Sommer der evangelischen Einheit

Von BT-Redakteur Dieter Klink

Karlsruhe (kli) – Die evangelische Landeskirche wird 200 Jahre alt. Darüber informiert eine Ausstellung im Generallandesarchiv in Karlsruhe. Neben dem großen gibt es auch noch ein kleines Jubiläum.

Sommer der evangelischen Einheit

Darstellung eines Engelpaars aus der Christuskirche in Karlsruhe: Leitmotiv der Ausstellung im Generallandesarchiv. Foto: Evangelischer Oberkirchenrat

Die evangelische Landeskirche Baden feiert in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Eine Ausstellung im Generallandesarchiv dokumentiert dazu Stationen ihrer Geschichte. Landtagspräsidentin Muhterem Aras und Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh eröffneten die Schau gestern Abend.

Als Geburtsdokument gilt eine Urkunde vom 26. Juli 1821, mit der sich Lutheraner und Reformierte in Baden zusammenschlossen. Die Ausstellung, zu der ein Begleitkatalog veröffentlicht wurde, ist in sechs Themenbereiche unterteilt. Gezeigt werden Objekte aus 200 Jahren Kirchengeschichte, unter anderem die „Geburtsurkunde“ selbst.

Der erste Prälat der badischen Landeskirche, Johann Peter Hebel, hat die Badische Union damals mit einem Gebet eröffnet. „Die Badische Union ist Teil einer bürgerlichen Bewegung in Baden, Teil der Verfassungsbewegung“, erläutert Udo Wennemuth, Leiter des Landeskirchlichen Archivs. 1818 wurde die Badische Verfassung unterzeichnet.

Nicht alle Ziele sofort erreicht

Großherzog Ludwig I. stand von Beginn an als Landesherr auch an der Spitze der Kirche. Nicht alle erhofften Ziele seien damals erreicht worden, sagt Wennemuth. Von einer breiten Beteiligung der Gemeinden könne keine Rede sein. „Das war ein Defizit. Auf der ersten Unionssynode wurden wichtige Entscheidungen verschoben. Die zweite Synode fand erst 13 Jahre später statt“, berichtet der Archivleiter. Erst 1860 mit der sogenannten Oster-Proklamation durch Friedrich I. sei eine liberalere Zeit angebrochen. „Die Proklamation gab den Kirchen eine relative Selbstständigkeit, sie wurden aus den Ministerien herausgelöst. Jetzt erst erhielt die Synode die Rechte, wie sie 1821 bereits angestrebt waren. Von nun an tagte die Synode jährlich.“

Die Schau lenkt den Blick auch auf die unsägliche Vermengung von Kirche und Staat während der zwei Weltkriege. So wird etwa ein Feldtagebuch eines Pfarrers aus dem Ersten Weltkrieg gezeigt, in das hauptsächlich Beerdigungen eingetragen sind, sowie ein Tagebuch aus dem Konzentrationslager Gurs in Frankreich.

Die Ausstellung thematisiert auch den beschwerlichen Weg zum Pfarrerinnenamt. 1916 hat mit Elsbeth Oberbeck die erste Frau in Baden in Heidelberg ein theologisches Examen abgelegt. Und 1971, also vor 50 Jahren, konnte Hilde Bitz als erste Pfarrerin in Mannheim ihren Dienst antreten. Zu sehen ist der Talar von Bitz.

Abendmahlsteller aus Spöck

Die Schau zeigt auch einen Abendmahlsteller der Gemeinde Spöck, der ab 1821 für die neue Kirche verwendet wurde. Auch Gedenkmedaillen aus Mannheim und Heidelberg aus Anlass des Gründungstags 1821 sind zu sehen. Ein 13-minütiger Schwarz-Weiß-Film dokumentiert die Amtseinführung von Landesbischof Julius Kühlewein im Juli 1933 in der Zeit des Nationalsozialismus.

Imposant ist auch die Fahne des Evangelischen Arbeitervereins aus Mannheim-Sandhofen aus dem Jahr 1907 mit zwei Händen, die sich reichen, und der Aufschrift „Thuet Ehre jedermann, habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott, ehret den König“. Die Fahne „weist auf die Bedeutung der sozialen Frage in der Kirche und das lange Zeit schwierige Verhältnis von Kirche und Arbeiterbewegung hin“, heißt es.

Die Ausstellung ist bis 7. November im Generallandesarchiv, Nördliche Hildapromenade 3 in Karlsruhe zu sehen. Ab Dienstag, 25. Mai, ist die Schau bei freiem Eintritt ohne vorherige Anmeldung zugänglich. Besucher müssen die Daten erfassen lassen und einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden ist oder vollständig geimpft oder genesen sein. Bei Führungen wird um eine Anmeldung gebeten. Ein begleitendes Vortragsprogramm wird zudem virtuell zugänglich sein. Montags, samstags und an Feiertagen ist die Schau geschlossen.

www.unisono2021.de