Singer-Songwriter finden auch in der Krise Inspiration

Mannheim (sr) – Die Popakademie in Mannheim ist für viele junge Musiker das heiß ersehnte Sprungbrett: Während der Corona-Pandemie wird von ihnen viel Eigeninitiative gefordert.

Studium ist zurzeit eine einsame Sache: Gemeinsames Musizieren ist auch an der Popakademie in Mannheim nicht erlaubt, solange die Corona-Krise andauert. Foto: Uwe Anspach/dpa.

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Studium ist zurzeit eine einsame Sache: Gemeinsames Musizieren ist auch an der Popakademie in Mannheim nicht erlaubt, solange die Corona-Krise andauert. Foto: Uwe Anspach/dpa.

Flexibel reagieren, sich aktuellen Veränderungen anpassen, neue Ideen aufgreifen – das heißt heute Change Management und steht zum Beispiel an der Mannheimer Popakademie auf dem Lehrplan. Christopher Hastrich hat diese theoretische Erfahrung gleich praktisch umsetzen können, denn mit Beginn des Corona-Stillstands musste sich der Singer-Songwriter auf viele Veränderungen einlassen. Er stand wie alle Kommilitonen vor geschlossenen Hörsälen, Studios und Proberäumen. Für Musikstudierende ist die aktuelle Situation herausfordernd: Keine Auftritte mehr, kein Feedback vom Publikum, keine gemeinsamen Projekte, bei denen man sich gegenseitig inspiriert und voranbringt. Das ganze Studium ist reduziert auf die eigenen vier Wände und den Computer.

„Da fehlt einfach eine Energieebene“, so beschreibt Hastrich seine momentane Situation. Die theoretischen Fächer werden an der Popakademie wie an vielen anderen Unis auch über die Internetplattform Zoom abgewickelt. Der Instrumentalunterricht – bei Christopher Hastrich ist es Klavier – findet über Kamera und Internet zu Hause statt. Die Proberäume der Akademie kann man zurzeit nur alleine nutzen. Und Zusammenspielen geht über eine Internet-Plattform nur begrenzt.

Soziale Medien ersetzen das Publikum

„Es ist definitiv eine Zeit mit vielen Nachteilen“, fasst Hastrich die aktuelle Situation zusammen, aber wie immer öffnen sich dadurch auch neue Türen. Für ihn, der am liebsten live auf der Bühne steht und im direkten Kontakt mit dem Publikum agiert, spielten die sozialen Medien bisher keine große Rolle. „Mir hat die Infrastruktur gefehlt, das musste ich erst komplett neu aufbauen“, erzählt er im BT-Gespräch. Und er macht sich Gedanken, wie man jetzt Geld verdienen kann.

Auf den „Online-Bereich mit Streaming und so stürzen sich jetzt alle, und für die Konzerte wird man meistens nicht bezahlt, weil ja alles ohne Tickets läuft. Das ist ein herber Nachteil“, so Christopher Hastrich, der sein aktuelles Musikprojekt „thiel“ nennt. Man müsse jetzt „in einem leeren Raum alles geben“ – dass das enorm Kraft kostet, versteht auch der musikalische Laie.

Die Arbeitslast hat sich erhöht

Das ist auch Teil seiner Ausbildung: „Uns wird hier immer eingetrichtert, dass es keine festen Konstanten gibt, dass man immer neue Wege finden muss.“ Das Neue ist aber gar nicht das Problem. Was Christopher Hastrich schwieriger findet, ist die Arbeitslast, die sich ganz enorm erhöht habe durch die Corona-Krise. „Gleichzeitig zu den ganzen Herausforderungen geht ja das Studium weiter, wir arbeiten Vollzeit an der Popakademie – also mit den guten Ratschlägen, man solle mal auf dem Feld arbeiten und dort Geld verdienen, das ist gar nicht machbar“, sagt er. „Wenn wir aufhören, an uns zu arbeiten und Lieder zu schreiben und zu üben und zu proben – dann sind wir ganz schnell raus aus dem Spiel.“

Hastrich will top vorbereitet sein, wenn es irgendwann wieder Möglichkeiten für Auftritte gibt. „Als Musikstudierender braucht man neben der ganzen Uniarbeit viel Eigeninitiative, um voranzukommen, das steht nicht auf dem Lehrplan. Also in meinem Fall heißt das, ich weiß, dass ich auch Musik aufnehmen und sie veröffentlichen muss“.

Die jungen Popmusiker produzieren jetzt alle Aufnahmen zu Hause, „das reicht für unsere Zwecke“, aber es geht ihnen auf Dauer die Auftrittsroutine verloren. Christopher Hastrich vermutet, dass er schon eine Weile brauchen wird, „um wieder reinzukommen. Das beginnt schon bei der Kondition, die man für ein Konzert braucht. Und dann soll die Performance ja auch emotional überzeugen. „Die Seele blutet jetzt, das ist das große Problem, weil uns die Bühne fehlt“, sagt er.

Viel Lob für die Dozenten

Emma Thomas fehlt die Musik auch, denn sie singt gerne – aber ihr Studium ist doch rein theoretisch, sie hat den Studienzweig Musikbusiness belegt. Damit kann sie später im Management arbeiten, bei einem Plattenunternehmen oder in einer Agentur. „Viele starten auch als Entdecker von neuen Talenten“, erklärt sie. In ihrem Fachbereich wird nicht erwartet, dass sie ein Instrument spielt, aber Emma liebt Songwriting und schreibt gerne mal gemeinsam mit anderen einen Song – „aber nicht für mich“. Zurzeit ist ihre Wohnung in Mannheim verwaist, „ich bin zu Hause bei meinen Eltern in Ladenburg, mir fehlen sonst die sozialen Kontakte“, sagt sie.

Organisatorisch läuft ihr Studium ganz normal weiter, „das ist alles super organisiert“. Aber die soziale Interaktion ist auch für Emma Thomas die große Leerstelle in diesen Tagen. „Ich arbeite auch in der Gruppe an einem Uni-Projekt. Aber wenn sich alle nur auf dem Bildschirm sehen, bleibt die Kreativität schon auf der Strecke, finde ich“.

Emma Thomas und Christopher Hastrich haben gerade gemeinsam ein Video über eine virtuelle Tour durch die Mannheimer Popakademie gedreht. Damit stellen sie ihre Hochschule künftigen Studierenden vor. Das Video wird beim digitalen Infotag am Samstag, 6. Februar, von 15 bis 18 Uhr zu sehen sein. Für die Verantwortlichen der Popakademie haben sowohl Emma Thomas als auch Chris Hastrich nur lobende Worte. Beide fühlen sich sehr unterstützt von den Lehrkräften und allen Mitarbeitern, die „enorm viel Energie dafür aufwenden, dass der Unterricht normal weitergeht“.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
2. Februar 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 36sec

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