Sieglinde Schneider ist 28 Mal Deutsche Meisterin im Sitzball

Bühl (wv) – Leistungsstark im Sport und für die Gesellschaft: Sieglinde Schneider ist 38 Jahre lang Vorsitzende des Behinderten-Sportvereins Bühl und 28 Mal Deutsche Meisterin im Sitzball gewesen.

Sieglinde Schneider ist eine der erfolgreichsten Sitzballerinnen im Bundesgebiet. Das Foto zeigt sie (Bildmitte) am Ball bei den Deutschen Meisterschaften, die der Behinderten-Sportverein Bühl 2018 in der Schwarzwaldhalle ausrichtete. Foto: Werner Vetter

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Sieglinde Schneider ist eine der erfolgreichsten Sitzballerinnen im Bundesgebiet. Das Foto zeigt sie (Bildmitte) am Ball bei den Deutschen Meisterschaften, die der Behinderten-Sportverein Bühl 2018 in der Schwarzwaldhalle ausrichtete. Foto: Werner Vetter

Es war im Oktober 1983, als Sieglinde Schneider gefragt worden war, ob sie als Interimslösung für zwei Jahre den Vorsitz des Behinderten-Sportvereins (BSV) Bühl übernehmen würde. Sie tat es! Wie sie sich dabei einsetzte, war für die Mitglieder so überzeugend, dass sie sie wieder und wieder wählten. Bis heute leitet sie den BSV, seit 38 Jahren also – und sie gehört zu den erfolgreichsten Sitzballsportlerinnen Deutschlands.

Als 1974 die allererste Deutsche Sitzball-Meisterschaft der Frauen stattfand, war Sieglinde Schneider als Spielerin dabei. Im Team der Versehrtensportgemeinschaft (VSG) Karlsruhe errang sie den Meistertitel. Es war der Anfang einer langen Erfolgsgeschichte: Die Bühlerin nahm an 42 Deutschen Meisterschaften teil, holte mit ihrem Team 28 Meistertitel, siebenmal Silber und dreimal Bronze, zuerst in der VSG und ab 1988 in der damals neu gegründeten Spielgemeinschaft Karlsruhe/Bühl.

Ihr Team schaffte mehrere Serien von DM-Titeln in Folge. Die Spitzenleistung: Ab 2001 war die SG Karlsruhe/Bühl Jahr um Jahr achtmal Deutscher Meister im Sitzball der Frauen.

Sieglinde Schneider zeigt großes Engagement. Foto: Werner Vetter

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Sieglinde Schneider zeigt großes Engagement. Foto: Werner Vetter

„Bei der Bühler Sportlerehrung wurden wir immer wieder als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet“, freut sich Sieglinde Schneider, „doch mein allergrößtes Erlebnis war die festliche Ehrung für unsere Sitzballsport-Erfolge durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Jahr 1985 in Bad Godesberg.“

Den Sitzball, eine dem Volleyball verwandte Sportart, hatte Schneider 1968 als Neunzehnjährige bei einer Kur in einem Sportsanatorium in Isny kennengelernt. Er ließ sie fortan nicht mehr los. Als die Bühlerin Lehramt an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe studierte, reihte sie sich dort ins Sitzballteam ein. 1972 qualifizierte sie sich zur Übungsleiterin. Sitzball-Teams bestehen aus jeweils fünf Spielerinnen. Schneider fing als „Mittelfrau“ an, hatte dann als „Schlagfrau“ und schließlich als Kapitänin gewichtigen Anteil am jahrzehntelangen Erfolg des Teams auf nationaler Ebene.

In der damaligen VSG Bühl hatte Sieglinde Schneider schon an Schwimmübungsabenden teilgenommen. Als in der Mitgliederversammlung 1983 im damaligen Gasthaus „Schützen“ (es stand am Ort des heutigen Nordtor-Kreisels) ein Kandidat erklärte, er habe erst in zwei Jahren Zeit den Vorsitz zu übernehmen, sprang Schneider in die Bresche. Sie blieb kein Lückenfüller: Sie wurde für den Verein ein wertvoller Mittelpunkt.

