Solidaritäts-Appell an Muggensturm

Rastatt (ema) – Der Ausbau des A-5-Anschlusses Rastatt-Nord ist frühestens 2030 fertig – wenn nicht dagegen geklagt wird. Im Rastatter Gemeinderat erging ein Appell an die Gemeinde Muggensturm.

Angespannte Lage: Die K3715 (links unten Richtung Rauental) und die K3728 (rechts unten Richtung Muggensturm) werden von der B462 abgehängt, wenn der A-5-Anschluss ausgebaut wird. Foto: W illi Walter

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Angespannte Lage: Die K3715 (links unten Richtung Rauental) und die K3728 (rechts unten Richtung Muggensturm) werden von der B462 abgehängt, wenn der A-5-Anschluss ausgebaut wird. Foto: W illi Walter

Der Ausbau der A-5-Anschlussstelle Rastatt-Nord wird sich über fünf Jahre hinziehen und frühestens im Jahr 2030 fertig sein – sofern gegen die Maßnahme nicht geklagt wird. Als der Vertreter des Regierungspräsidiums (RP) jetzt im Gemeinderat den aktuellen Stand der Planung vorstellten, appellierte Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch an die Gemeinde Muggensturm, „im Interesse der Region“ noch mal in sich zu gehen und ihren Widerstand aufzugeben.
Wie berichtet, hatte die Gemeinde Muggensturm den Gang vors Gericht angekündigt, falls tatsächlich das Regierungspräsidium daran festhält, die K3728 von der B462 abzuhängen. Von dieser Planung werde man nicht abrücken, bekräftigte RP-Planer Helmut Wößner am Ratstisch. Mehrere Gutachten hätten gezeigt, dass man an dieser Alternative nicht vorbeikommt. Vor dem Hintergrund, dass die B462 nach Norden verlegt und auf 600 Metern neu versiegelt werden muss, sei man gehalten, in dem sensiblen Gebiet so wenig Eingriffe wie möglich in die Natur vorzunehmen. Wößner gab zu erkennen, dass man mit einer Klage der Naturschutzverbände rechnen müsse, wenn man an der K3728 festhalte und sie nicht zum Wirtschaftsweg abstufe. Offenbar sieht das RP bei einer juristischen Auseinandersetzung mehr Erfolgschancen gegen Muggensturm als gegen die Verbände – eine Einschätzung, die der OB unterstrich. Aus seiner Sicht hätte eine Klage der Nachbargemeinde kaum Aussicht auf Erfolg, dafür verliere man aber Zeit. Das wiederum würde die Situation an dem Knoten weiter verschärfen, der sich immer mehr zu einem Logistiker-Magnet entwickelt.

Ausfädelungsspur kommt zuerst

An den Grundsätzen der Planung hat sich nichts Wesentliches geändert. Bestandteile: Ausbau der Anschlussstelle zu einem Vollkleeblatt, Bau einer Verteilerfahrbahn parallel zur Autobahn sowie der kreuzungsfreie Anschluss der B462 an die K3716. Die Bundesstraße soll zwischen A-5-Ausfahrt und Tunnel-Kreuzung vierspurig ausgebaut werden, sodass künftig auch nach rechts auf die B3/B36 Richtung Karlsruhe zweispurig abgebogen werden kann. Der Pendlerparkplatz bei Rauental wird direkt zwischen A5 und „Bauhaus“ verlegt und wächst um 25 auf 100 Plätze, sagte Wößner. Eine der ersten Maßnahmen wird die Verteilerfahrbahn (Ausfädelungsspur) längs der Autobahn in Richtung Süden sein. Sie wird direkt an die Lochfeldstraße angebunden, um somit das Kleeblatt zu entlasten und zugleich das Industriegebiet direkt zu erschließen. Weil diese Maßnahme ein Wunsch Rastatts ist, muss die Kommune die Kosten dafür in Höhe von knapp vier Millionen tragen. Insgesamt sind die Kosten für die komplette Maßnahme auf 77,4 Millionen Euro geklettert (Stand 2019, Planungskosten nicht inbegriffen). Wegen der Ausfädelungsspur muss die Autobahnbrücke zwischen Rauental und Rastatt neu gebaut werden. Einem von Ortsvorsteher Thorsten Ackermann geforderten Brückenprovisorium für Radfahrer erteilte Wößner eine Absage. Die Rauentaler müssen während der Bauzeit über den Zubringer nach Rastatt kommen.

Die Verzögerungen bei der Planung sowie die gestiegenen Kosten führte der RP-Planer auf die Alternativprüfungen mit Muggensturm sowie die aufwendigen Maßnahmen zurück. Allein zehn Ingenieurbauwerke (Grundwasserwanne, Brücken, Lärmschutzwand) sind erforderlich. Problematisch wird die Entwässerung in dem Wasserschutzgebiet, vor allem wegen des Streusalz’. Der Federbach, so Wößner, dürfe nicht weiter belastet werden. Jetzt erwägt man eine Einleitung in die Murg.

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