Sinzheimer ist Deutscher Meister im Bodybuildung

Baden-Baden/Sinzheim (nie) – „Nicht aufgeben“, lautet sein Credo. Nach „harten“ Jugendjahren in der Ukraine ist Slava Vulvin Deutscher Meister im „Classic Bodybuilding“ der Organisation Nabba.

Gold und Silber für den Bodybuilder: Slava Vulvin mit den Pokalen der deutschen Meisterschaft. Foto: Nina Ernst

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Gold und Silber für den Bodybuilder: Slava Vulvin mit den Pokalen der deutschen Meisterschaft. Foto: Nina Ernst

Und außerdem als Vize-Deutscher-Meister der World-Fitness-Federation in der Kategorie „Men’s Performance“. Beide Wettbewerbe fanden Mitte Juni in der Nähe von Freudenstadt statt. Also eine relativ kurze Anreise für den 37-Jährigen, der in Sinzheim mit Frau und Tochter lebt und in Baden-Baden im Fitnessstudio arbeitet. Umso länger und beschwerlicher war gleichsam aber der Weg auf das Treppchen, wie er beschreibt. Mit dem Ziel „ich gehe dahin, um zu gewinnen“, habe er im Januar mit der Vorbereitung begonnen. Fünf bis sieben Tage die Woche habe er teilweise auch zwei Mal am Tag trainiert. Morgens die Cardio-Einheit auch mal bei sich zu Hause, abends dann Kraft-Einheiten im Studio „The Legend“. Und auch die „Ernährung spielte eine große Rolle“. Schließlich geht es beim Bodybuilding in den beiden Kategorien darum, eine bestimmte Muskelmasse, eine klare Muskeldefinition und wenig Körperfettanteil vorweisen zu können. „Beim ,Classic Bodybuilding‘ muss die Muskulatur hart und trocken sein“, erklärt Vulvin.

Nach vielen Versuchen endlich auf dem Treppchen angekommen

Auf der Wettbewerbsbühne gehe es dann darum, seinen Körper mit bestimmten Choreografien in Szene zu setzen: „Das ist harte Arbeit“, blickt der Sportler zurück. Dabei gebe es „Pflichtposen“, die alle Teilnehmer zeigen müssten, und zusätzlich habe jeder noch „sein eigenes Ding“ machen dürfen. Mit seiner Präsentation hat der ausgebildete Ernährungscoach und medizinische Fitnesstrainer die Jury überzeugt. In dem Moment, als die Platzierungen bekannt gegeben wurden, habe er es „einfach nicht verstanden“: „Es war so emotional!“ Denn nicht immer stand er oben auf dem Treppchen: Schon 2012, 2015 und 2017 war er bei den deutschen Meisterschaften angetreten – und 2012 habe es für ihn noch nicht einmal unter die Top-10 gereicht. Aber Vulvin, der auch als selbstständiger Trainer unterwegs ist, hat eben nicht aufgegeben – sondern weitergekämpft. Umso dankbarer ist er vor allem seiner Frau Tanja, die ihn „betreut hat wie ein kleines Kind“, seinen Arbeitgebern und seinem Orthopäden im Medical-Center für die Unterstützung. Als Deutscher Meister dufte er dann Anfang Juli beim Qualifikationsturnier für Mr. Universum in Köln teilnehmen und belegte den sechsten Platz.

Kraftsport hat sein Leben verändert

Dass der eher ruhige Vulvin eines Tages solche Erfolge verzeichnen kann, hat sich laut seinen eigenen Worten nicht immer abgezeichnet: Er sei als Kind und Jugendlicher sehr untergewichtig gewesen, habe an Herzproblemen, Depressionen sowie ADHS gelitten und habe mit Schwierigkeiten in der Schule zu kämpfen gehabt. Mit 14 Jahren dann sei er über einen Freund zum Kraftsport gekommen – und nie wieder davon weg. Auch nicht in der neuen Heimat: Als Kontingentflüchtlinge seien er und seine Familie als Juden 2002 nach Deutschland gekommen, und hier habe er „von Null anfangen“ müssen. Nach Jobs in der Gebäudereinigung, beim Blutspendedienst und am Band in der Autoindustrie ist Slava Vulvin heute dort angekommen, wo er sein möchte: Er möchte nicht nur oben auf dem Treppchen stehen, sondern auch Inspiration für andere Menschen sein und ihnen durch sein vielschichtiges Wissen im Gesundheitsbereich helfen. Er ist überzeugt: „Sport ist besser als jede Tablette.“

www.ptsv.de

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
20. Juli 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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