Erneute Sperrung der Rheintalbahn steht bevor

Rastatt (BNN) – Letzter Halt: Rastatt. Die AVG kündigt an, dass ihre Stadtbahnen ab dem 11. April bis nach Ostern nicht mehr zwischen Rastatt und Baden-Baden fahren können.

Vorübergehender Abzweig: Links die neuen Gleise – die Bahn will sie am Osterwochenende in Betrieb nehmen. Dafür muss die Rheintalbahn gesperrt werden. Foto: Hans-Jürgen Collet

Vorübergehender Abzweig: Links die neuen Gleise – die Bahn will sie am Osterwochenende in Betrieb nehmen. Dafür muss die Rheintalbahn gesperrt werden. Foto: Hans-Jürgen Collet

Es ist wie bei einer Operation am offenen Herzen: Die Deutsche Bahn (DB) plant, am Osterwochenende bei Niederbühl einen Bypass an die Rheintalbahn anzuschließen. Dafür muss die Hauptschlagader vorübergehend abgeklemmt werden. Von Karfreitag bis einschließlich Ostermontag ist der Streckenabschnitt zwischen Rastatt und Baden-Baden gesperrt. Der Stadtbahnverkehr kommt schon deutlich früher zum Erliegen.

Der Eingriff ist eine Folge des großen Kollapses von 2017. Am 12. August kam es damals beim Bau des Rastatter Tunnels zur Havarie in der Oströhre. Die Gleise sackten ab. Die Rheintalbahn war sieben Wochen lang gesperrt. Rund viereinhalb Jahre später wollen die (DB) und die Arbeitsgemeinschaft (Arge) Tunnel Rastatt die Oströhre fertigstellen. In der Weströhre hat die Tunnelvortriebsmaschine „Sibylla Augusta“ am 6. Dezember vergangenen Jahres ihr Ziel erreicht. Jetzt geht es auf der anderen Seite weiter.

Das Problem: In der havarieren Oströhre steckt noch immer „Wilhelmine“ fest, die Schwester-Maschine von „Sibylla Augusta“. Sie hatte sich im August 2017 unter den Gleisen vorgefressen, als die Katastrophe passierte. Seitdem steckt sie in einem Grab aus Beton fest. Die Bahn muss zunächst den riesigen Tunnelbohrer bergen, anschließend soll die Oströhre in offener Bauweise vollendet werden. Dafür muss sie Platz schaffen. Die Rheintalbahn ist im Weg.

In den vergangenen Wochen hat die Bahn bei Niederbühl auf 700 Metern Länge eine Ersatztrasse gebaut, die wenige Meter westlich der alten Gleise verläuft. Die Lieferung der Ersatzschienen erfolgte an zwei Wochenenden Mitte Januar und Anfang Februar. Der Konzern will das lange Osterwochenende nutzen, um sie in Betrieb zu nehmen.

Wie das im Detail über die Bühne geht, hat die Bahn bislang nicht öffentlich erklärt. Einen Pressetermin vor Ort, der für den 23. März geplant war, musste der Konzern kurzfristig wegen eines Krankheitsfalls absagen. Einen Ersatz gab es bislang nicht.

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) machte aber an diesem Mittwoch öffentlich, dass sich die Auswirkungen auf den Schienenverkehr nicht auf das Osterwochenende beschränken. Bereits ab der Nacht zu Montag, 11. April, können die Stadtbahnen der Linien S7 und S71 zwischen Rastatt und Baden-Baden nicht mehr fahren. Bis Dienstag, 19. April, 13 Uhr, sind Ersatzbusse im Einsatz.

„Die AVG wird verdrängt“

Nach Angaben von Michael Krauth, Pressesprecher der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, sperrt die DB auf dem Abschnitt für vorbereitende Maßnahmen ab dem 11. April ein Gleis. Damit verringern sich die Kapazitäten auf dem Abschnitt: „Die AVG wird verdrängt“, sagt Krauth.

Der Zugverkehr der Deutschen Bahn scheint davon vorerst nicht betroffen zu sein. Laut der elektronischen Reiseauskunft des Konzerns fahren sowohl die Züge im Nah- als auch Fernverkehr regulär weiter. Details lässt die Bahn allerdings offen. Eine Sprecherin teilt auf Anfrage unserer Redaktion lediglich mit: „Ab 11. April baut die DB in genanntem Abschnitt. Daher kommt es leider schon ab Mitte April zu Einschränkungen.“

Auf einem vorläufigen Flyer, der unserer Redaktion vorliegt, ist die Rede von einer Streckensperrung der Rheintalbahn zwischen Freitag, 15. April, 0.15 Uhr, und Dienstag, 19. April, 3 Uhr. In dieser Zeit ersetzen Busse nicht nur die Stadtbahnen, sondern auch die Regionalzüge.

Zum Fernverkehr gibt es auf dem Flyer keine Angaben, auch die Bahnsprecherin trifft dazu keine Aussage. Laut der Fahrplanauskunft der DB enden aber auch die ICE-Züge in diesem Zeitraum in Rastatt. In der anderen Richtung ist der letzte Stopp demnach schon Freiburg, danach geht es mit dem Bus weiter.

Sollte es tatsächlich so kommen, erwartet den Rastatter Bahnhof rund ums reisestarke Osterwochenende wohl so viel Trubel, wie er zuletzt im Spätsommer 2017 herrschte. Damals liefen die ICEs auf Gleis 1 in Rastatt ein, danach ging es in Bussen weiter. 60 Mitarbeiter der Bahn waren den Fahrgästen im Zwei-Schicht-Betrieb beim Aus- und Umstieg behilflich.

Da der Bahnsteig damals zu niedrig war, stellten sie beim Einrollen der Züge Tritthilfen in Höhe der Türen auf. Mittlerweile läuft am Bahnhof allerdings ein umfangreiches Sanierungsprogramm, in dessen Verlauf Bahnsteig 1 bereits modernisiert und angehoben wurde.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Holger Siebnich

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Erstellt:
31. März 2022, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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