Sorge um Impfquote in Pflegeheimen in Baden-Baden

Baden-Baden (sga) – Der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber hat die Impfquote in den Pflegeheimen kritisiert. Nach Stand vom Februar sehen diese laut dem Gesundheitsamt allerdings nicht schlecht aus.

Gut aufgestellt, aber dennoch nicht bei null Prozent: In den Baden-Badener Pflegeheimen sind aktuell 4,4 Prozent der Bewohner ungeimpft. Foto: Felix Kästle/dpa

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Gut aufgestellt, aber dennoch nicht bei null Prozent: In den Baden-Badener Pflegeheimen sind aktuell 4,4 Prozent der Bewohner ungeimpft. Foto: Felix Kästle/dpa

Es sind nicht alle, aber doch viele: Die Impfquote in den Baden-Badener Pflegeheimen ist hoch. „Wir sind bundes- und landesweit gut aufgestellt“, betont Michael Janke als Pressesprecher des Rastatter Landratsamts. Das dort ansässige Gesundheitsamt kann das mit entsprechenden Zahlen beweisen. Unterdessen ist der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber nicht zufrieden.

„Nach Stand von Februar sind in den Pflegeheimen im Stadtkreis Baden-Baden aktuell 4,4 Prozent der Bewohner und sechs Prozent des Personals nicht geimpft“, verweist Janke auf die Daten, die regelmäßig aktualisiert werden: Laut dem Sozialministerium sind stationäre Pflegeeinrichtungen dazu verpflichtet, immer in der Mitte des Monats die Impfquote der Bewohner und Beschäftigten an das Gesundheitsamt zu melden. Alles „natürlich anonym“, betont Janke auf Nachfrage dieser Zeitung.

Weber: „Deutliche Defizite“ beim Impfen

Doch mit der Impfquote zeigt sich nicht jeder zufrieden. So richtete sich Jonas Weber (SPD) mit einem Schreiben an diese Redaktion: Eine Anfrage an die Landesregierung habe ergeben, dass einige Pflegeheime immer noch „deutliche Defizite“ aufweisen – dies betreffe sowohl die Bewohner als auch die Angestellten.

„Von deutlichen Defiziten kann hier nicht die Rede sein“, widerspricht Sybille Müller-Zuber in Bezug auf die vom Klinikum Mittelbaden betriebenen Senioreneinrichtungen. Laut der Pressesprecherin des Klinikums sind im Theresienheim 100 Prozent der Bewohner geimpft oder genesen (Mitarbeiter: 98 Prozent) sowie 97 Prozent geboostert (Mitarbeiter: 88). Im Altenpflegeheim Schafberg seien 98 Prozent der Bewohner geimpft oder genesen (89) und 89 Prozent geboostert (50).

Florian Mader kann als Pressesprecher des Sozialministeriums auf Anfrage dieser Zeitung die Zahlen bestätigen, auf die sich Weber bezieht: Nach Stand vom Januar liege die durchschnittliche Impfquote, also vollständig geimpft, bei den Beschäftigten im Stadtkreis Baden-Baden bei 89 Prozent (Bewohner: 92,8 Prozent), „59 Prozent haben eine Auffrischimpfung erhalten“ (Bewohner: 80,4 Prozent).

Dass es zwischen diesen und den Zahlen vom Gesundheitsamt Unterschiede gibt, erklärt Mader wie folgt: Bei der Interpretation der Daten müsse zwischen der Quote der vollständigen Impfung und der Quote der Auffrischimpfungen, das heißt die zusätzliche Booster-Impfung, unterschieden werden: „Die Daten des Gesundheitsamts beziehen sich auf die Grundimmunisierung“ und zudem auch bereits auf den Stand vom Februar. Die Zahlen, mit denen Weber argumentiert, seien somit nicht mehr auf dem aktuellsten Stand.

„Da muss das Land dringend nachfassen“

Der SPD-Abgeordnete zeigt sich in seinem Schreiben jedoch generell unzufrieden: „Trotz des gesellschaftlichen Kraftakts gibt es in Baden-Württemberg immer noch Pflegeheime mit zu niedrigen Impfquoten. Da muss das Land dringend nachfassen.“ Weiter schreibt er: „Wo Licht ist, ist auch Schatten.“ Die meisten Pflegeheime hätten ihre Bewohner und das Personal so gut wie möglich durchgeimpft. Dennoch gebe es Heime, die teilweise erschreckend niedrige Impfquoten aufweisen: „Hier ist das Land gefordert, weiter aufzuklären und niedrigschwellige Impfangebote zu schaffen. Wie verheerend Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen mit zu niedrigen Impfquoten sein können, hat das Haus Paulus in Rastatt gezeigt.“

Das Sozialministerium kann die Kritik laut Mader nur teilweise verstehen: „Richtig ist, dass die Impfquoten in einzelnen Einrichtungen unterdurchschnittlich sind.“ Die Gründe hierfür seien vielfältig. Jedoch: „Wenn mit Blick auf die niedrige Impfquote zuweilen – wie etwa vom Abgeordneten Weber – gefordert wird, das Land oder die Heimaufsichtsbehörden müssten auf Pflegeheime mit geringen Impfquoten ‚mehr Druck‘ oder ‚mehr Kontrolle‘ ausüben, ignorieren solche Forderungen die geltende Rechtslage völlig. Impfungen erfolgen nach derzeitiger Rechtslage freiwillig.“ Es seien ausreichende Angebote bereitgestellt sowie unablässig für das Impfen geworben worden: „Mehr kann das Land weder praktisch noch rechtlich unternehmen.“ Wer mehr Druck oder Kontrolle verlange, müsse erklären, auf welcher rechtlichen Grundlage dies erfolgen sollte.

Kommentar

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger kommentiertNatürlich ist es wichtig, dass auch in den Pflegeheimen so viele Menschen wie möglich gegen Corona geimpft sind. Dass laut dem Gesundheitsamt in diesem Bereich mit 4,4 Prozent der Bewohner und sechs Prozent des Personals (Stand Februar) nur eine niedrige Anzahl an Menschen vor Ort die Spritze nicht gesetzt bekommen haben und man laut Pressesprecher Michael Janke sogar bundes- und landesweit „gut aufgestellt“ ist, klingt vielversprechend. Vielleicht sind diese Zahlen auch für Jonas Weber, der sich sorgenvoll mit seinem Schreiben an diese Redaktion gewandt hat, ein Hoffnungsschimmer. Immerhin lagen dem SPD-Abgeordneten zu diesem Zeitpunkt offenbar lediglich die Impfquoten aus dem Januar vor. Und auch, wenn es wirklich löblich ist, dass sich Weber für das Impfen gegen Corona stark macht und einen entsprechenden Appell formuliert: Das Land ist dafür der falsche Adressat – und die Kritik in diesem Punkt somit nicht nachvollziehbar. Wie das Sozialministerium richtig in seiner Antwort an diese Redaktion formuliert, hat sich das Land mächtig ins Zeug dafür gelegt, um jedem Menschen den Zugang zu einer Schutzimpfung zu ermöglichen. Die Entscheidung jedoch liegt bei jedem Einzelnen selbst. Gerade bei denjenigen, die einer Impfung oder gar Impfpflicht prinzipiell skeptisch gegenüberstehen, ist es ohnehin äußerst fraglich, ob man mit mehr Druck und Kontrolle überhaupt Erfolg ernten würde.


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