„So etwas lässt einen natürlich nicht kalt“

Baden-Baden (vo) – Firmengründer Wolfgang Grenke äußert sich im BT-Interview zu den Angriffen des britischen Investors Fraser Perring auf die Grenke AG.

„Ich denke, ich habe in der Vergangenheit immer wieder versucht, unser Geschäftsmodell bis ins Detail zu erklären“: Wolfgang Grenke. Foto: Marijan Murat/dpa/Archiv

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„Ich denke, ich habe in der Vergangenheit immer wieder versucht, unser Geschäftsmodell bis ins Detail zu erklären“: Wolfgang Grenke. Foto: Marijan Murat/dpa/Archiv

Es war ein Schlag ins Kontor für die Grenke AG, als der britische Investor und Shortseller Fraser Perring über seine Firma Viceroy Research Mitte September Vorwürfe erhob, die von Betrug und Bilanzfälschung bis hin zu Geldwäsche reichten. Schnell war von einem zweiten Fall „Wirecard“ die Rede. Inzwischen konnte die Grenke AG zwar einen wesentlichen Teil der Vorwürfe widerlegen, ausgestanden ist die Angelegenheit aber nicht. Das weiß auch Firmengründer Wolfgang Grenke, der sich selbst erheblichen persönlichen Angriffen ausgesetzt sieht. Im Gespräch mit BT-Redakteur Jürgen Volz äußert sich Grenke zu den vergangenen Wochen und zu seiner persönlichen Situation.
BT: Herr Grenke, die Angriffe von Viceroy Research hallen immer noch nach. Die Grenke AG hat einen erheblichen Teil ihrer Börsenkapitalisierung eingebüßt, und auch die Aktie hat sich noch nicht vom dramatischen Kurseinbruch erholt. Sie selbst sind ebenfalls zur Zielscheibe von Fraser Perring geworden.

„Angriff mit Eigeninteressen verbunden“

Wolfgang Grenke: Es ist offensichtlich, dass der Angriff mit Eigeninteressen verbunden ist. Bei den bisherigen Veröffentlichungen von Perring wurden Fakten mit Halbwahrheiten und platten Unwahrheiten vermischt. Nehmen Sie nur mal die unwahren Behauptungen bezüglich Liquidität, Geldwäsche, oder Werthaltigkeit der erworbenen Unternehmen. Bei mir persönlich wurden Verbindungen konstruiert, die es nicht gegeben hat, und was sich auch durch Handelsregistereinträge belegen lässt.

BT: Können Sie ein Beispiel nennen?

Grenke: Perring behauptet, dass ich seit 1993 Miteigentümer und seit 2016 alleiniger wirtschaftlicher Berechtigter der Firma Thomas Konprecht Investitionen (TKI) sei und damit Einfluss auf das Franchisesystem ausübe. Dies ist absurd, da die TKI gar nicht mehr besteht. In den 90er Jahren habe ich mit lokalen Mitstreitern in verschiedenen deutschen Städten Leasinggesellschaften gegründet. Diese bestanden immer aus einer Besitz- und einer Betriebsgesellschaft. Im Falle von Herrn Konprecht waren dies die TKI und die GLG Grenke Leasing Düsseldorf GmbH & Co. Alle diese lokalen Gesellschaften sind 1999 – in Vorbereitung auf den Börsengang – in der Grenkeleasing AG aufgegangen. Sie sind somit bereits 1999/2000 erloschen. Das lässt sich mit den entsprechenden Handelsregisterauszügen und dem Börsenprospekt zweifelsfrei belegen.

Vorwürfe sind „absolut unberechtigt“

BT: Dennoch sind die Angriffe und Vorwürfe von Fraser Perring fundamental. Sehen Sie Ihr Lebenswerk in Gefahr oder gar zerstört?

Grenke: Nein, in keiner Weise. So etwas lässt einen natürlich nicht kalt, weil man ein ganzes Arbeitsleben in das Unternehmen investiert hat. Und die Vorwürfe treffen mich persönlich deshalb besonders, weil sie absolut unberechtigt sind. Wie Sie wissen, sind meine Familie und ich durch unseren Aktienbesitz sehr mit dem Unternehmen verbunden – aber letztendlich nicht betroffen, weil wir ja nicht verkaufen wollen, sondern wir im Gegenteil an unserer Beteiligung festhalten und gerade erst ein langfristiges Bekenntnis zum Unternehmen abgegeben haben.

BT: Können Sie uns sagen, wie hoch Ihre Beteiligung am Unternehmen aktuell ist?

Grenke: Die Familie Grenke hat ihre Anteile in der Grenke Beteiligung GmbH & Co. KG gebündelt und hält derzeit einen Anteil von 40,84 Prozent. Nach dem Vorbild anderer börsennotierter Unternehmen mit nennenswertem Familienbesitz sind die Familienmitglieder über den Gesellschaftsvertrag der Beteiligungsgesellschaft gegenseitig gebunden und verpflichtet. Dadurch ist für das Unternehmen langfristige Sicherheit und Orientierung gegeben.

BT: Viceroy beziehungsweise Fraser Perring verfolgen mit ihren Attacken eine Strategie der Nadelstiche: Die Vorwürfe werden Zug um Zug ausgeweitet, möglicherweise, um den Druck auf den Kurs der Aktie hochzuhalten. Stehen die Grenke AG und Sie selbst nicht schon als Verlierer fest, noch bevor die Angelegenheit komplett aufgeklärt ist?

