Slobo und seine Stadt an der Murg

Gaggenau (tom) – Der Fotograf und Bürgerpreisträger Slobodan Mandic wird am 7. Februar 75 Jahre alt.

Slobodan Mandic ist seit 2021 auch Träger des Bürgerpreises der Stadt Gaggenau. Foto: Dragica Mandic

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Slobodan Mandic ist seit 2021 auch Träger des Bürgerpreises der Stadt Gaggenau. Foto: Dragica Mandic

Arg viel mehr an offizieller Anerkennung als den Bürgerpreis kann man in dieser Stadt fast nicht erreichen. Und doch ist diese Auszeichnung vom Januar 2021 nur ein Mosaiksteinchen dessen, was das Leben von Slobodan Mandic ausmacht. Denn „Slobo“, wie ihn seine Freunde nennen, hat die Geschichte dieser Stadt nicht nur aufmerksam begleitet. Slobo hat sie mitgestaltet – über ein halbes Jahrhundert lang.

Chronist darf man ihn wohl nennen, schließlich ist die Kamera seine stete Begleiterin, und er hat so ziemlich alles abgelichtet, was Rang und Namen hat und hatte, was sehens- und bemerkenswert war und somit auf alle Fälle in die Zeitung musste. Noch immer ist er für die BT-Redaktion zuverlässig zur Stelle, wenn er gebraucht wird, doch einen Großteil seiner Zeit widmet er mittlerweile der Archivarbeit. Ungezählte Bilder und Dokumente hat er dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt – ein Schatz, den man erst zu schätzen weiß, wenn man in diesen Erinnerungen kramen darf oder wenn er sie mit seinem Freund Michael Wessel als „Gaggenau einst und heute“ den BT-Lesern präsentiert.

Ein „alter Gaggenauer“

Als Pressefotograf ist er Begleiter. Benz-Betriebsrat, Vorsitzender des Ausländerausschusses der IG Metall, Mitbegründer des Fotoclub ‚76, Konfliktlöser – vielseitig war er aktiv. Als Helfer in Notlagen hat er mitgewirkt, sich für das Gemeinwesen eingebracht – und macht es immer noch, beispielsweise als Computerexperte im Gaggenauer Seniorenrat.

Vieles lässt sich in seiner Vita zusammentragen, und seiner Ehefrau Dragica ist er dankbar, dass sie das alles mitgemacht hat – schließlich ist Slobo ja auch noch Ehemann und Familienmensch.

Eines aber muss ebenfalls herausgestellt werden: Slobo ist ein Gaggenauer – und das haben sie ihm bestimmt nicht an der Wiege gesungen, damals, vor 75 Jahren in Niksic in Montenegro. 1969 folgte er als Belgrader Jura-Student den Verlockungen des Geldverdienens und kam als einer der ersten „Jugos“ als Gastarbeiter nach Gaggenau. Wenn er heute von dieser Zeit erzählt, dann sind dies Anekdoten, die schmunzeln lassen – zu jener Zeit war es ein schwieriger Neuanfang in einer fremden Welt. Diese neue Welt hat er für sich angenommen, er hat sich in ihr zurechtgefunden und deshalb sagt er heute aus Überzeugung: „Gaggenau ist meine Heimat.“

Wenn man es recht bedenkt, ist Slobodan Mandic so viel mehr „ein alter Gaggenauer“, als es sein Name je vermuten ließe. Aber anders als so manche andere alte Gaggenauer – die ja mit Freude die Schwächen ihrer Heimatstadt mit Spott bedenken –, freut sich Slobo, wenn er helfen kann, etwas zum Besseren zu wenden.

Slobodan Mandic zählt zu den Menschen, die man nicht nur mit Gaggenau, sondern mit der „Großen Kreisstadt“ in Verbindung bringt. Vor fünfzig Jahren wurde die Kleinstadt an der Murg in diesen Status erhoben, und etwa genau so lang ist Slobodan Mandic ihr Fotograf vom Dienst.

Daran hat deren erster Oberbürgermeister Helmut Dahringer, dessen Todestag sich am 7. Februar zum zehnten Male jährt, maßgeblichen Anteil. Nicht nur seine Nachfolger wussten und wissen Mandic zu schätzen. So wäre an seinem Geburtstag sicher „großer Auftrieb“ im Hause Mandic – der pandemiebedingt vorerst nur per Telefon und Facebook stattfinden wird.

„Nummer drei!“ Slobodan Mandic 1976 mit Tochter Natascha und seinem dritten Jahreswagen. Foto: Slavoljub Bajicat

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„Nummer drei!“ Slobodan Mandic 1976 mit Tochter Natascha und seinem dritten Jahreswagen. Foto: Slavoljub Bajicat

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BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
6. Februar 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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