Windräder sorgen für Angst im „Neugraben“

Muggensturm (yd) – Bei Anwohnern des Baugebiets „Neugraben“ in Muggensturm, einst als „Filetstück“ angepriesen, regt sich Unmut: Sie fürchten wegen geplanter Windräder um ihre Gesundheit.

Ausblick in Gefahr? Christian Anselm fürchtet, dass die Windräder, die in der Nähe gebaut werden könnten, krank machen und den Wert seines Hauses senken. Foto: Yvonne Hauptmann

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Ausblick in Gefahr? Christian Anselm fürchtet, dass die Windräder, die in der Nähe gebaut werden könnten, krank machen und den Wert seines Hauses senken. Foto: Yvonne Hauptmann

Blickt man aus dem Panoramafenster der Wohnküche von Familie Anselm in Muggensturm, so bietet sich ein geradezu idyllisches Bild: Ein Fasan huscht gerade am leise dahinplätschernden Bächlein vorbei, ab und zu sieht man sogar einen Storch fliegen und Hasen oder Rehe gehören ebenfalls zu den regelmäßigen Besuchern. Und dennoch ist die Stimmung im Hause Anselm getrübt: Christian Anselm fürchtet um den Fortbestand seiner kleinen Idylle im Neubaugebiet „Neugraben“.

Unterschriftenliste gestartet

Seit 2015 wohnen die Anselms hier am Rande von Muggensturm. Vor knapp zehn Jahren hat das Ehepaar, das aus der Region stammt, aber damals noch im Ausland arbeitete, nach einem Ort rund um Rastatt gesucht, um sich niederzulassen. „Vor dem Auslandsaufenthalt haben wir in Malsch gewohnt, da lag es nahe, sich nach Muggensturm zu orientieren“, sagt der Hausbesitzer. Als „Filetstück“ wurden die 18 Grundstücke im „Neugraben“ damals angepriesen, für 350 Euro pro Quadratmeter kauften die Anselms ihr Grundstück von der Gemeinde.

„Und jetzt sollen ausgerechnet da Windräder hin“, regt sich in Christian Anselm der Unmut. „Dort“ – das ist in etwa 900 bis 1.000 Metern Entfernung zu seinem Garten. Jenseits der L67, gegenüber der Freizeitanlage, aber noch sehr gut sichtbar und vor allem hörbar vom Haus aus, so fürchtet das Muggensturmer Ehepaar. „Infraschall ist da durchaus ein Thema“, sagt Christian Anselm, der wie aus der Pistole geschossen mit „Dass wir hier krank werden“, antwortet, wenn man ihn nach seinen konkreten Sorgen fragt. „Ich habe mich da ein wenig umgehört und mit Betroffenen gesprochen. Man darf das nicht gerade so abbügeln“, sagt der Muggensturmer. Außerdem fürchten die Anselms um den Wertverlust ihres Grundstücks, sie wollen es ab sofort jährlich schätzen lassen. Außerdem stehe man mit anderen Nachbarn in Kontakt, auch bei diesen rege sich der Protest, eine Unterschriftenliste habe in Muggensturm bereits die Runde gemacht und man habe 250 Unterzeichner mobilisiert.

Dass in Sichtweite vom „Neugraben“ Windräder entstehen sollen, ist allerdings noch Zukunftsmusik. Noch laufen die Voruntersuchungen, die sich über eine ganze Vegetationsperiode erstrecken müssen. Die EnBW hat im Dezember dem Gemeinderat Pläne vorgestellt, wonach auf Muggensturmer Gemarkung fünf Anlagen stehen könnten, jeweils eine weitere könnten auf dem Gebiet von Kuppenheim und Bischweier errichtet werden. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Räder frühestens im Jahr 2027 drehen werden.

Hoffnung auf Austausch

Christian Anselm vermisst dennoch den Dialog. „Wir fühlen uns hier als Anwohner überhaupt nicht mitgenommen.“ Zwar habe die Muggensturmer Bürgervereinigung (MBV), eine der Fraktionen im Gemeinderat, inzwischen zu einem Gespräch eingeladen und sich mit den Sorgen und Nöten befasst: „Allerdings waren da halt auch nicht alle Beteiligen dabei, man hat nicht alle gehört. Aber immerhin war es ein Anfang, wir müssen gemeinsam einen Weg finden.“ Anselm und seine Frau Jasmin hoffen, dass bald ein Gespräch oder eine Bürgerinformationsveranstaltung, initiiert von der Gemeindeverwaltung, stattfindet. „Ein richtiger Austausch, bei dem alle Seiten ausreichend Zeit haben, ihre Position darzulegen und Fragen zu stellen“, sagt Jasmin Anselm.

Denn eines stehe fest: „Unsere Sorgen sind ganz real. Wir haben richtig Angst, dass unserer Familie gesundheitlicher Schaden droht – mich bringt das jetzt schon teilweise um den Schlaf“, sagt die Muggensturmerin.


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