„Verlierer sind vor allen Dingen die Kleinanleger“

Grenke: Verlierer sind vor allen Dingen die Kleinanleger, die durch den von Viceroy verursachten Kurssturz aufgrund ihrer Stop-Loss-Strategie, also dass eine Aktie automatisch verkauft wird, wenn sie unterhalb eines bestimmten Kurses fällt, ausgebremst wurden und zum Teil viel Geld verloren haben. Deshalb bin ich der Meinung, dass man aufseiten der Aufsichtsbehörden oder beim Gesetzgeber durchaus grundsätzlich darüber nachdenken sollte, wie man mit dem Wetten auf fallende Aktienkurse umgeht, insbesondere wenn es sich um offensichtliche Marktmanipulation handelt. Ich persönlich bin nicht grundsätzlich gegen Leerverkäufe, aber es sollte andere Möglichkeiten geben, die am Ende die Aktienkultur in Deutschland nicht beschädigen.

BT: Gab es wegen der hohen Kursverluste gegen Sie persönliche Vorwürfe von Aktionären oder Investoren?

Grenke: Natürlich muss man nach den Vorkommnissen mit Vorwürfen rechnen, aber tatsächlich hat es gegen mich nur eine einzige Beschwerde per Mail gegeben. Da ging es aber nicht um den Aktienkurs und finanzielle Verluste, sondern eher um Persönliches. Stattdessen habe ich gerade von den langfristig orientierten Investoren, die an unser Unternehmen und sein Geschäftsmodell glauben, viel Zuspruch erhalten.

BT: War das System der Übernahme von Franchise-Unternehmen bei Grenke ein Fehler? Der Vorstand hat diesbezüglich gerade einen Strategiewechsel angekündigt.

Grenke: Nein, das System war nach der Gründung des Unternehmens und auch später genau richtig, um in neuen Märkten Wachstum zu generieren. Solche Franchise-Modelle sind ja nicht von uns erfunden worden, sondern eine übliche Marktform, schauen Sie nur mal auf McDonald’s. In unserem Fall hat sich die Mischform des klassischen Franchise-Systems zusammen mit einem Start-up-Modell bewährt. Externe Finanzinvestoren haben den Franchisern gerade bei der schwierigen Finanzierung in ihrer Anfangsphase sehr geholfen. Gleichwohl hat sich über die vielen Jahre hinweg nicht nur das Unternehmen verändert, das seit seiner Gründung erheblich gewachsen ist und inzwischen weltweit agiert. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass die Übernahme der Franchisefirmen jetzt innerhalb der Grenke AG erfolgen soll. Der Konzern ist meiner Meinung nach stark genug, um die künftigen Start-ups ohne externe Finanzinvestoren ins eigene Haus zu holen.

„Es wird ein Stück weit mehr Transparenz geben“

BT: Mit welchen Konsequenzen?

Grenke: Es wird ein Stück weit mehr Transparenz geben, weil die Ergebnisse der Start-ups sowie die möglicherweise damit verbundenen Verluste künftig in der Bilanz gesondert dargestellt werden. Allerdings könnte es dadurch auch schwieriger werden, neue Interessenten für künftige Start-ups zu finden.

BT: Aber Sie gestehen zu, dass das Grenke-Geschäftsmodell für Außenstehende nicht einfach zu verstehen ist?

Grenke: Ich denke, ich habe in der Vergangenheit immer wieder versucht, unser Geschäftsmodell bis ins Detail zu erklären. Nicht nur gegenüber Analysten, die unser Unternehmen bewerten. Aber es stimmt natürlich, das Geschäftsmodell ist nicht einfach – sonst wäre es auch schon längst von anderen kopiert worden.

BT: Der Grenke-Vorstand hat eine Wirtschaftskanzlei mit der Wahrnehmung seiner Interessen beziehungsweise denen des Unternehmens beauftragt und zieht sogar eine Klage gegen Viceroy oder Fraser Perring in Betracht. Wäre das auch eine Option für Sie persönlich?

Grenke: Das würde derzeit aus unterschiedlichen Gründen wohl nichts bringen. Das beginnt schon damit, dass es bisher weder dem Unternehmen noch mir gelungen ist, eine zustellungsfähige Anschrift von Viceroy, das im US-Bundesstaat Delaware beheimatet sein soll, herauszufinden. Und wie ich schon sagte, ist der Schaden für mich persönlich eher gering, weil ich meine Aktien nicht verkaufen möchte. Den Schaden haben vielmehr der Kapitalmarkt und die Aktienkultur in Deutschland. Deshalb ist hier in erster Linie die Regulatorik gefordert. Es gibt ja bereits Untersuchungen hinsichtlich von Kursmanipulation. Sollte dabei etwas Greifbares herauskommen, kann ich mir immer noch über rechtliche Schritte Gedanken machen.

BT: Sie lassen aktuell ihr Aufsichtsratsmandat bei der Grenke AG ruhen. Ihre Ehrenämter als Präsident der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und des Industrie- und Handelskammertags Baden-Württemberg nehmen sie weiter wahr und haben sich gerade für einen Sitz in der Vollversammlung der IHK Karlsruhe beworben. Dieses Gremium wählt den künftigen Präsidenten. Heißt das, Sie würden dort für eine weitere Präsidentschaft zur Verfügung stehen?

Grenke: Über diese Frage wird im kommenden Frühjahr entschieden, wenn die künftige Vollversammlung ihren neuen Präsidenten wählt. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass ich als IHK-Präsident sehr viel Nutzen stiften kann für die Wirtschaft und die Unternehmen in der Region und in Baden-Württemberg. Das ist der Grund, weshalb ich diese Ämter überhaupt angenommen habe. Dafür erhalte ich auch immer wieder entsprechenden Zuspruch aus Wirtschaft und Politik. Im Übrigen wurde ich gerade wieder für zwei Jahre zum Vizepräsidenten der Euro-Chambers, der Vereinigung der Industrie- und Handelskammer in der EU, gewählt.

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Erstellt:
6. November 2020, 06:30 Uhr
Lesedauer:
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