Spargelernte steht vor der Tür

Durmersheim/Iffezheim (kie) – Der Einsatz von Erntehelfern steht wegen Corona unter besonderen Vorzeichen. Die Landwirte zeigen sich jedoch optimistisch.

Die Spargelernte beginnt in wenigen Wochen. Beim Einsatz von Erntehelfern sind noch einige Fragen offen. Foto: Peter Steffen/dpa

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Die Spargelernte beginnt in wenigen Wochen. Beim Einsatz von Erntehelfern sind noch einige Fragen offen. Foto: Peter Steffen/dpa

„Wir sind Berufsoptimisten, sonst würden wir nichts pflanzen“, sagt Stefan Schneider und lacht. Der Landwirt aus Iffezheim organisiert momentan Saisonarbeitskräfte, die ihm in einigen Wochen bei der Spargelernte helfen. Wegen der Corona-Pandemie steht der Einsatz von Erntehelfern – die häufig aus Osteuropa kommen – in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen. Doch nicht nur Schneider zeigt sich optimistisch.

Bilder von Charterflugzeugen mit Erntehelfern wie im vergangenen Jahr wird es wohl keine geben, die Saisonkräfte kommen in diesem Jahr vermutlich über den Landweg nach Deutschland, sagt Simon Schumacher, Pressesprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). 140.000 Saisonarbeitskräfte werden deutschlandweit für die Spargel- und Erdbeerernte erwartet, rund 21.000 sind es allein im Südwesten. Der VSSE hatte bereits im Dezember Landwirte dazu aufgefordert, frühzeitig den Bedarf an Arbeitskräften abzuklären – schließlich setzt die Pandemie der Organisation von Arbeitern aus dem Ausland Grenzen.

Sorgen um die Ernte müsse man sich aber nicht machen, sagt Schumacher: „Wir glauben, dass genügend Erntehelfer kommen“. Auf dem Spargelhof in Iffezheim „läuft die Suche langsam an, größere Probleme scheint es nicht zu geben“, bestätigt auch Schneider, der in seinem Betrieb größtenteils rumänische und teilweise polnische Arbeitskräfte einsetzt. In diesem Jahr seien wieder „Leute da, die schon immer hier waren“, nachdem im vergangenen Jahr einheimische Erntehelfer im Einsatz waren.

Meldung ans örtliche Gesundheitsamt


Derzeit gilt: Wer als Saisonarbeitskraft aus einem Risikogebiet einreist, muss spätestens nach 48 Stunden einen negativen Corona-Test vorlegen, der frühestens 48 Stunden vor der Einreise durchgeführt wurde. Die Arbeiter müssen vor Arbeitsbeginn dem örtlichen Gesundheitsamt gemeldet werden. Außerdem gibt es eine Sonderregelung bei der notwendig werdenden zehntägigen Quarantäne: Erntehelfer dürfen währenddessen innerhalb fester Gruppen arbeiten, befinden sich also in einer sogenannten „Arbeitsquarantäne“. Laut Schumacher sei in der Arbeitsquarantäne ein „guter Infektionsschutz möglich“; dieser liege ohnehin im Interesse der Landwirte.

Weitere Hygienemaßnahmen auf den Höfen betreffen etwa die Unterbringung der Arbeiter oder das Vorhalten von Antigen-Schnelltests, die seit Anfang Februar auch durch geschultes Personal in den landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt werden dürfen. Die Höfe müssen außerdem ein Hygienekonzept nachweisen. „Corona macht vor den Höfen nicht Halt“, fasst Schumacher zusammen.

880 Euro Mehrkosten pro Arbeitskraft

„Wir stehen hinter den Einreise- und Quarantäneverordnungen und haben gute Konzepte – koste es, was es wolle“, so Schumacher weiter. Er beziffert die Mehrkosten, die den Landwirten in der vergangenen Saison durch die Pandemie und die Umsetzung von Hygienekonzepten entstanden sind, auf durchschnittlich 880 Euro pro Arbeitskraft – unter anderem für zusätzliche Räume oder Schutzausrüstung.

Franziska Gehrer von der Gehrer-Spargelwelt in Durmersheim ist derzeit „am Organisieren und am Rotieren“, wie sie sagt. Auf ihrem Spargelhof setzt sie seit Jahren rumänische Erntehelfer ein, mit denen sie teilweise eine jahrelange Geschäftsbeziehung pflegt. Wäre Corona nicht, würde sie momentan in Rumänien nach Mitarbeitern suchen. Jetzt führt sie die Vorgespräche in Telefonkonferenzen. „Es ist nicht so einfach“, sagt sie.

Die Mitarbeiter seien verunsichert und viele hätten Angst davor, sich in Deutschland anzustecken. Generell habe die Pandemie „eine Umstellung von Betriebsabläufen“ zur Folge – und „Erfahrungswerte hat keiner“. Doch auch sie zeigt sich optimistisch: „Es ist zwar mehr Aufwand, aber das kriegen wir hin“, sagt sie.

Zum Thema: Streitthema Sozialversicherung

Der VSSE fordert, dass Erntehelfer wie im vergangenen Jahr fünf Monate sozialversicherungsfrei arbeiten dürfen. Damit müssten die Höfe nicht wie früher nach drei Monaten die Teams auswechseln, womit sich das Infektionsrisiko bei An- und Abreise der Gruppen minimiere. Die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG Bau) kritisiert die Forderung und wirft dem Verband vor, fahrlässig mit der Gesundheit der Mitarbeiter umzugehen. „Auch im zweiten Corona-Jahr wieder Menschen ohne Sozialversichungsschutz zu uns in die Betriebe und auf die Felder zu holen, das wäre unverantwortlich“, wird der stellvertretende IG Bau-Chef Harald Schaum in einer Pressemitteilung zitiert. Auf BT-Nachfrage erwidert VSSE-Sprecher Simon Schumacher, dass die Sozialversicherung mehr als 20 Prozent des Lohns ausmache, die Erntehelfer davon aber kaum profitierten. „Wer zum Arbeiten herkommt, der braucht diesen Hinzuverdienst jetzt“, sagt er. Rund 90 Prozent der Landwirte würden ohnehin private Krankenversicherungen für ihre Arbeiter abschließen – „allein schon aus eigenem Interesse“.


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