Spendenaufruf für Amelie berührt die Leser

Rastatt (kba) – Die Mutter eines fast blinden zweijährigen Mädchens aus Rastatt hofft auf eine teure Spezialtherapie, aber die Krankenkasse will nichts zahlen. Nun kommt Unterstützung von BT-Lesern.

Fast blind: Die rund zweijährige Amelie benötigt eine teure Therapie in Berlin. Foto: Kerstin Bausch

© kab

Fast blind: Die rund zweijährige Amelie benötigt eine teure Therapie in Berlin. Foto: Kerstin Bausch

Das Schicksal der kleinen Amelie aus Rastatt, rund zwei Jahre alt und fast blind, über das unsere Zeitung berichtet hat, ist bei den Lesern auf großes Mitgefühl und Hilfsbereitschaft gestoßen. Der Beginn einer speziellen Therapie ist nun dank Spenden möglich.
„Als ich den Artikel gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich etwas tun muss“, ist Gertrud Thelen noch immer ganz ergriffen, wenn sie daran zurückdenkt, wie sie das erste Mal von Amelies Sehschwäche erfuhr. „Mein Mann und ich haben sofort überlegt, was wir machen könnten.“ Die beiden haben seit über 40 Jahren ein gut etabliertes Antiquariat mit Sitz in der Innenstadt von Baden-Baden. Bereits zum Jahreswechsel zierte ein rosa Keramik-Sparschweinchen nebst BT-Artikel dessen Schaufenster, samt Aufruf von Thelen, der Passanten wachzurütteln versuchte.

Ähnlich wie Gertrud Thelen ging es einigen Zeitungslesern, von denen manche sich auch in der Redaktion gemeldet haben, um mehr zu erfahren. Auch bei der Spendenplattform Aktion Sonnenherz freute man sich über die gute Resonanz. Amelies Mama, Annette F., war überwältigt von so viel Anteilnahme.

Elektrostimulationstherapie soll Besserung bringen

Gertrud Thelen war sogar so berührt von der Geschichte des fast blinden Mädchens, dass sie direkt über eine eigene Spendenaktion für sie nachdachte und den Kontakt mit der Mutter suchte, um herauszufinden, wie sie noch helfen könnte. Auch Kunden und Freunde sprach sie darauf an. Die einzige Therapie, die Amelies Sehleiden bessern könnte, ist teuer. Die Mutter der quasi blinden fast Zweijährigen hatte nach unzähligen Arztterminen und Beratungen, begleitender Physio- und Logotherapie 2021 schließlich von einer speziellen Elektrostimulationstherapie in Berlin erfahren, die die zu schwach ausgebildeten Sehnerven von Amelie stärken könnte. Seitdem setzt sie ihre ganze Hoffnung darauf.

Auch ein Arzt der Berliner Charité sah darin eine 60-prozentige Chance auf Verbesserung von Amelies Sehvermögen. Allein: Die Krankenkasse lehnte die Kostenübernahme für die Behandlung und bislang auch jede Zuzahlung ab.

Amelie leidet an einer schweren Form beidseitiger septooptischer Dysplasie, hinzu kamen nach einer schweren Geburt permanente Schluckbeschwerden und Schlafstörungen. Wer auch nur ein klein wenig sieht, ist nicht blind, so das Credo von Mama Annette, die alles versucht, ihrem Sonnenschein zu helfen, trotz aller Beeinträchtigungen bestmöglich ins Leben zu kommen.

Jede Behandlungseinheit kostet 8.000 Euro

Da Annette F. das Geld auf keinen Fall alleine aufbringen kann, ist sie auf Spenden angewiesen. Jede Behandlungseinheit kostet sie rund 8.000 Euro. In der Regel braucht es vier davon. Die erste kann Amelie nun dank ihrer Unterstützer bereits Anfang Februar antreten: Zehn Tage lang, Hotel plus Tagesklinik für sie und ihre Mutter. Annette F.: „Danach müssen wir sehen, wie sich Amelie macht.“ Frühestens nach sechs Monaten könne eine weitere Einheit angesetzt werden. Auch die ist durch die Spenden schon greifbar.

