Spannungspotenzial: Wer bekommt den Piks?

Baden-Baden/Rastatt (naf) – Die Hausärzte im Südwesten sollen mit dem Impfen beginnen, dabei erhalten sie allerdings nur rund 18 Impfdosen pro Woche. Zu wenig oder genau richtig?

Nun geht es auch bei den Hausärzten los: Dr. Niklas Schurig von der Rastatter Gemeinschaftspraxis Stiepak-Nawrot-Schurig impft Christel Linsler. Foto: Frank Vetter

© fuv

Nun geht es auch bei den Hausärzten los: Dr. Niklas Schurig von der Rastatter Gemeinschaftspraxis Stiepak-Nawrot-Schurig impft Christel Linsler. Foto: Frank Vetter

Seit Dienstag klingeln die Praxis-Telefone ohne Pause. Um alle Anrufer zu versorgen, hätte Dr. Patrick Fischer „fast noch einmal eine Vollzeitkram Dienstag mit dem Impfen gegen das Coronavirus starten sollten. Der Andrang ist groß – die Impfstofflieferung hingegen klein.

„Mir wäre lieber wir würden mehr impfen und weniger schwätzen.“ Fischers Worte sind deutlich. Der Hausarzt hat sich für 250 Impfstoffe pro Woche angemeldet, angekündigt sind jedoch nur 18. Und selbst die sind nicht sicher. „Ich muss den Impfstoff dienstags bestellen und erfahre donnerstags, wie viel ich tatsächlich bekomme.“ Am darauffolgenden Montag soll er dann geliefert werden. Durch die Osterfeiertage hätte Fischer seinen Biontech/Pfizer Impfstoff am Dienstag erhalten sollen, zur Mittagszeit war das noch nicht der Fall.

Auch Hausärzte impfen nach Priorisierung


„Ich hoffe, er kommt noch“, sagt der Arzt am Dienstag, nur so könne er die für Mittwoch eingeplanten Senioren im Altersheim impfen, die noch nicht vor Ort waren, als das mobile Impfteam dort war. Allein dafür benötige er bereits zwölf der Vakzine, die restlichen sechs werden dann an Schwerstkranke verteilt, die es noch nicht ins Impfzentrum geschafft haben. Auch die Hausärzte sind bei der Verteilung des Impfstoffs an die verschiedenen Priorisierungsstufen gebunden. In der aktuellen Gruppe weiter zu gewichten, „das ist sehr schwierig“, betont Fischer.

„Wenn die Nachbarn zum Impfen gerufen werden und man selbst noch nicht, da sehe ich viel Spannungspotenzial.“ Außerdem sei der Aufwand für ihn als Arzt auf diese Weise sogar größer. Die Patienten können sich nicht wie üblich für die Termine anmelden, Fischer muss einzelne Personen aussuchen und kontaktieren. Das verlange eine hohe Flexibilität auf beiden Seiten. So lange er nur so wenig Dosen zur Verfügung habe, könne er das allerdings noch neben der normalen Sprechstunde leisten.

In den ersten drei April-Wochen sollen die Praxen laut Bund-Länder-Plan rund eine Million Dosen erhalten. Ein Schub soll dann aber in der Woche vom 26. April mit mehr als drei Millionen Dosen kommen. Das wäre erstmals mehr als für die Impfzentren.

Wie lässt sich diese Menge an Impfungen noch in den Praxisalltag integrieren? Diese Frage betrachtet Dr. Jürgen Schönit, Vorsitzender der Ärzteschaft Rastatt, sehr kritisch. „Auch unabhängig von den Impfungen sind wir durchgängig am Arbeiten“, berichtet Schönit von Erfahrungen aus der eigenen Doppelpraxis. Auch diese erhält pro Arzt erst einmal 18 Impfdosen, die am Dienstag auch schon eintrafen. „Den Impfstoff haben wir erhalten, die dafür notwendigen Impfutensilien fehlen allerdings noch“, sagt Schönit, der für den Nachmittag bereits die ersten Impftermine ausgemacht hat.

„Spannend wird es in ein bis zwei Wochen“


Auch in seiner Praxis haben am Morgen zwischen 50 und 100 Personen wegen eines Termins angerufen. „Der klassische Praxisbetrieb wird durch die Nachfrage nach Impfungen eingeschränkt“, sagt Schönit. Was in den Praxen darum wirklich realisierbar ist, sei erstmal schwer zu sagen. „Spannend wird es in ein bis zwei Wochen.“

Muss dann eine separate Impfsprechstunde eingeführt werden? Wie können die Hausärzte den nötigen Abstand gewährleisten, während Geimpfte eine halbe Stunde vor Ort bleiben müssen? Diese und weitere Fragen müssen dann noch geklärt werden. „Ich appelliere, primär noch immer die Impfzentren zu nutzen“, betont Schönit. Dort funktioniere das Impfen „hervorragend“, die Infrastrukturen seien extra dafür geschaffen worden und er gehe davon aus, dass sie auch über den Juni hinaus verlängert werden.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.