Spaziergänger müssen sich noch in Geduld üben

Bischweier (mak) – Bischweier hat zwar schon seit Jahren ein Konzept für Wanderweg in der Tasche, doch zuvor ist ein Flurneuordnungsverfahren erforderlich. Dieses beginnt erst 2022 – und dauert mindestens zehn Jahre.

Spaziergänger müssen sich noch in Geduld üben

© fuv

Kirschblütenweg, Eichelberg-Rundweg, Streuobst-Lehrpfad: Es gibt mehrere Ideen, wie Spaziergänge und kurze Wanderungen rund um das Kirschendorf attraktiver gestaltet werden könnten. Bereits im Jahr 2012 hat die Gemeinde beim Landratsamt ein vereinfachtes Flurneuordnungsverfahren beantragt, doch das Amt für Flurneuordnung ist durch mehrere andere Verfahren gebunden. Mario Würtz, Leiter des Amts für Flurneuordnung, hatte bereits bei den ersten Besprechungen im Rathaus Erwartungen auf eine schnelle Umsetzung gedämpft und betont, dass man aufgrund von Personalkapazitäten und der Dringlichkeit der Flurbereinigungsverfahren zum Ausbau der Rheintalbahn und der Verlegung der B 36 zwischen Ötigheim und Durmersheim vorerst nicht mit der Bearbeitung des Verfahrens beginnen könne: „Das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung steuert landesweit das Arbeitsprogramm der unteren Flurneuordnungsämter bei den Kreisen. Zum Arbeitsprogramm werden erst neue Verfahren zugelassen, wenn die in Durchführung befindlichen Verfahren dem Ende entgegengehen. Schließlich macht es keinen Sinn, neue Verfahren anzuordnen, wenn das Personal in die anderen Verfahren gebunden ist“, erläutert Würtz auf BT-Anfrage.

Die Flurneuordnung ist zum einen erforderlich, um einen Wanderweg rund ums Kirschendorf anlegen zu können, zum anderen ist ein gutes Wegenetz auch für eine funktionierende Landschaftspflege unabdingbar. „Wir haben hier eine tolle Streuobstwiesenlandschaft. Und wenn ich diese ordentlich pflegen möchte, dann brauche ich auch entsprechende Wege“, verdeutlicht Bürgermeister Robert Wein. Das bestehende Wegenetz rund um das Kirschendorf, das für Spaziergänge genutzt wird, ist nicht miteinander verknüpft, außerdem befinden sich über 50 Prozent der für die Wege erforderlichen Flächen in Privateigentum. In vielen Fällen entstehen so durch Spaziergänger unschöne Trampelpfade über private Wiesengrundstücke, was vor allem beim Mähen für Verdruss sorgt.

Die Idee für einen Rundweg hat ihren Ursprung in der 2011 durchgeführten Bürgerbeteiligung „Bischweier 2020“. Mit einem „Kirschblütenweg“ sollte auch die Identität mit dem Ort gestärkt werden. Der Gemeinderat beauftragte Ende September 2012 das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) in Bühl mit der Planung für einen Rundweg. Ende 2016 legte das ILN zwei thematische Varianten vor: Ein Streuobstpfad mit Erlebnisstationen und ein gemarkungsübergreifender Eichelberg-Rundweg, bei dem die Erholung und das Erleben der Landschaft im Vordergrund stehen. Das Gremium entschied sich für Letzteres.

Der geplante 9,3 Kilometer lange Wanderweg soll am „Winkler Hof“ vorbeiführen und damit eine Einkehrmöglichkeit bieten. Über die Mühlberggasse und die Querung des Hühnergrabentälchens, über den Altersberg vorbei am alten Wasserhochbehälter führt der Weg zum Vogelsanderschlauch, von dort über den Brettweg zurück zum Aspachweg. Der Rundweg kann laut ILN an die „Rotenfels Wege“ (neun Kilometer) und an den „Keschteweg“ (6,1 oder 3,8 Kilometer) angebunden werden. Somit könnten Wanderer in Bad Rotenfels bei Bedarf wieder in die S-Bahn einsteigen.

Doch bis die neuen Wege Wanderern und Wiesenbesitzern zur Verfügung stehen, werden noch viele Jahre ins Land ziehen. Wie lange ein Flurneuordnungsverfahren dauert, kann laut Würtz „im Voraus nicht genauer geplant werden“. Denn immer neuere Auflagen gerade auch im Bereich der Ökologie verlängerten oft die Verfahrenslaufzeiten. „Auch Einsprüche der Beteiligten führen mitunter zu langen Verfahrenslaufzeiten“, erläutert der Amtsleiter.

Je nach Aktualität des Grundbuchs kann die Ermittlung der Beteiligten ein Jahr oder mehr andauern. Bei der Neugestaltung des Flurbereinigungsgebiets sind mehrere ökologische Gutachten vorgeschrieben, die ein bis zwei Jahre andauern. „Insgesamt ist mindestens mit einer Verfahrenslaufzeit von zehn Jahren zu rechnen, je nach Größe des Verfahrens.“


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