann wird gemeinsam zu Mittag gegessen, der Nachmittag steht zur feien Verfügung, aber abends ab 19 Uhr müssen wieder alle zuhause sein“, beschreiben Seidl-März und Bastian den Tagesablauf. Stets müsse dabei das Wohl der Kinder ein entscheidender Faktor sei.

Therapeutische Beratung und aufsuchende Hilfe

16 Mitarbeiterinnen unterstützen die Geschäftsleitung. Martina Bastian, die ihre therapeutische Beratung auch als aufsuchende Hilfe bei Müttern in ihrer häuslichen Umgebung anbietet, bestätigt, dass viele ehemalige Bewohnerinnen positive Rückmeldungen geben, wenn sie aus der Wohngruppe ausgezogen sind und in ihrem „normalen“ Leben festen Halt gefunden haben. „Wir erhalten immer wieder Nachrichten von Müttern, die sich über WhatsApp melden und Kontakt halten“.

Und wie verläuft Weihnachten in der Wohngruppe? Coronabedingt wurde die Weihnachtsfeier mit Kinderpunsch, Würstchen, Plätzchen und Stockbrot am vergangenen Mittwoch nach draußen in den Garten des Pfarrheims verlegt. Am heutigen Heiligabend werden voraussichtlich vier Mütter und fünf Kinder in der Gruppe sein. „Alle sitzen an einem großen Tisch, es gibt Raclette, wir singen Weihnachtslieder und erzählen Geschichten“, berichtet Seidl-März, die selbst vor Ort ist, von den Plänen. „Das Essen spielt auch bei uns eine wichtige Rolle“, sagt sie. So gibt es am ersten Weihnachtsfeiertag einen „ausgiebigen Weihnachtsbrunch“, am zweiten Feiertag einen Festtagsbraten.

„Das wird ein Geschenk von uns an die Mütter mit ihren Kindern“, sagt Seidl-März und richtet den Blick schon auf Silvester: „Für alle, die dann da sind, werden wir mit einigen Partyspielen auch ein schönes Programm zusammen stellen.“ Einsamkeit über die Feiertage und zum Jahreswechsel – für die Mütter mit ihren Kindern ist das in der Muki-Gruppe kein Thema.

Ihr Autor

Stefan Maue

Zum Artikel

Erstellt:
26. Dezember 2021, 11:18 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 25sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.