Skisprungnachwuchs aus Gernsbach im Stützpunkttraining

Gernsbach (vgk) – Drei Jungen aus Gernsbach gelten als hoffnungsvolle Talente im Skispringen. Sie trainieren beim SV Baiersbronn und haben schon einige Erfolge vorzuweisen.

Schule, Trainingslager, Wettkämpfe: Theo und Frederick Adam sowie Silas Mörmann (von links) haben einen eng getakteten Zeitplan. Foto: privat

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Schule, Trainingslager, Wettkämpfe: Theo und Frederick Adam sowie Silas Mörmann (von links) haben einen eng getakteten Zeitplan. Foto: privat

Für das Trio Silas Mörmann, Frederick und Theodor Adam ist die Sachlage vor dem Saisonhöhepunkt klar: Ihr Favorit bei der Vierschanzentournee ist Karl Geiger. Auch wenn der deutsche Topspringer nach den ersten beiden Springen nur noch Außenseiterchancen hat, wissen die Jungs aus Gernsbach, von was sie reden. Sie sind nämlich selbst Skispringer und Langläufer.

Was sich hinter K 10, K 20 oder K 43 verbirgt, können die Nachwuchsathleten locker erklären. Die Zahlen beschreiben beim Skispringen den Punkt einer Skisprungschanze, an dem das Gefälle des Aufsprunghangs flacher wird. Das Onlinelexikon Wikipedia führt dazu aus: Seine Weite wird von der Grundkante des Schanzentischs entlang des Hangs gemessen. Für Springer ist der Konstruktionspunkt (Jurywertung) der Ausgangspunkt für die Berechnung der Weitenpunkte im Rahmen der Sprungwertung.

Die Nachwuchsspringer investieren viel Zeit in ihren Sport. Mit bis zu 14 Stunden Trainingszeit pro Woche müsse schon gerechnet werden, heißt es. Trainiert wird am Stützpunkt beim SV Baiersbronn. Einer der Orte, an denen zudem Kombinierer und Weltcup-Ranglisten-Zwölfter Manuel Faißt einen seiner sportlichen Mittelpunkte hat. Die drei Gernsbacher Nachwuchsspringer erinnern sich noch genau an dessen Hochzeit, bei der auch Größen aus der Wintersportszene im Nordschwarzwald vorbeischauten. In Oberstdorf, dem Mekka der Skisprung-Asse Severin Freund oder Karl Geiger, gab es ebenfalls schon die eine oder andere Begegnung mit den Größen des Sports.

„Die Eltern müssen schon mithelfen“

Schule, Trainingslager am Herzogenhorn, Hallentraining, Springen, Skilanglauf, Wettkämpfe an den Wochenenden: Der Zeitplan von Silas (13), Theo (12) und Frederick (10) weist eine enge Taktung auf. Die Woche ist genau durchstrukturiert – ebenso wie für ihre Eltern Silke und Edgar Mörmann, Isabel und Andreas Adam. Im Wechsel fährt das Quartett die begeisterten Wintersportler zum Training und zu den Wettkämpfen. Hinterzarten, Schönwald, Isny oder Degenfeld können dann Stationen sein. Die Hausaufgaben müssen öfter mal warten. Doch alle Drei seien gute Schüler, betonen die Eltern. Theo hat es von der Gruppe am leichtesten. Er besucht das Gymnasium in Baiersbronn, unweit seiner Trainingsstätte. Sein Kumpel Silas geht in die Realschule Gernsbach und sein Bruder Frederick ist Schüler am Albert-Schweitzer-Gymnasium.

„Die Eltern müssen schon mithelfen.“ Ohne diese Unterstützung sei das Training in der Form kaum möglich. Davon erzählt der Vater von Theo und Frederick genauso wie von zusätzlichen Diensten an der Schanze.

Beim stark besetzten Sommerskispringen im vergangenen Jahr in Schönwald zeigten die Gernsbacher Skispringer auf der Schüler- und Jugendschanze tolle Leistungen. Damit sicherten sich die beiden älteren Jungs die Teilnahme am deutschen Schülercup in Schmiedefeld und Schönwald.

Erst ins Ski-Internat, dann zu Olympia?

Auch das legendäre Wintersportzentrum Winterberg war bereits Anlaufstelle für den Springer- oder Kombinierer-Nachwuchs. In Rekordgeschwindigkeit über die Schanze, adrenalingeschwängertes Blut und ein unter dem Ski Druck erzeugendes Luftpolster – das ist ihre Welt. Angst habe er nicht, versichert Silas. Wo die Schwerpunkte in der Zukunft liegen werden, wird noch zurückhaltend beantwortet. Vorstellbar sei alles. Auch Weltcup- oder Olympia-Teilnahme, ebenso der Besuch eines Ski-Internats. „Noch handelt es sich um Grundlagentraining“, meint der Vater. Erst die kommenden Jahre werden entscheiden, in welche Richtung die sportliche Karriere der Schüler aus dem Murgtal gehen wird.

Auch in diesem Bereich des Sports hinterlässt die Pandemie ihre Spuren. Im vergangenen Corona-Winter 2020/2021 wurde an der Ruhesteinschanze entsprechend der Regeln Familientraining abgehalten. Für die Trainer ein Kraftakt bei Trainingszeiten von 8 bis 18 Uhr, erzählt Adam. Aktuell wird die Hoffnung auf eine reguläre Wettkampfsaison bei weitgehend normalem Trainingsbetrieb genährt.

Am Dienstag wird aber vor dem Fernseher gesessen, wenn um 13.30 Uhr der erste Wertungsdurchgang im legendären Bergisel-Skistadion in Innsbruck und damit das dritte Springen der Vierschanzentournee beginnt. Und vielleicht stehen die drei Gernsbacher ja irgendwann einmal selbst da oben ...

Hinter dem Traum vom Fliegen steckt viel Arbeit und Trainingsfleiß. Foto: privat

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Hinter dem Traum vom Fliegen steckt viel Arbeit und Trainingsfleiß. Foto: privat


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