Spannungsfelder entstehen im Alten Ratssaal

Baden-Baden (khd) – Die Matinee der Vereinigung Korrespondenzen hat im Alten Ratssaal des Rathauses in Baden-Baden stattgefunden.

Spannungsfelder entstehen im Alten Ratssaal

Die Cellistin Katharina Deserno spielt im Alten Ratssaal des Rathauses. Foto: Heineke-Dietz

Einzigartig ist die Matinee, die von der Vereinigung Korrespondenzen am Sonntag im Alten Ratssaal in Baden-Baden veranstaltet wurde, gewesen: Spannungsfelder entstanden zwischen J. S. Bachs Erhabenheit und Violeta Dinescus „Geschichten“. Im Zentrum all dessen stand die in Frankfurt am Main geborene Cellistin Katharina Deserno auf eine besondere Art und Weise.

„Violeta Dinescus Musik empfinde ich als ganz besonders ausdrucksstark und poetisch. Ich war sofort begeistert von der Schönheit ihrer Klangsprache“, bemerkte die Cellistin, als sie auf das Schaffen der rumänischen Komponistin aufmerksam wurde. Deserno wünschte sich die „Kleine Suite“ (2018) und regte Dinescu an, darin auf Bach zu „reagieren“. So erscheint die „Kleine Suite“ als „chemischer Prozess“, als Transformation. Ihre musikalische „Erzählung“ zeichnete die Cellistin als einen vielschichtigen Klangorganismus, dominierend im Wechsel von Spannung und Entspannung. Energie brach sich Bahn. Zarte Vokalisen der Interpretin unterstrichen alte rumänische Melodien. Technische Raffinessen wie Spiccato oder Vibrato wurden mit dynamischen Ausgrenzungen hervorragend gekoppelt, raffiniert auch die dadurch abgrenzenden Stimmungen, die ihre Wirkung nicht verfehlten.

Komponistin Violeta Dinescu ist selbst anwesend

Einleitend begann Deserno mit den „Sieben Rosen“ für Cello solo, siebensätzig in kontrastierenden Tempoangaben. So wie jede Rosen-Art unterschiedlich gefärbt ist, so diffizil und sensibel war das Spiel der Cellistin. Töne erklangen in zarter oder ausdrucksvoll nachhaltiger Intensität, einschmeichelnd oder klagend im Bannkreis von Vokalisen, die den Wirkungsgrad deutlich unterstrichen. Das folgende Werk Dinescus, „Clara“ (2019), zeigte die „weibliche“ Seite, gespickt mit leidenschaftlichen Ausbrüchen.

Und dann erklang Bachs 1. Suite G-Dur mit ihren europäisch anmutenden Sätzen, allesamt tänzerisch verbrämt, wie es im Barock üblich war. Mit ihrem ganz eigenen Interpretationsspiel ließ Deserno ihr Cello von Testore aus dem Jahr 1712 förmlich erstrahlen. Äußerst elegant phrasierte sie die Tänze. Überzeugungskraft besaßen ebenso die Sätze, besonders das Prélude und die Sarabande. Couragiert packte sie die Courante, virtuos, zielstrebig. Höfische spanische Eleganz sprach aus der Sarabande, Tänzerisches glänzte in den Menuetten. Und die in damaliger Zeit reichhaltigen Verzierungen besaßen unmerkliche Plastizität. In der schnellen Gigue vereinigte sie Tänzerisches mit Virtuosem und formte die Suite zu einem künstlerischen Gesamtpaket.

Viel Beifall war der Dank für das erstklassige Konzert, das in Anwesenheit der Komponistin Violeta Dinescu mit ihrem Stück „Abendandacht“ endete, das die Cellistin als eine andächtige Volksweise in Form feiner Momente der Stille und des Innehaltens spielte.