Sickerwasser-Konzentrat wird aus Deponie entsorgt

Gaggenau/Rastatt (rjk) – Der Betriebsausschuss des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Rastatt hat den Auftrag für die Entsorgung des Sickerwasser-Konzentrats der Deponie in Oberweier vergeben.

Blick auf die erste Reinigungsstufe der Sickerwasserbehandlungsanlage auf der Deponie „Hintere Dollert“. Foto: Marius Metzger

Blick auf die erste Reinigungsstufe der Sickerwasserbehandlungsanlage auf der Deponie „Hintere Dollert“. Foto: Marius Metzger

Aktuell wird in der Deponie „Hintere Dollert“ in Gaggenau-Oberweier das zulaufende Deponie-Sickerwasser in einer zweistufigen Umkehrosmose-Anlage gereinigt und gelangt dann über die Ortskanalisation zur Kläranlage. Das Sickerwasser-Konzentrat wird schließlich in den Deponiekörper zurückgeführt. Die Rückführung beträgt 7.200 Kubikmeter pro Jahr.

Doch damit wird ab diesem Sommer Schluss sein. In seiner Sitzung am Dienstag hat der Betriebsausschuss des Eigenbetriebs Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Rastatt (BAW) den Auftrag zur externen Entsorgung des Deponiesickerwasser-Konzentrats vergeben. Einstimmig folgte das Gremium dem Vergabevorschlag einer Herdecker Unternehmensberatung. Diese hatte die Angebote im Rahmen der europaweiten Ausschreibung geprüft und gewertet.

Ab 1. August 2022 bis 31. März 2023 wird die Gaggenauer Firma Hurrle Spezial-Transporte das in Außentanks zwischengespeicherte Konzentrat aufnehmen, in Tankwagen abfahren und es dann in zwei Anlagen in Hessen entsorgen. Die Gaggenauer hatten als Einzige ein Angebot abgegeben. Der Vertrag mit ihnen verlängert sich automatisch bis 31. Dezember 2023, falls der Auftraggeber ihn nicht spätestens bis 15. Dezember 2022 kündigt.

Im Zeitraum August 2022 bis März 2023 hat die Firma rund 3.100 Kubikmeter Konzentrat zu entsorgen und zwischen April und Dezember 2023 weitere 2.500 Kubikmeter. Hurrle verlangt für Transport und Entsorgung pro Tonne 304,50 Euro netto. Die erwartete Auftragssumme beträgt somit laut Verwaltung 1,12 Millionen Euro und 905.880 Euro bei Inanspruchnahme der Verlängerungsoption bis Dezember 2023.

Temporäre Deckschicht als Interimslösung

Hintergrund dieses Vorgehens ist folgender: Ende 2021 hatte sich der Betriebsausschuss des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) mit der sukzessiven Stilllegung der Deponie befasst. Dabei ging es auch darum, wie die Ausgangsbedingungen für den Bau einer neuen, bis zu 1,43 Millionen Euro teuren Sickerwasseranlage verbessert werden können.

Seinerzeit entschied sich der BAW nicht nur gegen die Konzentrat-Rückführung und für die externe Entsorgung, sondern auch für das Aufbringen einer temporären Deckschicht. Durch diese Zwischenabdeckung soll laut Verwaltung vor allem die Sickerwasserneubildung minimiert werden.

Drei weitere untersuchte Varianten hätten nicht die gewünschte Entlastung der Deponie in den nächsten vier Jahren gebracht. Sie schieden wegen „qualitativer Nachteile und „zu hoher Kosten“ aus. Bei der im Vorjahr beschlossenen Interimslösung wird die bestehende Anlage bis zur voraussichtlichen Inbetriebnahme der neuen Aufbereitungsanlage im Jahr 2026 weiterbetrieben.

Die temporäre Abdichtung auf dem noch offenen Deponiebereich soll nach den Worten von Landrat Christian Dusch „schnellstmöglich, am besten zum gleichen Zeitpunkt“ aufgebracht werden.

Biotop auf der freien Deponiefläche

„Obwohl auf der freien Deponiefläche mittlerweile ein Biotop entstanden ist, bringt das unseren Zeitplan nicht durcheinander“, verwies Dusch auf vorgezogene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in enger Abstimmung mit der Naturschutz- und der Aufsichtsbehörde. „Trotz der artenschutzrechtlichen Herausforderung wird die Deckschicht ab 1. August bis spätestens Herbstende auf den noch nicht endgültig abgedichteten Deponiebereichen aufgebracht sein“, versicherte der Landrat.

SPD-Kreisrat Walter Jüngling monierte: „Wir haben im Bereich Oberweier sehr viele Niederschläge. Warum hat man im Sinne der Schadenbegrenzung die Deponie nicht gleich ganz abgedeckt?“ Darauf Dusch: „Wir hätten die Sache nicht beschleunigen können, weil wir uns an geltendes Recht halten müssen und Ausschreibungen vorzunehmen haben.“ Im Übrigen gebe es aktuell nur den Verdacht auf Gefahren. Ob es sie gebe, werde jetzt per Gutachten ermittelt.

Zum Stand des Ingenieur-Auswahlverfahrens zur Untersuchung der Übergangsdeponien und der Zentraldeponie teilte Dusch mit, dass Anfang April die Verhandlungsgespräche beginnen und bis Ende des Monats die endgültigen Angebote vorliegen werden. Die Auftragsvergabe soll in der BAW-Sitzung am 24. Mai erfolgen. Abschließend teilte der Landrat mit, dass der Pachtvertrag zwischen dem AWB und der Stadt Gaggenau bis 31. Dezember 2023 verlängert worden sei.


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