Skaten frühestens im Sommer 2022

Elchesheim-Illingen (HH) – Für den Baustopp an der Skateranlage Elchesheim-Illingen nimmt der Bürgermeister die Schuld auf sich. Doch im Rat gibt es auch Vorwürfe an die protestierenden Anwohner.

Bis auf Weiteres geschlossen: Auf der Skater-Anlage an der Waldstraße kommt so schnell nichts ins Rollen. Foto: Helmut Heck

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Bis auf Weiteres geschlossen: Auf der Skater-Anlage an der Waldstraße kommt so schnell nichts ins Rollen. Foto: Helmut Heck

Es sei „ein großer Fehler“ passiert, gab sich Bürgermeister Rolf Spiegelhalder in der jüngsten Ratssitzung zerknirscht über das Versäumnis, für die Errichtung der Skateranlage auf dem Hartplatz in Elchesheim einen Bauantrag einzureichen (das BT berichtete). Er übernehme „alleine“ die Verantwortung dafür und entschuldige sich „in aller Form“ bei den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien, die auf die Freigabe gewartet hätten.

Bis zur Inbetriebnahme werde es nun noch ein halbes oder dreiviertel Jahr dauern, erklärte das Ortsoberhaupt. Da die Anlage seit Jahrzehnten in Illingen auf einem ausgewiesenen Sport- und Freizeitgelände gestanden habe, sei man davon ausgegangen, dass ihre Umsetzung an die Waldstraße keiner Genehmigung bedürfe, weil es sich dort ebenfalls um einen im Flächennutzungsplan eingetragenen Sport- und Freizeitbereich handele, erklärte Spiegelhalder.

Bewusst geworden ist man sich des Missgeschicks offenbar erst durch den Protest von Anwohnern. Spiegelhalder berichtete von Anwaltsschreiben, die im Namen von zwei Personen das Rathaus erreicht hätten. Man befürchte „Lärmemissionen“.

Bebauungsplan soll es „heilen“

Was nun? Wie der Bürgermeister im Gemeinderat verkündete, soll das Problem durch Einfügung des Hartplatzes in den Bebauungsplan für das geplante Wohngebiet „Bachstück“ behoben werden. „Fehler passieren“, gestand Dieter Link (ABL) zu. Man könne aber für einen Standortwechsel keinen „Altanlagenbonus“ geltend machen, nur weil etwas schon Jahrzehnte irgendwo anders existiert habe. Es hätte eine richtige Planung unter Beachtung gesetzlicher Vorhaben geben müssen. Es vergingen etliche Wortmeldungen, bis ein weiteres Mal Kritik am bisherigen Vorgehen geübt wurde. „Wir, die wir die Plätze aussuchen, müssen auch prüfen, ob sie möglich sind“, ließ Silke Kieser (EIL) Unbehagen über die eigene Leichtfertigkeit erkennen. Es solle eine Lehre für die Zukunft sein. Sie sei über den Lauf der Dinge „mehr als unglücklich“, vor allem weil Kinder die Leidtragenden seien.

Vorhaltungen an Dieter Link

Nachdenklichkeit war von anderen nicht zu vernehmen. Die meisten Kommentare zielten in eine andere Richtung. Schon der Bürgermeister hatte seinem einleitenden Schuldbekenntnis Vorwürfe an die Urheber der Einsprüche folgen lassen. Es handele sich um Anwohner, die in Nachbarschaft zu Festhalle und Sportplatz seit 40 Jahren mit Veranstaltungen lebten. Er könne „nicht nachvollziehen“, dass diese sich nicht persönlich an ihn gewandt hätten, kritisierte Spiegelhalder.

Otto Heck (EIL) blickte über das Baurecht hinweg, um mit dem Spruch „wo kein Kläger, da kein Richter“ die Verantwortung den Anwohnern anzulasten. Einige Vorhaltungen richteten sich direkt oder indirekt an Link, der Vorsitzender des FV Rot-Weiß ist, der mit der Gemeinde um die zukünftige Sportstätte ringt (das BT berichtete) – und dessen Bruder Michael Link einer der Anwohner der Waldstraße ist, die sich nun wehren.

