Solarpark in Ottersweier eingeweiht

Ottersweier (jo) – Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann hat bei einem Besuch in Ottersweier einen Solarpark eingeweiht und ein Waldweideprojekt besichtigt. Aus Stuttgart hat er großes Lob mitgebracht.

Symbolischer Tastendruck: Hans-Peter Behrens, Mario Mohr, Jürgen Pfetzer und Andre Baumann (von links). Foto: Joachim Eiermann

© jo

Symbolischer Tastendruck: Hans-Peter Behrens, Mario Mohr, Jürgen Pfetzer und Andre Baumann (von links). Foto: Joachim Eiermann

Regierungsbesuch in Ottersweier, genauer gesagt in Unzhurst: Staatssekretär Andre Baumann vom Stuttgarter Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft schaute vorbei, um zwei Pilotprojekte der Gemeinde in Augenschein zu nehmen – die neu eingerichtete Waldweide Huschmatten und den erst vor wenigen Tagen fertiggestellten Solarpark Eichelgarten an der Autobahn. In beiden Fällen attestierte der Grünen-Politiker: „Ottersweier ist seiner Zeit voraus.“

Dem Gast war vorbehalten, den symbolischen Schalter zur offiziellen Inbetriebnahme der 749-Kilowattpeak-Anlage zu drücken. Doch von Sonnenstrom konnte angesichts des verhangenen Himmels keine Rede sein. Als Bürgermeister Jürgen Pfetzer einer pandemiebedingt kleinen Runde mit Mario Mohr (Vertreter des Landkreises), den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats und weiteren Beteiligten das Projekt erläuterte, prasselte ein kräftiger Schauer auf das in weiser Voraussicht errichtete Zelt nieder. Selbst die Schafe nebenan stellten das Rasenmähen ein und flüchteten unter die Solarmodule.

„Jeder, ob privat oder gewerblich, und wir als Kommune können einen Beitrag zur Energiewende leisten“, sagte Pfetzer. Inzwischen ist ein erstes Etappenziel erreicht. Die Erträge aller rund 400 regenerativen Anlagen im Ort addiert, werde in Ottersweier mittlerweile so viel erneuerbarer Strom erzeugt wie die Haushalte verbrauchen, konnte der Bürgermeister vermelden. Zum Status eines Solarenergiedorfs reicht dies aber noch lange nicht, da der Stromhunger der örtlichen Industrie mehr als doppelt so hoch ist. „Bis 2030 schafft Ihr das!“, lautete ein Zwischenruf des grünen Landtagsabgeordneten Hans-Peter Behrens.

Wünsche an die Lansdesregierung

Baumann zeigte sich jedenfalls beeindruckt: „Anlagen wie diesen Solarpark würde ich gerne häufiger im Land einweihen.“ Viele Städte und Gemeinden mögen dem Beispiel folgen. Ottersweier „zeigt, wie es geht“, und könne damit ein Werbeträger für andere Kommunen sein. So gebe es ein großes Potenzial für Freiflächen-Photovoltaik im Land. „Wir wollen und müssen dieses Potenzial noch besser ausschöpfen“, unterstrich Baumann und wies auf die aktuell präsentierte Novelle des Klimaschutzgesetzes hin, die in Kürze im Landtag beraten werde.

Pfetzer nutzte den Besuch aus der Landeshauptstadt, um drei Wünsche an die Politik zu richten. Diese möge zum einen Solarparks auf PFC-belasteten Flächen ermöglichen und zum anderen die Agri-Photovoltaik bei gleichzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung fördern. Außerdem sei eine Verkürzung der Genehmigungsverfahren dringend geboten. Drei Jahre dauerte der Umsetzungsprozess im Fall Eichelgarten, rekapitulierte Pfetzer. „Es war ein langer und harter Weg, aber wir sind froh, dass wir ihn gegangen sind.“

Wie es schneller gehen kann, zeigte die Forstdirektion Freiburg. In nur drei Wochen erteilte sie eine Ausnahmegenehmigung für eine Waldweide, die das Gesetz nicht vorsieht. Ein paar Schritte weiter sah der Staatssekretär die Angus-Rinder des Projekts Huschmatten auf der Wiese grasen – mit einem Erlenwald als deren neuen Rückzugsort im Hintergrund.

„Leuchtturmprojekt“ gewürdigt

Andre Baumann sprach von einem „Leuchtturmprojekt“, das an ganz frühe Haltungsweisen anknüpfe, als es noch keine Viehställe oder Unterstände gab. Mit historischen Weidekulturen kennt er sich im Besonderen aus, schließlich war der Wandel der Schafhaltung Gegenstand seiner Doktorarbeit. Michael Hug vom Bühler Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) und Forstbezirksleiter Clemens Erbacher nannten Details des Projekts, das exemplarisch den Naturschutz in die Landwirtschaft integriert und zudem Gegenstand forstlicher Untersuchungen der Bodenvegetation ist. Tiere auf der Weide förderten das Insektenleben, davon profitiere die Vogelwelt, ergänzte Baumann und bekräftigte: „Für die Förderung der biologischen Vielfalt brauchen wir mehr Dynamik in der Landwirtschaft.“

Ihr Autor

Joachim Eiermann

Zum Artikel

Erstellt:
16. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.