Siegmund-Schultze steigt zum KSC-Präsidenten auf

Karlsruhe (red) – Holger Siegmund-Schultze ist mit klarer Mehrheit zum Präsidenten des Karlsruher SC gewählt worden. Seinen bisherigen Posten als Vize übernimmt Martin Müller.

Der neue Mann an der KSC-Spitze gibt schonmal die Richtung vor: Holger Siegmund-Schultze. Markus Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

Der neue Mann an der KSC-Spitze gibt schonmal die Richtung vor: Holger Siegmund-Schultze. Markus Gilliar/GES

Es war 20.50 Uhr als Sathia Lorenz die Frage des Donnerstagabends stellte, gerichtet war sie an Holger Siegmund-Schultze. „Herr Siegmund-Schultze, nehmen Sie die Wahl an?“, wollte der Leiter der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Karlsruher SC wissen. Der danach Gefragte gab seine Antwort in zwei Teilen: Erst trat Siegmund-Schultze von seinem Amt als Vizepräsident, das er seit gut dreieinhalb Jahren inne hat, zurück. Danach nahm er jenes des Präsidenten, zu dem er per Onlinewahl von den Mitgliedern des KSC gerade gewählt worden war, an.

Das Votum war ein eindeutiges: Mit 1 823 Stimmen (60,52 Prozent) wurde der 53-Jährige bereits im ersten Wahlgang zum neuen Vereinsboss gewählt. Die restlichen Stimmen verteilten sich auf Axel Kahn (395/13,11 Prozent), Inhaber einer Werbeagentur und eines Verlages sowie Netzwerker und Bruder der Torwartlegende Oliver Kahn, den Steinmauerner Unternehmer Kai Gruber (357/12,85 Prozent), den ehemaligen KSC-Profi und -Manager Rolf Dohmen (340/12,28 Prozent) sowie die Offenburger Polizeibeamtin Dorotheé Augustin, die es lediglich auf 67 Stimmen (2,2 Prozent) brachte und somit am Ende doch wie von vielen erwartet auf verlorenem Posten stand.

Das Ja zu Siegmund-Schultze machte automatisch eine zweite Wahl im Anschluss notwendig, schließlich hatte der KSC mit der ersten nicht nur einen neuen Präsidenten gewonnen, sondern auch einen seiner „Vize“ verloren, den es nun nachzuwählen galt. Erneut in den Ring stiegen dabei Dorotheé Augustin und Rolf Dohmen, neu hinzu kam der Karlsruher Unternehmer Martin Müller. Der war schon vergangenen Oktober bei der Präsidentenwahl noch knapp am damaligen und mittlerweile, Mitte Mai, unter Druck zurückgetretenen Präsidenten Ingo Wellenreuther gescheitert, diesmal bewarb sich der 57-Jährige als „Vize“ – und wurde ebenfalls im ersten Wahlgang und mit der dafür notwendigen absoluten Mehrheit gewählt. Müller vereinte 1 834 Stimmen (67,9 Prozent) auf sich, Dohmen lediglich 725 (25,94 Prozent), Augustin war mit 165 Stimmen (6,11 Prozent) erneut abgeschlagen.

Persönliche Angriffe bleiben aus

Dafür, dass sich sechs Kandidaten für zwei Präsidentschaftsämter zu Verfügung gestellt hatten, ging der Abend erstaunlich ruhig und sachlich über die Bühne. Persönliche Angriffe blieben jedenfalls aus. Das dürfte zum einen damit zu tun gehabt haben, dass die Wahl online – die Bewerber saßen in einem improvisierten TV-Studio eines Karlsruher IT-Unternehmens – stattfand, was das Hochkochen von Emotionen auch unter den Mitgliedern von ganz alleine verhinderte. Zum anderen ähnelten sich die Programme, zumindest jene der fünf Präsidentschaftskandidaten, im Kern doch ziemlich. Größere Angriffsflächen boten sie allesamt nicht. Das war schon auf diversen Informationsveranstaltungen im Vorfeld der Wahl deutlich geworden. Nicht anders war es gestern, zumal die vor den Wahlgängen gezeigten Vorstellungsvideos der Bewerber bereits am 10. Juli aufgezeichnet und seit dem 16. Juli auf der Homepage des Vereins zu sehen waren.

Bekannte Schlagwörter

Die wirtschaftliche Konsolidierung sowie die sportliche Stabilisierung hatten sich alle fünf Kandidaten ziemlich groß auf die Fahne geschrieben. Auch Schlagwörter wie Sponsorenpflege, Markenstärkung, Forcierung der Aktienverkäufe, um das Eigenkapital zu erhöhen, fehlten, meist nur um Nuancen verändert, in keinem der Videos. Auch was den zu erwartenden Führungsstil anbelangt, zeigten sich die Fünf fast wie aus einem Holz geschnitzt, jenem des für Transparenz, Offenheit, Kommunikation, Vertrauen und Menschlichkeit stehenden Teamplayers.

Was die sportlichen Dinge anbelangt, war die Einigkeit zumindest so groß nicht. Zwar sprachen sich alle Kandidaten, für einen Ausbau der Jugendarbeit aus, die beim KSC schließlich schon immer einen hohen Stellenwert gehabt habe. Geteilte Meinung herrschte freilich bei der Frage, ob der Verein eine Art externes Beratungsgremium für sportliche Themen, etwa bei zu tätigenden Transfers, benötigt. Während Augustin, Siegmund-Schultze, Gruber und später auch Müller angaben, Experten von außen einbinden zu wollen, taten Kahn und Dohmen kund, auf diese verzichten zu können, nicht zuletzt, weil sie selbst über ausreichend Fußballkompetenz verfügen.

Viel Einhelliges, wenig Neues

Auch in der sich der Videopräsentation anschließenden Fragerunde gab es viel Einhelliges, wirklich Neues war indes auch hier nicht zu hören. Die meisten Fragen – Wie kann man die Talente im Wildpark halten? Wie kann man den KSC sportlich und wirtschaftlich wieder erfolgreich machen? Wie kann man das Verhältnis zur Stadt verbessern? Wird die abgemeldete U-23 reaktiviert? – waren schon auf einer der Infoveranstaltungen im Vorfeld der Wahl gestellt worden, auch die Antworten hat man entsprechend zum Großteil schon gehört.

Der große Überraschungsmoment, die große Knallerfrage, die die Wählergunst im letzten Moment auf die Seite eines Kandidaten zieht oder auch von ihm weg, blieb indes aus. Lediglich Martin Müller wurde, wie er selbst bemerkte, zwischenzeitlich etwas härter und nachdrücklicher befragt, was man durchaus als Zeichen werten darf, dass er von einem Teil der Mitglieder mit einer gewissen Skepsis gesehen wird. Die Mehrheit freilich wählte ihn dennoch.


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