Heck etwa erinnerte Link daran, dass dieser bei den Entscheidungen zur Skater-Anlage beteiligt gewesen sei. Monika Balthazaar (CDU) fand es „unfair“, dass der Sportstätten-Konflikt nun „auf eine persönliche Ebene“ getragen worden sei. Franziska Götz (CDU) monierte einen „Beigeschmack“. Albert Kottler (CDU) sah in den jüngsten Vorgängen ein „übles Nachkarten“ für den vor Gericht mit der Gemeinde verabredeten Vergleich zur Sportstättenfrage. Dieter Link versuchte, sich mit der Feststellung zu verteidigen, er habe immer, aber vergeblich, auf eine Gesamtplanung gedrängt.

Hoffen auf frühere Genehmigung

Wie geht es nun weiter in Sachen Skateranlage? Nach Auskunft der Baurechtsbehörde im Landratsamt auf BT-Anfrage hieß es, um zur Genehmigung zu gelangen müssten im ersten Schritt die bau- und planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, wie es die Gemeinde mit der Einbindung in den Bebauungsplan „Bachstück“ vorhabe. Im Planverfahren würden dann mit dem Vorhaben verbundenen Konflikte abgearbeitet, etwa die Lärmproblematik. Mit Abschluss des Bebauungsplans könne der eigentliche Bauantrag eingereicht werden.

Zu der nach aller Erfahrung unrealistischen Annahme Spiegelhalders, die Skateranlage bis nächsten Sommer in Betrieb nehmen zu können, ließ der Bürgermeister auf Nachfrage wissen, er wolle versuchen, die Erlaubnis dafür so bald wie möglich „im Vorgriff“ auf die endgültige Genehmigung zu bekommen. Dieses Bestreben, so fügte er jedoch an, sei „viel mit Hoffnung unterlegt“.

Bebauungsplan soll erweitert werden

Skateranlage, Mehrgenerationenpark und ein Kindergarten – die Planungen im Bereich „Bachstück“ werden immer umfänglicher. Wie sollen diese Überlegungen mit dem Planverfahren für den Skaterplatz unter einen Hut gebracht werden? Bürgermeister Rolf Spiegelhalder antwortet auf die entsprechende BT-Anfrage: Das Projekt werde in die nun einzuleitende Erweiterung des „Bachstück“-Bebauungsplans „eingepackt“, der ursprünglich nur ein Wohngebiet auf und neben dem Sportplatz in der Waldstraße ermöglichen sollte.

Durch eine Aussage Spiegelhalders im Gerichtsverfahren mit dem Rot-Weiß wurde zudem die Absicht bekannt, auf dem verwilderten ehemaligen Bolzplatz vis-a-vis vom Hartplatz einen Kindergarten zu bauen. Spiegelhalder bestätigt nun auf BT-Anfrage, dass bereits Planungen dafür existierten. Das Gelände sei in Gemeindebesitz. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, betonte er. Auch dieses Vorhaben wolle man im Bebauungsplan Bachstück verankern. Darüber hinaus gab er an, dass der Braungießenweg in eine ordentliche Straße umgewandelt werden müsse.

Festhalle nicht in Gefahr

Und dann gab es noch das Rätsel zu klären, wie junge Fahrkünstler auf Rollen auf das Skater-Viereck gelangen sollen, das als Asphaltinsel inmitten in einer Sandwüste ruht. Bei Regen staut sich Wasser, wie in der vorvergangenen Woche zu sehen war. „Selbstverständlich“ sei eine „Zuwegung“ vorgesehen, versicherte der Bürgermeister, der in der Ratssitzung am Montag noch erklärt hatte, die Anlage hätte in Betrieb gehen können.

Eine Sorge wenigstens, die in der Gemeinderatssitzung am Montag aufblitzte, hat sich als grundlos herausgestellt. Otto Heck (EIL) fiel beim Thema Lärmschutz „das Herz in die Hose“. Er fragte, ob dadurch auch die Nutzung der im Geltungsbereich des Bebauungsplans liegenden Festhalle in Gefahr geraten könnte. „Ja, selbstverständlich“, antwortete Spiegelhalder. Die Baurechtsbehörde im Landratsamt allerdings erklärte gegenüber dem BT, dass der Betrieb der Festhalle Bestandschutz genieße – es sei denn, der Zuschnitt der Veranstaltungen würde sich erheblich ändern.


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