Im Juli wieder zur Vorsitzenden gewählt

Im März 1984 initiierte sie eine neue Satzung, und aus der Versehrtensportgemeinschaft wurde der „Behinderten-Sportverein Bühl 1958 e. V.“. Er entwickelte ein reges sportliches und geselliges Leben, veranstaltete weithin bekannte Sitzball-Turniere in der Weitenunger Rheintalhalle, nahm selbst an Turnieren in halb Deutschland teil. Die Schwimm-Übungsabende florierten ebenfalls. „Wir sind der Stadtverwaltung Bühl dankbar, dass jetzt ab September das Hallenbad erneut wieder montags eine Stunde für unsere Mitglieder reserviert ist“, sagt Schneider.

Unter ihrer Ägide erlebte der BSV Höhepunkte: 2008 gestaltete er seine 50-Jahr-Feier im Haus des Gastes in Bühlertal. 2018 richtete der BSV Bühl die Deutschen Sitzballmeisterschaften für Herren und Damen in der Schwarzwaldhalle aus, die mit einem Gala-Abend im Bürgerhaus Neuer Markt abschlossen. Für die sportliche Ausrichtung und den festlichen Ausklang habe ihr Verein viel Lob der aus ganz Deutschland angereisten Sitzball-Mannschaften geerntet, erinnert sich Schneider hochzufrieden.

Im Juli 2021 wählte die Mitgliederversammlung des BSV Bühl sie erneut zur Vorsitzenden. Dies werde definitiv ihre letzte Amtsperiode sein, legte Sieglinde Schneider vor der Wahl klar. Man kann die nun 72-Jährige gut verstehen, wenn man weiß, was sie in der häuslichen Pflege ihres Ehemanns rund um die Uhr leistet.

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Tragischer Unfall veränderte das Leben der Dreijährigen

Sieglinde Schneider kam als Kind von Alfred und Erna Bär im April 1949 in Bühl zur Welt. Der elterliche Blechnerei- und Installationsbetrieb war zunächst dort in der Hänferstraße angesiedelt, wo sie heute wieder lebt. Ein tragischer Unfall veränderte Schneiders Leben, als sie drei Jahre alt war. Sie befand sich mit ihrer Oma und ihrem Bruder auf dem Gehweg vor dem damaligen Gasthaus „Goldenes Kreuz“ in der Bühler Hauptstraße, als ein fehlgesteuerter Lastkraftwagen sie überfuhr. Wegen der Schwere der Verletzung wurde ihr ein Bein amputiert. Oberschenkelamputiert musste sie fortan mit einer Prothese klarkommen.

„Es ist, wie es ist. Man muss das Beste daraus machen“, das ist bis heute die Maxime Sieglinde Schneiders, auch wenn es um spätere Schicksalsschläge geht. Schon in der Jugendmacht sie das Beste daraus: Prothese hin oder her, nahm sie an den Bundesjugendspielen teil, turnte am Barren und sprang über den Bock. Ihre Sportlehrerin Christa „Panny“ Krauth gestand ihr viel später, dass sie immer mit Bammel zugesehen habe, wenn Sieglinde so furchtlos an den Geräten turnte. Sie entschied sich für den Beruf der Grund- und Hauptschullehrerin, unterrichtete zunächst drei Jahre in Karlsruhe-Weiherfeld und danach – von 1974 bis zur Pensionierung im Jahr 2008 – an der Bühler Aloys-Schreiber-Schule. 1977 heiratete sie Manfred Schneider, 1980 kam Sohn Urs zur Welt. Wöchentliches Training in der Turnhalle der Aloys-Schreiber-Schule, Teilnahme an Turnieren, Landes- und Bundesmeisterschaften, intensiv widmete sich Schneider dem Sitzball als Leistungssport. Auch als Breitensport habe dieser den Vorteil, dass Behinderte und Nichtbehinderte bestens in einem Team zusammenspielen können, betont sie. Dass der Sitzball wieder populärer wird und dass der BSV Bühl neue Mitglieder gewinnen kann, die aktiv mitspielen, ist Schneiders größter Wunsch.

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Erstellt:
5. September 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 40sec

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