Sorgen um HLA-Standort Gernsbach

Gernsbach (stj) – Die Handelslehranstalt in Gernsbach kämpft mit rückläufigen Schülerzahlen und um ihre Zukunft. Der Landkreis sucht als Schulträger nach Problem-Lösungen.

„Wir müssen uns Gedanken um die Zukunft der Schule machen“, heißt es im Landratsamt zur HLA Gernsbach. Foto: Jahn

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„Wir müssen uns Gedanken um die Zukunft der Schule machen“, heißt es im Landratsamt zur HLA Gernsbach. Foto: Jahn

Das Murgtal sorgt sich um eine beliebte und erfolgreiche Bildungseinrichtung: Nachdem der Ausschuss für Schulen und Kultur des Rastatter Kreistags in seiner jüngsten Sitzung über die aktuelle Situation an der Handelslehranstalt (HLA) Gernsbach informiert worden ist (wir berichteten), steht die Schule in der nächsten Sitzung des Ausschusses am 29. September erneut auf der Tagesordnung. Das hat zu Spekulationen geführt, das Aus für die HLA sei bereits beschlossene Sache. Dem ist aber nicht so, wie alle Beteiligten auf BT-Anfrage unterstreichen. Gleichwohl: Die Zukunft der kleinsten Kreisschule steht auf der Kippe.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Schule geschlossen werden muss“, sorgt sich Beate Benning-Gross. Die Grünen-Kreisrätin aus Hilpertsau verweist auf Kriterien des Oberschulamts bezüglich erforderlicher Schülerzahlen. Von ihnen hänge ab, welches Angebot aufrechterhalten werden könne und welches nicht. Die im Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe angesiedelte Behörde schaue sich die Entwicklung der HLA Gernsbach an und werde eine Empfehlung abgeben, mit der sich der Landkreis als Schulträger dann auseinandersetzen müsse. Das RP bestätigt ein internes Treffen, das es jüngst mit dem Schulträger und der stellvertretenden Schulleiterin Christine Schwab gegeben hat; die Ergebnisse dessen wolle man aber nicht kommunizieren. Auch Schwab gibt auf BT-Anfrage kein Kommentar zum Stand der Dinge ab.

Fakt ist, dass die Schülerzahlen der HLA in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken sind – zuletzt um circa ein Drittel – und dass auch die Prognosen eher schlecht aussehen. Obwohl die Bildungseinrichtung viele Zusatzangebote unterbreitet, die bei den jungen Leuten gut ankommen (wie die jährliche Studienfahrt in die USA oder die preisgekrönten Aktivitäten in Schülerfirmen), konnte man den Aderlass zuletzt nicht aufhalten. Dieser hat andere Gründe, gegen die man kaum etwas machen kann: Der Rückgang in den Vollzeitbildungsgängen und die demografische Entwicklung in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen wären hier als erstes zu nennen. Das setzt eine Spirale in Gang: Ohne stabile Schüler- und Klassenzahl in den einzelnen Bildungsgängen ist die Bedingung für eine ausreichende Lehrerversorgung nicht mehr gegeben. Die aber benötigt man, um die Bildungsgänge als grundständiges Angebot für das Murgtal erhalten zu können.

Alle Schularten sollen erhalten bleiben – aber wo?

Landrat Toni Huber lässt über seine Pressestelle ausrichten, dass er alle Schularten, die in der HLA Gernsbach angeboten werden, „auf jeden Fall erhalten will“. Das müsse aber nicht zwangsläufig am aktuellen Standort geschehen. An möglichen Problem-Lösungen arbeite man derzeit, habe aber noch keine in der Schublade, betont Gisela Merklinger. Die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr liegen noch nicht vor, teilt die Pressesprecherin des Landratsamts weiter mit. Sie werden mit Sicherheit in den Entscheidungsprozess, der nach der Sommerpause einsetzen dürfte, mit einfließen.

Einen konkreten Vorschlag zur Standortsicherung hatte Andreas Merkel schon in der Juni-Sitzung des Kreisschulausschusses unterbreitet: den möglichen Zusammenschluss der HLA Gernsbach und der Carl-Benz-Schule (CBS) Gaggenau. Die Reaktionen darauf fielen allerdings zurückhaltend aus, weil es schwierig sei, zwei Schulen mit ganz unterschiedlichen Profilen (CBS technisch, HLA kaufmännisch) unter einem Dach zu führen. Der Gaggenauer Kämmerer, der Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion ist, geht davon aus, dass es nicht einfach werde, die Angebote der HLA Gernsbach an dieser Stelle zu halten – angesichts der aktuellen Zahlen und der demografischen Entwicklung. Letztlich halte das Oberschulamt im RP die Karten in der Hand, so Merkel.

Von einer strukturpolitischen Angelegenheit spricht Dieter Knittel. Der frühere Gernsbacher Bürgermeister und derzeitige SPD-Kreistagsfraktionschef könne sich „persönlich nicht vorstellen, dass wir im Murgtal eine Schließung, nur weil aktuell die Schülerzahlen nicht so gut sind, einfach so widerstandslos hinnehmen würden“. Er ist sich sicher, dass man die Schule stärken könnte, „wenn man Kreativität walten lässt, was die Schulformen anbelangt“. Zudem verweist Knittel darauf, dass die HLA bei weitem nicht die teuerste Kreisschule sei und dass die Zahlen der Schüler aus dem Murgtal, die sie besuchen, nach wie vor gut seien. Der Sozialdemokrat setzt seine Hoffnungen auch auf den Lokalkolorit, den die Behördenchefs in Landratsamt und RP mitbringen – beides sind Murgtäler.

Sabine Katz, Kreisrätin der Freien Wähler und Stellvertreterin des Gernsbacher Bürgermeisters Julian Christ, nennt es normal, dass in Zeiten klammer Kassen gewisse Dinge auf den Prüfstand gestellt werden. Das gelte für alle kreiseigenen Schulen. Sie hofft nun auf entsprechende Konzepte, um die „attraktiven Angebote“ der HLA in Gernsbach halten zu können. „Ich bin der Meinung, das ist machbar“, zeigt sich die Buchhändlerin optimistisch.

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Erstellt:
3. August 2020, 20:00 Uhr
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