Sparkassenpräsident Schneider kritisiert Europäische Zentralbank

Ulm/Baden-Baden (tas) – Die deutschen Regionalbanken leiden unter den Negativzinsen, die Sparer auch. Sparkassenpräsident Peter Schneider prangert diesen Zustand an.

Der Baden-Württembergische Sparkassentag findet in diesem Jahr in Ulm statt.Foto: Marijan Murat/dpa

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Der Baden-Württembergische Sparkassentag findet in diesem Jahr in Ulm statt.Foto: Marijan Murat/dpa

Alle drei Jahre findet der Baden-Württembergische Sparkassentag statt, und auch Corona konnte diesen Rhythmus nicht durcheinanderbringen. Am Mittwoch war es wieder so weit, die „Sparkassenfamilie“ traf sich zum Gedankenaustausch in Ulm. Das Thema Nachhaltigkeit spielte dabei eine große Rolle.

Sparkassenpräsident Peter Schneider warnte davor, die Zukunft der regional und mittelständisch geprägten Bankenlandschaft in Deutschland zu verspielen. Die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zehre die soliden und risikoarmen Kreditinstitute zunehmend aus und belaste zudem die Sparer. „Hier darf Nachhaltigkeit offenbar kein Thema sein.“

Übt Kritik an der Politik der Europäischen Zentralbank: Sparkassenpräsident Peter Schneider. Foto: Bernd Weisbrod/dpa

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Übt Kritik an der Politik der Europäischen Zentralbank: Sparkassenpräsident Peter Schneider. Foto: Bernd Weisbrod/dpa

Anstatt den Hebel in Richtung steigende Zinsen umzulegen wie es die US-amerikanische Fed tue, verharre die EZB in ihrer Negativzinswelt. „Sollte sich bei uns der aktuelle Inflationsdruck verfestigen, dann sitzen vor allem die Sparerinnen und Sparer in der Realzinsfalle und werden doppelt bestraft: mit Negativzinsen und Kaufkraftverlust.“ Bereits heute sei der Realzins so negativ, wie er hierzulande noch nie war.

Der Freiburger Ökonom Lars Feld gibt aktuell in Sachen Inflation in Deutschland auch noch keine Entwarnung. Die Ruhe an der Lohnfront beginne zu bröckeln, beispielsweise in der Gastronomie, in der durch die Personalknappheit höhere Gehälter geboten werden müssten. „Wir müssen durchaus aufpassen, was im kommenden Jahr passiert auf den Märkten, und nicht einfach sagen, ‚wir schauen jetzt drei Jahre durch die Inflationsentwicklung durch und wenn ein paar Löhne steigen, ist das nicht so schlimm.‘“

„Zu stark expansive Geldpolitik“


Feld, der bis zum Frühjahr Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweisen“) war, rät den europäischen Währungshütern, vorsichtig zu sein und eventuell schon 2022 langsam aus der „zu stark expansiven Geldpolitik mit etwas bremsenden Wirkungen auszusteigen“. Bisher jedoch hat die EZB noch keinen Hinweis auf eine Trendwende erkennen lassen, was aus Sicht der Sparkassen auch eine nachhaltige Geldpolitik darstellt, jedoch in negativer Weise.

Auch Helmut Schleweis, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, knüpfte beim Thema Nachhaltigkeit an. Angesichts der Flutkatastrophe im Ahrtal würde den Menschen vor Augen geführt, dass weggeschwemmte Häuser und zerstörte Unternehmen auch die Sparkassen vor ganz neue Herausforderungen stelle. „Wir müssen ebenso wie unsere Kunden sehr, sehr viel mehr tun als bisher.“ Er warnte aber davor, die Sorgen der Menschen bei der Bewältigung der Klimakrise nicht zu beachten. „Der vor uns stehende gesellschaftliche Wandel wird nur dann erfolgreich sein, wenn er möglichst vielen neue ökonomische und soziale Chancen bietet.“

Der nächste Sparkassentag ist für 2024 in Freiburg vorgesehen. Er wird vom Sparkassenverband Baden-Württemberg organisiert, der die Interessen von 50 öffentlich-rechtlichen Regionalbanken im Südwesten vertritt.


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