Sind bunte Tätowierungen bald Vergangenheit?

Brüssel/Helsinki/Baden-Baden (stn/dpa) – Die EU-Staaten wollen über ein Verbot der Farbpigmente Blue 15 und Green 7, die in zwei Dritteln aller Tätowierfarben enthalten sind, beraten. Tätowierer, auch aus Baden-Baden und Karlsruhe, wollen das Verbot durch eine Petition abwenden.

Zwei Farbpigmente könnten bald verboten werden. Gegen diese Forderung der Europäischen Chemikalienagentur formiert sich in der Tattoo-Szene Widerstand. Foto: Skolimowska/dpa

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Zwei Farbpigmente könnten bald verboten werden. Gegen diese Forderung der Europäischen Chemikalienagentur formiert sich in der Tattoo-Szene Widerstand. Foto: Skolimowska/dpa

Die Tattoo-Szene schlägt Alarm: „Sollte es zu einem Verbot kommen, werden über 60 Prozent der Farbmotive zumindest offiziell nicht mehr möglich sein“, sagt Tätowierer Jörn Elsenbruch aus Nordrhein-Westfalen. Aus seiner Sicht ist das Verbot unsinnig. Dass die Farbpigmente gesundheitsschädlich sind, sei wissenschaftlich nicht bewiesen. „In 25 Jahren habe ich nicht ein schwerwiegendes Problem mit den Pigmenten erlebt“, so Elsenbruch.

Dass die zwei Pigmente verboten werden sollen, stößt auch bei Tattoostudiobetreibern in Baden-Baden und Karlsruhe auf Unverständnis. „Grün und blau sind Grundfarben“, erklärt Anett Schmidt von „Atomic-Tattoo“ in Baden-Baden. „Man kann sie nicht aus anderen Farben mischen. Wenn die beiden Pigmente verboten werden, können wir nur noch schwarze und weiße Tattoos stechen.“

Allerdings bezweifelt sie, dass sich alle Tätowierer an das Verbot halten würden. Stattdessen würden sie sich die Farben aus dem Ausland besorgen, ist sie sich sicher. „Farben, die in Deutschland dann nicht zugelassen wären.“ Diesen Standpunkt vertritt auch René Schwenke, Inhaber von „Tattoo Art“ in Karlsruhe. „Ein Verbot wäre sehr bedenklich und die Auswirkungen nicht zu kontrollieren. Tätowierer müssten sich die Farbe dann aus Nicht-EU-Ländern beschaffen. Seit Jahren versuchen wir mehr Transparenz in dieses Thema zu bringen.“ Durch ein Verbot würden diese Bemühungen zunichte gemacht.

Online-Petition soll Verbot verhindern

Die bedenklichen Substanzen sind laut einer entsprechenden EU-Regulierung bereits in Kosmetika tabu. Die ECHA-Position ist klar: Was nicht auf der Haut verwendet werden darf, dürfe auch nicht unter der Haut verwendet werden. Im konkreten Fall von Blue 15 und Green 7 geht es der Behörde um zwei Dinge: Zum einen hängen die Bedenken mit dem Blasenkrebsrisiko der Stoffe zusammen, zum anderen ist ein Ausschuss der ECHA zu der Einschätzung gekommen, dass die Informationen über die Pigmente unzureichend seien, um einen sicheren Gebrauch zu garantieren. Argumente, die aus Sicht vieler Tätowierer kein Verbot rechtfertigen. Bis morgen läuft eine von Elsenbruch initiierte Online-Petition unter dem Titel #tattoofarbenretten. Mehr als 146000 Unterstützende hat er bereits überzeugt.

Das bedeutet, dass der Petitionsausschuss des Bundestags in einem ersten Schritt über die Forderungen der Unterzeichner beraten wird. „Wir fordern von Bundesregierung und Bundestag, ein EU-Verbot abzuwenden“, sagt Elsenbruch.

Der ECHA geht es laut eigenen Angaben vor allem um das Wohl der Bürgerinnen und Bürger. „Weder die Kommission noch die ECHA schlägt vor, Tätowierungen oder Tattoo-Farben zu verbieten oder auch nur blaue und grüne Farben in Tattoos zu verbieten“, teilte ein ECHA-Sprecher mit. „Unser Ziel ist es, das Tätowieren sicherer für den Verbraucher zu machen.“

Kurzfristig muss die Tattoo-Szene auf Green 7 und Blue 15 aber keinesfalls verzichten. Bevor das Verbot greift, soll es eine mehrjährige Übergangsfrist geben, um Alternativen für die beiden Pigmente zu finden. Doch Schmidt und Schwenke sind sich beide sicher: „Eine Alternative gibt es nicht.“

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Erstellt:
15. Februar 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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