Spargel-Saison gerettet: Erntehelfer meist schon geimpft

Rastatt (dms) – Die Spargelanbauer in Mittelbaden bereiten sich auf eine weitere Corona-Saison vor. Größtenteils haben sie schon Vorkehrungen getroffen.

Schwerstarbeit: Ein Helfer sticht während einer früheren Saison auf dem Feld von Franziska Gehrer in Durmersheim Spargel. Die Landwirtin hat mit ihren Erntehelfern im Vorfeld über die Corona-Impfung gesprochen.Foto: Hans-Jürgen Collet

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Schwerstarbeit: Ein Helfer sticht während einer früheren Saison auf dem Feld von Franziska Gehrer in Durmersheim Spargel. Die Landwirtin hat mit ihren Erntehelfern im Vorfeld über die Corona-Impfung gesprochen.Foto: Hans-Jürgen Collet

Das Netzwerk der deutschen Spargel- und Beerenverbände will den osteuropäischen Erntehelfern ein Impfangebot machen. Die Landwirte in Mittelbaden begrüßen die Aktion, haben aber größtenteils schon eigene Vorbereitungen getroffen.
Bis zum Frühling ist noch eine Weile hin. Die Vorbereitungen für die Spargel- und Erdbeerernte beginnen aber schon. Franziska Gehrer vom gleichnamigen Hof in Durmersheim war vergangene Woche in Rumänien. Sie war dort auf Akquise. Die Landwirtin hat dort alte und neue Mitarbeiter getroffen. Ein Thema war dabei auch der Impfschutz.

Auch Verbände planen Impfangebote

Aktuell machen sich die Spargel- und Beerenanbauer in Deutschland über ein Impfangebot für ihre osteuropäischen Erntehelfer Gedanken. Entsprechende Planungen liefen bereits, sagte der Geschäftsführer des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände, Frank Saalfeld, Anfang dieser Woche. „Wir haben schon eine Krankenkasse, mit der wir zusammenarbeiten.“ Im Moment suche man noch nach Partnern, die Impfbusse zur Verfügung stellten. Es gebe auch noch Fragen zum Impfstoff.

Für Franziska Gehrer ist das kein großes Thema mehr. Ihre Erntehelfer werden wohl schon geimpft nach Deutschland einreisen. Sie hätte gerne einen Rundumschutz für ihre festangestellten Mitarbeiter. „Und ich muss auch ehrlicherweise sagen: Meine Eltern wohnen mit auf dem Hof und sind nicht mehr die Jüngsten.“ Die Landwirtin weiß, dass die Impfbereitschaft in Osteuropa und vor allem in Rumänien viel geringer ist als in Deutschland. Das hänge aber auch oft mit einem Mangel an Informationen zusammen. Deshalb war ihr der Besuch in Rumänien wichtig. Gehrer findet die Aktion des Netzwerks gut. „Vielleicht gibt es aber auch Leute, die nicht in den Zentren wohnen und noch kein Impfangebot hatten“, meint sie.

Auf dem Huber-Hof in Iffezheim sind zur Hochsaison etwa 160 Erntehelfer da. „Wir haben die Leute angeschrieben, dass sie ihre Erstimpfung in ihrem Heimatland holen“, sagt Joachim Huber. Die Impfbereitschaft sei in Polen etwas höher als in Rumänien. Huber trifft aber Vorbereitungen. „Bei der Menge an Helfern kann ich mich nicht darauf verlassen, dass alle geimpft sind.“ Da müsse vor der Hauptsaison ein Konzept stehen. Auf den Höfen gelten laut Huber dieselben arbeitsrechtlichen Vorgaben wie andernorts. Ein Ungeimpfter muss seine Tests vorlegen. „Das ist halt wieder mit Aufwand und Arbeit verbunden“, erklärt der Landwirt. Er will die Fahrten zum Testzentrum dann mit seinen Fahrzeugen organisieren. Huber hofft allerdings, dass die Omikron-Welle bis zum Frühjahr abebbt und die Verordnungen zum Erntebeginn hin lockerer werden.

Schon in zwei Wochen kommen die ersten Erntehelfer an

In zwei Wochen kommen die ersten Erntehelfer am Spargelhof Schneider in Iffezheim an. „Bei mir ist es so, dass die Mitarbeiter, die kommen, alle schon geimpft sind“, sagt Stefan Schneider. Die 25 Erntehelfer kommen hauptsächlich aus Polen und Rumänien. Er habe ihnen frühzeitig nahe gelegt, sich impfen zu lassen. „So ist der Start mit weniger Schwierigkeiten verbunden.“

Erik Reiß beschäftigt das ganze Jahr über Erntehelfer auf dem Landseehof in Haueneberstein. „Zu 95 Prozent sind die Erntehelfer, die zu mir kommen, geimpft“, sagt er. Für den Landwirt ist das kein Problem, wenn sich einer in Deutschland impfen lassen will. „Zu uns kommen in der Hochsaison etwa 30 Erntehelfer. Da vereinbaren wir einfach einen Termin beim Arzt.“

Regina Fraß vom gleichnamigen Hof in Lichtenau sieht die Sache entspannt. „Im vergangenen Jahr hat das auch alles ohne Impfung ganz gut geklappt“. Damals waren die Erntehelfer in der sogenannten Arbeitsquarantäne. Sie betreibt mit ihrer Familie unter anderem auch den Hofladen Querfeldein. Im Herbst sei die Situation noch so gewesen, dass sich der ein oder andere Erntehelfer aus Osteuropa nicht hätten impfen lassen wollen. „Ich wollte auf unsere langjährigen Mitarbeiter aber nicht verzichten“, so Fraß. Dazu komme, dass vielleicht der ein oder andere mit dem russischen Impfstoff Sputnik V geimpft sein könnte. Der ist in Deutschland aber nicht zu gelassen. „Sollen sich diese Menschen dann nochmal impfen lassen?“ Das stoße bei den Erntehelfern auf Unverständnis. Auch sie hofft, dass bis zum Start der Spargelernte die Inzidenzen gefallen sind. „Am Ende wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

Wann gibt’s den ersten Spargel?

Eine Prognose, wann die Spargelernte in diesem Jahr beginnt, will Stefan Schneider noch nicht wagen. „Das ist stark wetterabhängig, die letzten Jahre ging es Ende März, Anfang April los.“ Auch Franziska Gehrer sagt, dass es noch zu früh ist, um eine Vorhersage zu treffen. Es komme auf das Wetter der nächsten drei bis vier Wochen an. Einige Landwirte setzen auf Folientunnel, andere beheizen sogar ihre Spargelfelder, um früher mit der Ernte beginnen zu können. „Wenn wir zu früh kommen, konkurrieren wir mit dem Ausland“, sagt Erik Reiß aus Haueneberstein. Der deutsche Spargel könne da preislich nicht mithalten.

Franziska Gehrer verzichtet mittlerweile auf die Sonnentunnel. „Wegen der Wetterkapriolen macht das ökologisch und ökonomisch keinen Sinn mehr für uns.“ Ihr Spargel kommt deshalb etwas später auf die Teller.

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