Singen und Blasmusik sollen in Schulen zurück

Stuttgart (bjhw) – Der Rastatter CDU-Abgeordnete Alexander Becker fordert im Landtag eine „behutsame Öffnung“ der Schulen für den Musikunterricht. Weiterhin gelte aber: „Im Zweifel für die Vorsicht.“

Die Wiener Philharmoniker haben es testen lassen: Von Blechbläsern geht kaum Gefahr aus. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

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Die Wiener Philharmoniker haben es testen lassen: Von Blechbläsern geht kaum Gefahr aus. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

Große internationale Orchester treten wieder auf, Kirchen- und andere Chöre ebenfalls, nach den Sommerferien könnten Gesang und Blasmusik auch ihren Platz in den Schulen des Landes zurückerobern.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kann sich bei entsprechender Entwicklung der Corona-Zahlen und entgegen ihren ursprünglichen Planungen weitere Lockerungen im Musikunterricht selbst in geschlossenen Räumen vorstellen: bei ausreichend Abstand und in begrenzten Gruppen. Im August sollen konkrete Vorgaben vorliegen.

„Ich stehe heute als Lobbyist der Musik in Baden-Württemberg vor Ihnen“: Alexander Becker ist nicht nur Rastatter CDU-Landtagsabgeordneter, er ist auch Musikwissenschaftler und nutzte die aktuelle Debatte des Parlaments für ein Plädoyer für sein Genre. Vehement forderte er eine „behutsame Öffnung“, auch wenn weiter dieses Leitmotiv gelten müsse: „Im Zweifel für die Vorsicht.“

Längst liegen zahlreiche Untersuchungen vor. Die Wiener Philharmoniker haben zum Beispiel testen lassen – mit der Erkenntnis, dass selbst von Blechbläsern kaum Gefahr ausgeht.

Abstand halten und lüften

Manfred Kern (Grüne) verwies auf das Freiburger Institut für Musikermedizin, das sowohl die Luftbewegung bei Sängerinnen und Sängern als auch bei verschiedenen Blasinstrumenten gemessen hat. Es rate zu einem Mindestabstand von zwei Metern. „Bieten die Klassenzimmer oder Musiksäle der Schulen nicht die hierfür erforderliche Größe, kann man möglicherweise in die Schulaula oder in die Sporthalle ausweichen“, empfiehlt Kern, der ebenfalls leidenschaftlicher Musiker ist. Sabine Wölfle, die SPD-Fraktionsvize, empfahl Abstand halten und Lüften. Für die FDP drängte Jochen Haußmann auf Lockerungen und zitierte den Ulmer Hirnforscher Professor Manfred Spitzer: „Musik macht die Menschen schlauer“.

Kirchliche und weltliche Chorverbände im ganzen Land, aber auch die Opposition hatten vor allem gegen das geplante Gesangsverbot an Schulen protestiert. Singen in Räumen hatte allerdings im März und April für zahlreiche Corona-Hotspots republikweit gesorgt. Eisenmann will deshalb die Ergebnisse weiterer Untersuchungen abwarten und erinnerte daran, dass gerade das Freiburger Institut im Mai noch von sieben Metern ausgegangen sei, später fünf. „Das ist kein Vorwurf“, so die Ministerin, „aber es ist eine Entwicklung“. Deshalb wolle sie bis zur endgültigen Entscheidung noch drei, vier Wochen unter anderem auf neue Tests der Universität Erlangen warten. Zahlreiche Fragen sind noch unbeantwortet, etwa was geschehen soll, wenn nach Einschätzung der Wissenschaftler nur 20 Jugendliche gemeinsam musizieren dürften, in einer Bläserklasse aber 23 oder mehr Schüler sitzen. Dies alles sei „sehr engmaschig zu prüfen“, weil keiner wolle, dass es für Gesang und Blasmusik keinen Platz in den Schulen gibt.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
22. Juli 2020, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 15sec

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