Sparkasse Baden-Baden Gaggenau: Starkes Wachstum bei Sichteinlagen

Baden-Baden/Gaggenau (tas) – Das anhaltende Niedrigzinsniveau drückt bei der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau den Gewinn. Mit einem Ende des Negativtrends rechnet das Institut erst in ein paar Jahren.

Der Vorstand der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau: Martin Semmet, Lothar Volle und Susanne Burg (von links). Foto: Sparkasse

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Der Vorstand der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau: Martin Semmet, Lothar Volle und Susanne Burg (von links). Foto: Sparkasse

Der Zustrom an Kundengeldern hat die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau im Jahr 2020 besonders beschäftigt. Am Freitag veröffentlichte das Kreditinstitut seine Bilanzzahlen für das Corona-Jahr – und die zeigen einen starken Zuwachs bei den Kundengeldern.
Bei den Einlagen ging es im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 1,725 Milliarden Euro hoch. Davon entfällt ein Großteil auf täglich fälligen Sichteinlagen, deren Volumen auf über 1,24 Milliarden Euro nach oben schnellte. Und das, obwohl das starke Wachstum im Wertpapierbereich – hier konnte der Absatz um 33 Prozent erhöht werden – bereits dämpfend wirkte. „Man spürt zwar schon, dass die Kunden stärker bereit sind, sich mit dem Thema Wertpapiere auseinanderzusetzen, wir konnten aber nicht das ganze Volumen der Zuflüsse in diesen Bereich umleiten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Lothar Volle, im Gespräch mit dem BT.

Gut lief das Geschäft im Kreditsegment. Während das Volumen an Ausleihungen bei gewerblichen Kunden leicht um 1,5 Prozent auf rund 619 Millionen Euro zulegte, trieb insbesondere der Immobilienbereich das Geschäft an. Mit Zusagen für private Baufinanzierungen in Höhe von 122,3 Millionen Euro, konnte das Kreditinstitut ein Plus von 25 Prozent zum Vorjahr realisieren. Insgesamt vervierfachte sich das Wachstum im Kreditbereich von 2019 auf 2020 auf den Wert von 1,32 Milliarden Euro (nur Kredite an Nichtbanken).

Mehr als 80 Anträge auf öffentliche Förderung im Rahmen der KfW-Sonderkreditprogramme gingen bei der Sparkasse ein. Über eine Gesamtsumme von 15 Millionen Euro seien Fördermittel ausgezahlt worden. In fast 500 Fällen habe das Institut zwischenzeitlich fällige Kreditraten von monatlich insgesamt 1,9 Millionen Euro ausgesetzt. Fast ausnahmslos würden diese Kredite nun wieder bedient. Auch die Quote der notleidenden Kredite sei bislang unverändert niedrig.

„Mit den Niedrigzinsen zu kämpfen“


Trotz wachsender Impfzahlen geht die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau davon aus, dass sie Corona auch noch weit ins Jahr 2021 und darüber hinaus begleiten wird. „Es muss uns allen gelingen, Konzepte und Perspektiven nach vorne zu entwickeln. Wir sind sicher, dass wir mit unserem nachhaltigen Geschäftsmodell auch aus dieser Krise gestärkt hervorgehen werden“, sagte Martin Semmet, stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Auf der Ertragsseite machte sich die Pandemie im vergangenen Jahr bei der Sparkasse bemerkbar. „Auch die großen Anstrengungen unserer Kolleginnen und Kollegen am Markt konnten nicht verhindern, dass sich der Lockdown und die Kontaktbeschränkungen negativ auf unser Provisionsergebnis ausgewirkt haben“, sagte Volle. So sank der Provisionsüberschuss um 9,4 Prozent auf rund neun Millionen Euro. Der Vorstandschef führt dies unter anderem auch darauf zurück, dass 2020 viel weniger Besucher nach Baden-Baden kamen, was sich negativ auf die Erträge aus Geldautomatenverfügungen und Zahlungen im Einzelhandel bemerkbar machte.

