Spediteure beklagen lange Wartezeiten für neue Lkw

Muggensturm/Bietigheim (dms) – Lange Wartezeiten für neue Lkw, keine Fahrer zu bekommen: Die großen Logistik-Unternehmen in Mittelbaden klagen über Probleme. Dem Verbraucher drohen steigende Preise.

Strategischer Partner: Die Spedition Logistik Schmitt testet den elektrifizierten Actros von Daimler Trucks. Die Lastwagen sollen in diesem Jahr in Serie gehen. Foto: Hans-Jürgen Collet

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Strategischer Partner: Die Spedition Logistik Schmitt testet den elektrifizierten Actros von Daimler Trucks. Die Lastwagen sollen in diesem Jahr in Serie gehen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Herbert Striebich hat ein Problem. Einer seiner Fahrer hatte einen Unfall mit einem Lkw. Das Fahrzeug ist kaputt und fällt aus – ersatzlos. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition in Muggensturm bekommt weder eine neue Zugmaschine noch ein Ersatzfahrzeug. „Das sind Zustände wie im alten Rom“, beklagt Striebich.
Die Logistik-Branche befindet sich aktuell in einer Zwickmühle. Fachkräftemangel, explodierende Kosten und nun lange Wartezeiten bei neuen Lastwagen. Der Halbleitermangel ist auch bei den Nutzfahrzeugherstellern angekommen. Das bekommen die Spediteure zu spüren. Wer expandieren will, hat ohne neue Fahrzeuge kaum eine Chance.

Striebich: Fast zwei Jahre Wartezeit

„Früher war die Wartezeit vier oder fünf Monate lang“, erzählt Striebich. Und es gab bei Unfällen wenigstens einen Ersatz-Lkw. Heute gebe es nichts mehr. Er selbst hat im Oktober fünf neue Lastwagen bestellt. Eineinviertel bis anderthalb Jahre muss Striebich auf seine neuen Zugmaschinen warten. Die Wartezeiten seien bei allen Herstellern ähnlich. Das geht laut dem Spediteur auf den Halbleitermangel zurück. Die Situation verhindere seine betriebliche Weiterentwicklung. Striebich besitzt aktuell 34 Groß-Lkw. „Bei den Herstellern von Anhängern gibt es wegen des Stahlmangels ähnliche Probleme.“ Dort verzögere sich die Lieferzeit um drei bis vier Monate.

Bei der Spedition Hartmann in Muggensturm läuft das so: Die Lkw fahren in der Regel 48 Monate und werden dann ausgetauscht. „Früher, als die Welt in Ordnung war, haben wir drei bis vier Monate vorher neubestellt“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Alfons Hartmann. Mittlerweile bestelle die Spedition halt schon im 36. Monat neu. Wenn es zu Verzögerungen kommt, dann werde der alte Lastwagen länger gefahren. „Wer expandieren will, der hat natürlich ein großes Problem“, sagt er. Auf der Straße herrsche ein Preiskampf, der sich gewaschen hat. Bei der Spedition Hartmann stehen 50 Zugmaschinen und 80 Sattelauflieger auf dem Hof.

Schmitt: Frühzeitig bestellt

Benjamin Sommer, Projektmanager und Referent der Geschäftsführung bei der Spedition Logistik Schmitt in Bietigheim, sagt: „Auch wir sind von der aktuellen Situation betroffen.“ Dennoch werde die Spedition in diesem Jahr 20 neue Lastwagen bekommen. Der Fuhrpark umfasst aktuell 80 Zugfahrzeuge und 100 Trailer. „Wir haben im vergangenen Jahr frühzeitig Gespräche mit unserem Händler geführt und uns Fahrzeuge reservieren lassen.“ Die Unternehmensführung befürchtete schon im vergangenen Jahr, dass die Situation nicht viel besser werde. Auch er berichtet von aktuellen Lieferzeiten von bis zu eineinhalb Jahren.

Die Spedition Logistik Schmitt plant schon jetzt den Fahrzeugbedarf für 2023 und ist mit ihrem Händler im Gespräch. Die Preise je Fahrzeug seien um 20.000 Euro gestiegen. „Für uns als Logistik-Unternehmen ist das immens“, sagt Sommer. Eine Verknappung sei da, die aus der Corona-Krise resultiere. Asiatische Häfen seien komplett geschlossen und Waren nicht von A nach B zu transportieren gewesen. Die Containerpreise steigen laut Sommer ebenfalls.

Keine Fahrer mehr zu bekommen

„Unsere größte Schwierigkeit ist aber, keine Fahrer mehr zu bekommen“, sagt er. Dieses Problem hätten alle Logistik-Unternehmen. Das Ansehen des Lkw-Fahrerjobs hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Es sei nicht mehr so wie vor 15 Jahren. Die Spedition Schmitt bildet zwar aus, Leute seien aber schwer zu bekommen. „Und wenn die Ausbildung fertig ist und ein Spediteur 50 Euro mehr bezahlt, ist der Nachwuchs weg“, erzählt Sommer. Das bleibe nur die Möglichkeit, die Gehälter anzupassen. Hartmann bestätigt die prekäre Situation. „Wir haben ein massives Problem, was die Fahrerschaft betrifft“, sagt er. Selbst im EU-Ausland gebe es keine Fahrer mehr. „Es gibt keine Rumänen mehr, und von Polen und Tschechien brauchen wir gar nicht mehr reden.“ Ein deutscher Fahrer sei kaum zu kriegen.

Höhere Gehälter wirkten sich auf die Frachtpreise beziehungsweise die Marge aus, weiß Sommer. „Wenn wir keine neuen Fahrzeuge bekommen und ein Kunde mehr bezahlt als jemand, für den wir schon ein paar Jahre fahren, sage ich dem dann ab?“, fragt der Projektmanager. Das sei eine Zwickmühle. Spediteure würden gerne expandieren, könnten aber nicht, weil keine Fahrzeuge und Fahrer da sind.

Auf die Verbraucher werde deshalb wohl früher oder später eine Teuerungswelle zurollen, meinen die drei Fachmänner. CO2-Steuer, steigende Dieselpreise, Fachkräftemangel und verknappte, teurere Lastwagen würden die Situation verschärfen. Die Spediteure müssen ebenfalls an der Preisschraube drehen. „Wir werden die Frachtraten anpassen müssen“, sagt Sommer. Wenn Milch und Brot teurer werden, hätten letztlich die Verbraucher darunter zu leiden.

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Ihr Autor

Dominik Schneider

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Erstellt:
15. Februar 2022, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 25sec

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