Sinzheimer schreibt Buch über sein Leben mit Behinderung

Sinzheim (nie) – Der Sinzheimer Richard Pfund lebt seit seiner Geburt mit infantiler Cerebralparese: Er sucht schon länger nach Arbeit und hat jetzt ein Buch über sein Leben geschrieben.

Hat fast immer ein Lächeln auf den Lippen: Richard Pfund sprüht vor positiver Lebensenergie. Foto: Richard Pfund

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Hat fast immer ein Lächeln auf den Lippen: Richard Pfund sprüht vor positiver Lebensenergie. Foto: Richard Pfund

Wenn Richard Pfund lacht, kann er nicht so schnell wieder damit aufhören. Der 27-Jährige hat Spaß am Leben, macht oft Witze – gerne über sich selbst. Doch er kann auch nachdenklich, still und verträumt sein. Um eine seiner Vorstellungen Wirklichkeit werden zu lassen, würde er einiges geben, „doch die Leute sagen, ich bin nicht wirtschaftlich“.

Nicht nur einmal muss der Sinzheimer diese Worte über sich ergehen lassen, wenn er nach einer Arbeitsstelle sucht. „Die meisten sehen, dass ich schlau bin“, erzählt er stolz. Dann zuckt er mit der Schulter: „Aber vielen bin ich nicht schnell genug. Ich kann eben nicht so wie andere.“

Als Pfund auf die Welt kommt, ist er nicht gesund. Er leidet unter infantiler Cerebralparese, eine bleibende Störung des Haltungs- und Bewegungsapparates, die ihn in seinem Leben körperlich oft einschränkt.

Wunsch: von zuhause aus arbeiten

„Meine Muskeln sind immer vorangespannt, was auch tagesabhängig ist“, erklärt Pfund. Um sich bewegen zu können, müsse er gegen eben diese Anspannung ankämpfen: „Es fühlt sich an, als hättest du Gewichte an den Armen und den Beinen.“

Deshalb wird der Sinzheimer schnell müde, wenn er sich körperlich anstrengen muss: „Das ist auch der Grund, warum ich bisher keine Arbeit gefunden habe oder es nicht funktioniert hat bei diversen Praktika.“ Denn bisher seien alle der Meinung gewesen, „dass ich nicht körperlich genug belastbar bin, um 100 Prozent“ erfüllen zu können. Pfund kann das in Ansätzen verstehen, will aber trotzdem nicht tatenlos daheim bleiben und nichts tun: „Deswegen wäre es gut, wenn ich kleine Arbeiten von zu Hause erledigen könnte, damit ich meine Kräfte einteilen kann.“

Zu Hause, das bedeutet für Richard Pfund Familie. Zusammen mit seinen Eltern und seiner Zwillingsschwester wohnt er in Sinzheim. Im Frühling jedoch steht eine große Veränderung an: Dann will Pfund nach Baden-Baden ziehen, um mit Assistenz, sprich Unterstützung, zu wohnen.

Hilfe bekommt Richard Pfund übrigens heute schon von Joachim Presch. „Ich begleite Richard schon seit einigen Jahren“, erzählt dieser im Gespräch. Und das mit Stolz: „Er ist ein unglaublich schlaues Köpfchen. Wir haben jeden Tag viel Spaß miteinander.“ Ihre Lieblingsbeschäftigung: „Auf einer Bank sitzen und Leute beobachten.“ Nicht, weil sie respektlos sein wollen, sondern „weil man das Leben auch mit einer großen Portion Humor sehen soll“.

Humor, das steht für Pfund ganz oben auf der Prioritätenliste. Gepaart mit seiner Leidenschaft, dem Schreiben, ist dabei schon Großes entstanden: In seinem Buch „Hurra, ich bin da“ erzählt der Sinzheimer von Ferienfreizeiten, seinem Leben im Internat, Missverständnissen und Menschen, die denken, eine Behinderung könne anstecken. Und so viel sei inhaltlich außerdem verraten: Auch für Menschen, bei denen nicht alles „normal“ abläuft, spielt Erotik eine große Rolle.

Eines kommt in seinem Buch – wie auch in seinem Leben – nicht zu kurz: Eine große Portion Humor: „Schon in der Grundschule musste meine Lehrerin aufpassen, dass sie sich nicht auf ein Pups-Kissen oder allerlei Plastiktiger setzt.“

Noch keinen Verlag gefunden

Beim Schreiben der 23 Kapitel hat Pfund von Presch Unterstützung bekommen: „Richard hat mir erzählt, was ihm in den Kopf geflogen kam – und ich bin teilweise gar nicht mehr hinterhergekommen, so schnell war er.“ Und obwohl die vielen Seiten einige Überraschungen bereit halten, haben Pfund und Presch bisher noch keinen Verlag gefunden. „Das ist mein Traum“, schwärmt der Sinzheimer – der zeitgleich auch die Suche nach einem passenden Job nicht aufgibt. Derzeit plane er gemeinsam mit seinem Assistenten eine Lesereise, die Lust auf mehr machen soll.

Richard Pfund: „Ich möchte einfach meine Geschichte erzählen und zeigen, dass Humor auch dann geht, wenn man sein Leben nicht wie andere verbringen kann.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
8. Februar 2022, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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