Viel verdankten sie aber auch dem Engagement von Therapeutinnen wie Karin Heinke, die schon seit über einem Jahr mit Amelie arbeitete, sie kontinuierlich fördere und damit auch für Annette F. eine große Stütze sei. Auch sie trugen dazu bei, Berlin möglich zu machen.

Bei aller Hoffnung auf neue Wege blieb der Alltag zum Jahresbeginn erst mal beschwerlich. So sehr die kleine Amelie darum kämpft, sich in ihrer Welt zurechtzufinden, machen ihr manchmal auch normale Entwicklungsschritte über die Maßen zu schaffen. Wie die unerklärlichen Schmerzen, die im Januar an manchen Tagen auch noch das letzte bisschen Schlaf vereitelten. „Amelie konnte nur noch weinen.“ So sehr war Annette F. in Sorge, dass sie sie einmal sogar beim Notdienst vorstellte. Doch als der Arzt lediglich starkes Zahnen und eine Unverträglichkeit gegen gängige Schmerzmittel feststellte, suchte Gertrud Thelen für Amelie nach einem Spezialisten.

Hoffen auf einen Platz im Förderkindergarten

Unterdessen laufen bei Annette F. die Vorbereitungen für die große Reise auf Hochtouren. Geht alles gut, könnte Amelie im August erneut behandelt werden. Mit drei Jahren hoffen sie auf einen Platz in einem Förderkindergarten. „Wenn sie bis dahin auch nur schon ihre Hand richtig erkennen könnte, wenn sie etwas greift, wäre es so viel leichter zu lernen“, glaubt Annette F. und will darum alles daran setzen, die vier Einheiten bereits in den nächsten 18 Monaten umzusetzen. Voller Dankbarkeit ist sie dabei für die vielen Menschen, die seit dem ersten Bericht auf sie zu kamen, mithalfen und auch Hilfe über das Finanzielle hinaus anboten. So weit es sich einrichten ließ, hat sie persönlich am Telefon mit ihnen gesprochen und dabei viel Zuspruch und gute Wünsche gehört. Das hat geholfen, sich auch etwas weiter aus der eigenen kleinen Welt hinauszuwagen.

Gertrud Thelen und ihren Mann besuchten sie dann sogar in deren Antiquariat. „Amelie fühlte sich sofort wohl bei den beiden. Sie sprang dem Mann fast auf den Arm, fremdelte kaum, das war wirklich erstaunlich.“ Und doch auch wieder nicht, denn Amelies Mama kennt schon lange die feinen Antennen des fast blinden Mädchens. Ab März dürfte Amelie an zwei Vormittagen nun in die Kinderkrippe Sternchen in Rastatt. Das wäre ein Riesenschritt, um endlich auch soziale Kontakte mit Gleichaltrigen zu knüpfen. Doch sie bräuchte eine Begleitung, die feinfühlig helfen und Wege ebnen kann. Das Landratsamt habe seine Unterstützung zugesichert, bislang aber fand sich niemand für die Aufgabe. Annette F. muss wieder mal auf ein Wunder hoffen.

Weitere Infos gibt es unter der Telefonnummer (07221) 33398 oder per E-Mail an antiquariat.thelen@ t-online.de. Auch die Aktion Sonnenherz macht sich weiter für Amelie stark. Überweisungen an das Spendenportal (Aktion Sonnenherz gUG, IBAN: DE82 7002 2200 0020 2679 84, fidor Bank München, Verwendungszweck: „Augenlicht für Amelie“) kommen zu 100 Prozent bei Amelie an, heißt es, und können mit einer Spendenquittung bestätigt werden.

Appell: Das Antiquariat Thelen in Baden-Baden ruft zum Spenden auf. Foto: Kerstin Bausch

© kba

Appell: Das Antiquariat Thelen in Baden-Baden ruft zum Spenden auf. Foto: Kerstin Bausch


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.