Auch beim bereinigten Zinsüberschuss musste das Kreditinstitut einen Rückgang von einer Million auf 31,8 Millionen Euro hinnehmen. „Wie alle anderen Institute haben auch wir mit den Niedrigzinsen zu kämpfen“, sagte Volle. „Das wird noch einige Jahre anhalten.“

Von 2018 auf 2019 hatte es die Sparkasse geschafft, den Zinsüberschuss deutlich ansteigen zu lassen. „Damals hatten wir noch vergleichsweise wenige Fälligkeiten bei den eigenen Anlagen“ – ein Effekt aus der Fusion der damaligen Stadtsparkasse Baden-Baden und der Sparkasse Gaggenau-Kuppenheim im Jahr 2009. Im Zuge des Zusammenschlusses hatte das Institut seine Eigenanlagen neu strukturiert und noch von vergleichsweise hohen Marktzinsen profitiert.

Insgesamt ging das Ergebnis vor Bewertung um 15,3 Prozent von 15,2 Millionen Euro auf 12,9 Millionen Euro zurück. „Zur Risikovorsorge wird die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau auch in diesem Jahr aus dem erzielten Jahresüberschuss in Höhe von 11,4 Millionen Euro ihr Eigenkapital verstärken“, sagte Vorständin Susanne Burg.

Nach Möglichkeit gewerblich vermieten


Die Planungen für Erweiterung und Umbau der Sparkasse in der Baden-Badener Rheinstraße gehen derweil in die Detailphase über, für den wichtigen Sparkassen-Standort in Gaggenau wird die Zukunftsfrage damit immer klarer. Noch in diesem Jahr will die Sparkasse den Bauantrag für das Vorhaben einreichen. „Von heute ab muss man mindestens zwei bis zweieinhalb Jahre rechnen, bis es zum geplanten Umzug der Mitarbeiter in Gaggenau an den neuen Standort kommt“, sagte Volle. Er nannte die Zahl von 43 Mitarbeitern, die dann im Gaggenauer Sparkassen-Hochhaus ihren Arbeitsplatz vorfinden werden – von ursprünglich rund 90. Ein Teil der Beschäftigten im Sechseck werde dann im dort angesiedelten „digitalen Kompetenzcenter“ tätig sein. Es kümmert sich speziell ums Banking der Zukunft: Wenn es der Kunde wolle, könne er seine gesamten Bankangelegenheiten über Videoberatung und -legitimation abwickeln. Volle sieht hier ein Wachstumsfeld, das sogar wieder für mehr Personal in Gaggenau sorgen könnte.

Der Sparkassen-Chef sprach davon, die frei werdenden Flächen im Hochhaus nach Möglichkeit gewerblich zu vermieten. „Das würde dem Charakter des Gebäudes ein Stück weit nahekommen.“ In diesem Fall wäre eine zügige Nachnutzung einfacher zu realisieren. Erst wenn sich hier keine Möglichkeit ergebe, sollen die Flächen in Wohnungen umgewandelt werden. Gleichzeitig verteidigte Volle den Umzug, der im Gaggenauer Gemeinderat für Unmut gesorgt hatte. „Mit dem neuen Gebäude in Baden-Baden schaffen wir es, Nachhaltigkeitsthemen stärker zu spielen.“ Dabei gehe es nicht nur um sinkenden Energieverbrauch. Eine externe Analyse habe ergeben, dass die Sparkasse „überproportional hohe Informations- und Kommunikationszeiten“ habe. „Das hängt damit zusammen, dass die Mitarbeiter immer wieder für Arbeitsbesprechungen zwischen den Standorten hin- und herfahren müssen.“ Volle: „Bei bestimmten Themen – schneller Transport von Informationen oder Schulungen – sind digitale Helfer gut. Wenn es aber darum geht, Kreativworkshops zu machen oder Meinungen auszutauschen, ist körperliche Präsenz einfach die bessere Wahl.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
26. März 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
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