Sicherer Landeplatz für Gebäudebrüter

Gernsbach (vgk) – Am Haus des Ehepaars Schiel in Gernsbach bringt die Netze BW Nistkästen für den Alpensegler an.

Mitarbeiter der Netze BW bringen die Nistkästen unter dem Dachvorsprung in der Nordendstraße 15 an. Foto: Netze BW

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Mitarbeiter der Netze BW bringen die Nistkästen unter dem Dachvorsprung in der Nordendstraße 15 an. Foto: Netze BW

Das Segeln ist seine Leidenschaft und sein stromlinienförmiger Körperbau ist wie geschaffen dafür. Im vergangenen Jahr wurde in Gernsbach beim Storchenturm zum ersten Mal ein Alpensegler beobachtet. Eine kleine Sensation. Denn eigentlich bevorzugt der elegante Vogel den Süden. In Baden-Württemberg ist unter anderem sein Vorkommen in Freiburg und Achern dokumentiert. Inzwischen ist er offenbar auch in Gernsbach zuhause.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sorgen Petra und Karl Schiel dafür, dass Schwalben, Spatzen und Mauersegler Gefallen an ihrem Haus finden. Auch der Alpensegler soll sich in Zukunft in der Nordendstraße 15 wohlfühlen können. Mit Nistkästen und künstlichen Nestern an ihrem Haus versucht das Ehepaar, die in den 1960er und 1970er-Jahren durch Renovierungen verloren gegangenen Nistplätze für die pfeilschnellen Mehlschwalben, Spatzen und Mauersegler auszugleichen.

Zum ersten Mal konnte das Ehepaar den Alpensegler auf Kreta beobachten. Ein weiteres Mal bekamen sie im vergangenen Jahr diese Spezies vom heimischen Balkon aus zu Gesicht. Ein Exemplar hatte sich unter die Mauersegler gemischt. Mit einem speziellen Stift macht Karl Schiel den in einem Vogelbuch hinterlegten charakteristischen Triller der Art hörbar.

Fünf zusätzliche Nistkästen mit Einfluglöchern an Unter- und Vorderseite

Um den Vogel bei seiner Rückkehr aus den warmen Gefilden Afrikas eine Heimstatt bieten zu können, machte sich Karl Schiel deshalb an den Bau von fünf zusätzlichen Nistkästen mit Einfluglöchern an Unter- und Vorderseite. Die Anbringung derselben unter dem Dachvorsprung in luftiger Höhe gestaltete sich im Anschluss daran jedoch schwieriger als erwartet. Von einer normalen Leiter war das Vorhaben einfach nicht zu bewerkstelligen. Der Nistkastenbauer erklärte, dass dem Vogel, der nur wenig bis gar keine Zeit auf dem Boden verbringt, ein freier An- und Abflug wichtig sei. „Es ist ein Versuch“, erläuterte Schiel.

Hilfe erhielt der Vogelliebhaber bei der Anbringung der Nisthöhlen und nach Rücksprache mit Vogelschützer Stefan Eisenbarth von unerwarteter Seite. Der Energie-Netzbetreiber Netze BW half mit Mitarbeitern und einem Steiger aus, um das Naturschutzprojekt zu unterstützen. Sicher vom Korb des Hubwagens aus brachten diese die Kästen in luftiger Höhe unterm Dach an.

Im Moment werden die Nisthöhlen noch von Spatzen bewohnt, erzählt Ehefrau Petra Schiel. Ende April, wenn der Mauersegler in sein Sommerquartier zurückkehrt, werden diese dann kurzerhand aus ihrer Unterkunft vertrieben. „Gerne besetzen die Vögel schon bestehende Nester. Der Alpensegler ist von einer ausgeprägten Brutortstreue“, erklärt Schiel das Brutverhalten des Vogels. Die Brutzeit beträgt mehr als 50 Tage.

Schon seit seiner Jugend beschäftigt sich Karl Schiel hobbymäßig mit der Vogelkunde. Bei ihm im Garten befinden sich Volieren, Nisthilfen, Insektenhotels und auch Hühner haben ihren Platz auf dem Grundstück.

Seit mehreren Jahrzehnten ist Karl Schiel Kassierer beim Vogelschutz- und Zuchtverein Gaggenau-Ottenau und Umgebung. 2016 überreichte der Naturschutzbund (NABU) dem Ehepaar Schiel für sein Engagement die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“. So manches aus dem Nest gefallene Jungtier wurde schon von den Schiels wieder aufgepäppelt. Schilder in seinem Vorgarten informieren über die Flugkünstler, denen er alljährlich ein Zuhause gibt.

Alpensegler ein echter Highspeed-Flieger

Die wichtigsten Erkennungsmerkmale im Vergleich zum kleineren Mauersegler und zur Schwalbe befinden sich an der Unterseite des Alpenseglers. Die reinweiße Bauchunterseite wird durch ein schwarzes Brustband unterbrochen. Flügel und Schwanz der Art sind graubraun. Sein Vetter, der Mauersegler, hingegen ist durchgehend graubraun gefärbt. Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der bis zu 23 Zentimeter groß werdende Alpensegler mit einer Flügelspannweite von bis zu 58 Zentimetern in der Luft. Er ist ein echter Highspeed-Flieger. Auch Falken bietet sich nur selten die Gelegenheit, ihn zu erwischen.

Die Nahrungssuche spielt sich zumeist in großer Höhe ab. Die vom Alpensegler erbeuteten Spinnentiere und Insekten können von diesem im Unterzungensack gesammelt werden, um sie nach dem Beutezug an den Nachwuchs zu verfüttern. Spätestens im Oktober macht er sich auf den Weg nach Afrika, um im April wieder nach Europa zurückzukehren.


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