So erleben Rastatter Bestatter die Pandemie

Rastatt (ans) – Corona-Einschränkungen belasten trauernde Angehörige zusätzlich. Das Virus eröffnet aber auch neue Wege, mit Verlust umzugehen.

Menschen, die mit oder an Corona gestorben sind, dürfen nur in geschlossenen Särgen aufgebahrt werden. Foto: Anna Strobel

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Menschen, die mit oder an Corona gestorben sind, dürfen nur in geschlossenen Särgen aufgebahrt werden. Foto: Anna Strobel

Die Corona-Maßnahmen greifen tief in unser Leben ein und reichen sogar bis ins Lebensende. Im BT-Gespräch erzählen drei Bestattungsunternehmer aus Rastatt, wie sich die Pandemie auf ihren Arbeitsalltag auswirkt und vor welche Herausforderungen sie sich gestellt sehen. Sie berichten vom Tod, der schwierigen Situation für Angehörige und neuen Wegen des Trauerns.

Ist seit 30 Jahren Bestatter: Steven Görner. Foto: Anna Strobel

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Ist seit 30 Jahren Bestatter: Steven Görner. Foto: Anna Strobel

Steven Görner ist seit 30 Jahren Bestatter und leitet das Unternehmen „SG Steven Görner Bestattungen“. Eine Situation, wie sie aktuell in Sachsen herrscht, gebe es in Rastatt und den umliegenden Gemeinden nicht. „Wir sind nicht an der Belastungsgrenze und können alle Verstorbenen und Angehörigen betreuen“, sagt Görner. „Bei uns stapeln sich keine Särge“, betont er. Es sei richtig, dass die Sterbefallzahlen gestiegen seien, aber das betreffe meist die Orte, in denen sich Intensivstationen befänden. Zwischen Oktober und März sei die Zahl der Sterbefälle aber immer höher als im Rest des Jahres.

Dennoch hat Covid-19 seinen Arbeitsalltag verändert. Zwar habe man im Beruf des Bestatters schon immer streng auf Hygiene geachtet, doch es müsse jetzt mehr Geld in Hygieneartikel investiert werden. „Einmalkittel, Armstulpen und Füßlinge sind jetzt in höherer Anzahl auf den Fahrzeugen verteilt“, so Görner. Denn wenn er im Krankenhaus oder Pflegeheim einen Corona-Verstorbenen abhole, müsse er dabei „Vollschutz“ tragen.

Belastende Trauergespräche mit Angehörigen

Dem Toten werde dann ein in Desinfektionsmittel getränkter Mundschutz angelegt. Anschließend müsse dieser in „Hygienehüllen für Verstorbene“, wie man sie beispielsweise aus der Rechtsmedizin kennt, gelegt werden. Hülle und Sarg werden verschlossen und dürfen nicht mehr geöffnet werden. Insgesamt hat Görner 50 an oder mit Corona gestorbene Personen versorgt. Corona-Tote werden „so schnell wie möglich eingeäschert, um das Infektionsgeschehen einzudämmen“, erklärt Görner. Entscheiden sich Angehörige für eine Erdbestattung mit Sarg, muss diese im Freien stattfinden. Das bedeutet auch, dass die Trauerfeier nicht in einer Kapelle, sondern nur am Grab stattfindet.

Für Trauernde sei es eine zusätzliche Belastung, im Beratungsgespräch über die Corona-Einschränkungen zu sprechen. Gerade nach einem Verlust wollten Menschen zusammenrücken, um sich Halt zu geben, doch der Mindestabstand müsse auch bei der Beisetzung eingehalten werden, weiß Görner.

Andreas Schnepf leitet das Institut „Berdon“ in Rastatt. Foto: Anna Strobel

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Andreas Schnepf leitet das Institut „Berdon“ in Rastatt. Foto: Anna Strobel

Bestatter Andreas Schnepf vom „Bestattungsinstitut Berdon“ macht die Erfahrung, dass die Pandemie auch neue Wege eröffnet, mit der Trauer umzugehen. „Manche Familien geben den Trauergästen kleine Päckchen mit einer Wegzehrung, einem Foto und einer Kerze mit“, sagt er. Das habe es vorher so nicht gegeben.

Einige Bestattungen habe er auch gefilmt und die Aufzeichnung den Angehörigen zur Verfügung gestellt. Andere träfen sich digital oder kochten zuhause das Lieblingsessen des Verstobenen, um sich diesem nah zu fühlen. „Die Bestattung wird individueller“, so Schnepf. Dadurch habe er in Sachen Beratung „ein ganzes Stück mehr zu tun“, sagt er.

Viel Verständnis und ein paar Regelbrüche

So viel Verständnis wie in den vergangenen Monaten haben Görner und Schnepf nach eigenen Angaben selten erlebt. Bei keinem der beiden sei es bisher vorgekommen, dass sich jemand absolut gegen die Corona-Bestimmungen gesträubt habe. Mathias Köppel, Inhaber des Instituts „Köppel Bestattungen“, hat beobachtet, dass besonders bei Urnenbeisetzungen die Abstände manchmal nicht eingehalten werden. Seiner Einschätzung nach hielten sich die Trauergäste seit vergangenem Herbst jedoch zunehmend an die Regeln. Dadurch, dass die Feiern kleiner ausfielen, sei auch der Umsatz gesunken, bemerkt Köppel. Eine „goldene Nase“, wie manche annehmen würden, habe er sich nicht verdient.

Mathias Köppel ist Inhaber von „Köppel Bestattungen“. Foto: Anna Strobel

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Mathias Köppel ist Inhaber von „Köppel Bestattungen“. Foto: Anna Strobel

In einem sind sie sich einig: Sie befürworten die Bemühungen des Bestatterverbands, mit den Pflegekräften gleichgestellt und priorisiert geimpft zu werden. Schließlich habe man direkten Kontakt mit Corona-Verstorbenen und somit ein erhöhtes Infektionsrisiko. Außerdem wolle man das Virus nicht in die Pflegeheime tragen.

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Erstellt:
28. Januar 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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